Nach harter Arbeit auf den Fußballplatz

+
Die Mannschaft der Kickers in den 50er Jahren.

Hergershausen - Ein stolzes Jubiläum feiert der SV Kickers Hergershausen im nächsten Jahr. Denn dann wird der Sportverein im größten Stadtteil 100 Jahre alt. Von Petra Grimm

320 Mitglieder zählt der Verein unter dem Vorsitz von Hans Solleder, darunter viele Jugendliche und seit vergangenem Jahr auch fußballbegeisterte Mädchen.

Beim Blick in die Vereinschronik wird schnell klar, dass auch hier aller Anfang wohl schwer war. „Die Männer der ersten Stunde waren vorwiegend Arbeiter, die wochentags ihren harten Dienst bei den hiesigen Bauern verrichteten, um sich während ihrer sonntäglichen Freizeit am Fußballspiel zu erfreuen. Diese Leute gehörten in der damaligen Zeit nicht gerade zu den Etablierten der Gesellschaft. Von ihrem kärglichen Lohn mussten sie sich ihre Sportkleidung, Bälle, Fußballschuhe usw. beschaffen. Auch war das aus England zu uns gekommene Fußballspiel in dieser Zeit in der breiten Öffentlichkeit als roher Sport verpönt und verschrien“, ist in der Vereinschronik nachzulesen.

Fußballer ohne Sportplatz

Am Anfang hatten die Fußballer auch noch keinen Sportplatz, meldeten aber bei der Gemeinde den Bedarf eines geeigneten Geländes an. Während in den größeren Städten bereits um die Jahrhundertwende die neu gegründeten Fußballvereine Meisterschaften austrugen, begnügten sich die Gründungsmitglieder des SV Kickers 1913 mit Freundschaftsspielen gegen Nachbarvereine.

In den ersten Jahren wurde eine Wiese gegenüber dem Wasserwerk notdürftig zu einem Fußballplatz umfunktioniert. 1922 ging dann der lang ersehnte Wunsch in Erfüllung. In einer Gemeinderatssitzung wurde dem Verein ein Gelände „Am dicken Eichbaum“ für einen Sportplatz zugewiesen. Eigenhändig fällten die Mitglieder Bäume, beseitigten Wurzeln und planierten das Gelände. Als Lohn besaß Hergershausen nun einen wunderschön gelegenen Waldsportplatz, der den Fußballern bis 1958 als Sport- und Freizeitgelände diente. Bei den Heimspielen nutzten viele Hergershäuser Familien die Gelegenheit zu einem gemeinsamen Waldspaziergang, der schließlich am Fußballplatz endete. Auf dem früheren Waldsportplatz befinden sich jetzt das Vereinsheim und der Dressurplatz der Hergershäuser Hundefreunde. Im Dritten Reich wurden die Kickers wie viele andere Vereine verboten und dem Arbeitersport zugerechnet. Das mühsam angesammelte Vereinsvermögen wurde beschlagnahmt.

Gasthaus „Zur Eisenbahn“

Nach dem Krieg, am 14. November 1945, wurde der Verein mit Genehmigung der Amerikaner im Gasthaus „Zur Eisenbahn“ wieder gegründet. Adam Ohl übernahm das Amt des ersten Vorsitzenden. Die ersten Wettkämpfe durften die sportbegeisterten Männer aber erst ab 1947 austragen, da noch viele Formalitäten zu erledigen waren. Die Hergershäuser spielten in der B-Klasse Dieburg mit zunehmendem Erfolg, holten sich im Spieljahr 1954/55 sogar den Meistertitel und stiegen in die A-Klasse Dieburg auf.

Im Sommer 1958 wurde der neue Sportplatz an der heutigen Mainstraße, der mit Unterstützung der Amerikaner angelegt worden war, eingeweiht. Im gleichen Jahr begannen die Mitglieder mit dem Bau ihres Vereinsheims, das in späteren Jahren mehrfach erweitert wurde. Auch eine überdachte Tribüne und ein zweites Sportfeld mit einer Flutlichtanlage wurden später noch gebaut. Einen Blick in die Vereingeschichte werden die Gäste auch bei der großen Jubiläumsfeier im kommenden Jahr werfen können.

Veranstaltungen für das Jubeljahr

Zwölf Mitglieder sind im Festausschuss unter der Leitung von Lothar Nemtschok damit beschäftigt, die Veranstaltungen für das Jubeljahr zu planen und vorzubereiten. Die Eckdaten stehen bereits. Am 1. März 2013, das war genau der Gründungstag vor 100 Jahren, wird es im Bürgerhaus eine akademische Feier geben. Am letzten Juniwochenende ist ein dreitägiges Fest auf dem Vereinsgelände geplant. Der genaue Ablauf steht noch nicht fest, aber es wird für alle Generationen etwas dabei sein. Mit einer Party für die jüngeren Leute wird es am Freitag losgehen. Die offizielle Eröffnung mit Live-Musik ist für Samstag geplant. Fußball wird natürlich auch gespielt. Unter anderem wird ein Jedermannturnier, an dem sich die Ortsvereine mit Teams beteiligen können, für Unterhaltung sorgen.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare