Tabuloses Geplapper

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Bestens unterhalten wurden 1000 Besucher verspäteten TSV-Geburtstagsspektakels.

Babenhausen ‐ Die Darsteller fratzenhafte Karikaturen, die Dialoge ein Wechselbad frivol-hessischer Platitüden und zotigen Wortwitzes, das Publikum tränenüberströmt und von Lachsalven geschüttelt - kurzum: Das „Kikeriki-Theater“ aus Darmstadt machte einen Abstecher in die Babenhäuser Stadthalle. Von Ursula Friedrich

Aktueller Geniestreich aus dem Hause Kikeriki: „Nosferatu – eine Ironie des Grauens“. Ein horrormäßiger Angriff auf das Zwerchfell von rund 1000 Besuchern, die an zwei Abenden das Puppenspiel für Erwachsene genossen. Inhaltlich transferierte das Ensemble die klassische Vorgabe mühelos in die Gegenwart. Ein Arbeitsloser (Kasper) lässt sich nach erfolgloser Stellensuche auf einen dubiosen Job ein, landet in Transylvanien und kehrt mit einer dubiosen Kiste zurück. Weil Gattin Gretchen das Behältnis für den Kartoffelkeller einbehält, muss der nun kistenlose Nosferatu in der Sonne verglühen.

Dieses zunächst simple „Gericht“ würzte das Kikeriki-Ensemble mit den wildesten Beigaben: Freches Plappern ohne Tabus (O-Ton: „Scheißdreck schwätze.“), hessische Mundart und wüste Ausflüge vom eigenen „AB“ bis in den Bundestag verfehlten ihre Wirkung nicht.

Nosferatu agierte als grotekes Abbild der tragischen Figur des Stummfilmklassikers – sein Gegenspieler der Inbegriff des Puppentheaters: Kasperl, Held wider Willen und allen menschlichen Ernstes. Choreografisch eher minimalistisch angelegt, wechselte schlichtes Bühnenbild mit kurzen Filmsequenzen im Scherenschnitt. Im Ergebnis konzentrierten sich jeweils 500 Besucher auf das Agieren mimikloser Holzfiguren im Puppentheater - auch diese Inszenierung des inzwischen 30 Jahre alten Kikeriki-Theaters war in der Idee simpel angelegt, in der Umsetzung genial. Das Stück lebte vom schnodderigen Entertainment des „Kaspersche“, der nicht nur Kardinal Ratzinger, Guido Westerwelle, das Publikum oder sein Gretchen anschwärzte, sondern nicht mit Selbstironie geizte: „Hätt isch was ordentliches gelernt, müsst isch nett für andere de Depp mache.“

Das Gastspiel des Kikeriki-Theaters war ein Geburtstagsgeschenk, das sich der TSV Langstadt 1909 e.V. zum 100-jährigen Jubiläum 2009 selbst machen wollte. Obwohl Festausschussvorsitzender Rüdiger Manowski bereits 2008 in der Darmstädter Comedy-Hall „anklopfte“, war das populäre Ensemble jedoch erst 2010 für einen Termin zu haben. So gab es das „Geburtstagsleckerli“ erst im 101. Jahr des Vereinsbestehens.

Quelle: op-online.de

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