Mit süßem Hobby zur Ruhe kommen

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Pro Volk lassen sich im Jahr etwa 25 Kilo Honig „ernten“

Hergershausen - Mit ruhiger Hand zieht Achim Knick die Honigwabe aus dem Bienenstock. Zuvor hat er den sogenannten Smoker angezündet, der die Luft jetzt schwach mit hellem Rauch füllt. Die meisten Bienen bleiben auf der Wabe sitzen. Von Petra Grimm

„Der Rauch beruhigt die Bienen aber nicht, wie manchmal fälschlicherweise behauptet wird. Im Gegenteil. Er versetzt sie in Aufregung, so dass sie sich mit Honig füllen und damit so beschäftigt sind, dass sie den Imker gar nicht beachten“, erklärt der Hergershäuser.

Seit zwei Jahren ist der 51-jährige IT-Management-Berater begeisterter Jungimker. Drei Bienenvölker leben bei ihm in drei Kästen, sogenannten Beuten, im Garten. Sich mit den Bienen zu beschäftigen und Honig herzustellen – für den Familienbedarf und zum Verschenken an Freunde und Bekannte –sind für ihn ein Ausgleich zu seinem oft stressigen Beruf. „Es ist ein wunderbares Hobby, um zur Ruhe zu kommen, weil man dabei ganz ruhig und geduldig sein muss. Für mich ist es auch ein mentales Training, denn du riskierst gestochen zu werden, wenn du dich nicht auf die Bienen konzentrierst“, sagt er. Aber es sei nicht wirklich gefährlich. Viermal sei er im vergangenen Jahr gestochen worden. „Weil ich unruhig und unvorsichtig war. In diesem Jahr habe ich noch keinen einzigen Stich abbekommen.“

Als Mitglied im Imkerverein Seligenstadt hat er erfahrene Imker an seiner Seite, die ihm mit Rat und Tat helfen. Auch seine Schwiegereltern hatten früher Bienen. „Durch sie bin ich vielleicht mit diesem tollen Hobby infiziert worden“, meint er schmunzelnd.

„Hobby, das der Natur zugute kommt“

Angefangen hat er mit zwei alten Beuten und einem Volk, die ihm ein Bekannter überlassen hatte. „Für wenig Geld gibt es einen Schutzanzug und ein paar notwendige Werkzeuge. Eine Schleuder kann man sich leihen und schon kann’s losgehen. Man braucht auch nicht viel Platz. Jeder, der ein bisschen Garten hat, kann dieses Hobby, das der Natur zu Gute kommt, ausüben“, sagt Achim Knick.

Vor allem im April, Mai und Juli hat er als Imker zu tun. „Im Mai schleudert man den meisten Honig, aber man lässt noch ein bisschen für die Bienen drin. Im Juli wird dann alles rausgeschleudert. Damit die Bienen über den Winter nicht verhungern, gibt man ihnen als Ersatz einen Wintervorrat in Form von Zuckerlösung, von der sie sich dann ernähren“, erklärt Knick. Neben dem Honigschleudern und dem Einfüttern im Spätsommer steht eine Milbenbehandlung im August/September und im Dezember/Januar auf Knicks „Arbeitsplan“. Die aus Asien eingeschleppte Varroa-Milbe befällt die heimischen Bienen und schwächt sie. „Ohne Milbenbehandlung sterben sie im Winter“, erklärt er. Während der kalten Jahreszeit, von Oktober bis Februar, bleiben die Bienen im Stock und man lässt sie in Ruhe. Der Arbeitsaufwand halte sich wirklich in Grenzen, sagt Knick. Der geschleuderte Honig wird noch zweimal gesiebt und dann abgefüllt. „Das ist dann ein relativ harter, kristalliner Honig, streichfähiger kann man ihn durch intensives Rühren vor dem Abfüllen machen“, so der Hergershäuser. Pro Volk könne man etwa 25 Kilo Honig im Jahr „ernten“, in einem guten Jahr auch mehr. Am Anfang muss man nicht selten Lehrgeld zahlen, so sind auch Achim Knick im ersten Jahr Bienenvölker eingegangen. „Man sagt, ein Jungimker sollte drei Völker haben. Eins überlebt, eins schaut er zu Tode und eins stirbt an Pestiziden oder der Milbe“, so der Hobbyimker, der dringend empfiehlt, sich einem Verein anzuschließen, um das nötige Wissen zu erlangen. Dass die Tipps erfahrener Imker dabei nicht immer einheitlich sind, sei allerdings auch Fakt. „Frag drei Imker, und du erhältst drei verschiedene Antworten“, sagt er schmunzelnd.

Wer sich für die Imkerei interessiert, dem stehen der Jungimker Achim Knick (Achim.Knick@web.de) und Norbert Vollmer vom Bienenzuchtverein Seligenstadt, Mainhausen und Hainburg (vollmer.norbert@t-online.de) gerne für Informationen zur Verfügung.

Quelle: op-online.de

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