Alt fühlen mit dem Zitterhandschuh

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Wie man sich als 80-Jähriger fühlt, dürfen Neugierige im Seniorenheim von K & S beim Tag der offenen Tür am eigenen Leib ausprobieren. Auf jeder Wohnetage gibt es einen Kreativ- und Spieleraum als gemeinschaftlichen Treffpunkt.

Babenhausen - Die Sicht ist durch einen Grauschleier vor den Augen eingeschränkt. Arme und Beine sind durch Manschetten beinahe steif und der ganze Körper durch eine gewichtige Weste plötzlich schwer wie Blei. Von Petra Grimm

Dann noch die großen Kopfhörer aufsetzen, so dass Geräusche und Stimmen nur noch gedämpft wahrzunehmen sind. Dem eindrucksvollen Experiment, sich plötzlich wie ein 80jähriger zu fühlen, konnten sich die Besucher am Sonntagnachmittag beim Tag der offenen Tür in der Babenhäuser K&S Seniorenresidenz aussetzen. Personalreferentin Ricarda Cavallo hatte nämlich ein ganz besonderes Kleidungsstück im Angebot, einen so genannten Alterssimulationsanzug, mit dem sich jüngere Menschen in das Körpergefühl eines alten Menschen einfühlen können. „Dieser Anzug, ebenso wie der Tremor-Handschuh, mit dem eine zitternde Hand simuliert wird, wird in der Ausbildung der Altenpfleger eingesetzt.

Um ihre Empathie zu fördern und die Fähigkeit, zumindest körperlich nachzuempfinden, wie sich ein alter Mensch mit seinen Einschränkungen fühlt, warum er sich ganz anders bewegt“, erklärte sie. „Versuchen Sie mal, mit dem zitternden Tremor-Handschuh einen Joghurt zu essen, Tabletten einzunehmen oder Kleingeld aus einem Geldbeutel zu fischen. Dann merken Sie, wie schwer viele Alltagstätigkeiten für ältere Menschen sind, die wegen der Parkinson-Krankheit oder aus anderen Gründen zittern“, sagte Cavallo zur OP-Reporterin, die heilfroh war, als sie den Alterssimulationsanzug wieder los war und auf den Parcours mit dem Zitterhandschuh verzichtete.

Im September 2012 wurde die Seniorenresidenz auf dem ehemaligen Michelsbräugelände eröffnet. Ausgebucht ist sie nicht. „Von den 111 Pflegeplätzen sind rund 60 belegt“, sagte Kathleen Krieg, die stellvertretende Leiterin. Das gepflegte, komfortabel eingerichtete Haus in der Innenstadt bietet überwiegend Einzelzimmer. „Pro Wohnbereich haben wir 30 Pflegeplätze in 18 Einzel- und sechs Doppelzimmern“, sagte Krieg, die gemeinsam mit ihrem Team Führungen anbot. 35 Mitarbeiter sind in der Pflege beschäftigt, sieben in der Küche und fünf im hauswirtschaftlichen Bereich. Zwei Ergotherapeuten und zwei qualifizierte Betreuungskräfte für Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz, in der Regel Demenz, engagieren sich ebenfalls für die Senioren.

Für alle Pflegestufen

Einen speziellen, geschlossenen Bereich für Demenzkranke gibt es nicht. Derzeit sei dafür in ihrem Haus noch kein wirklicher Bedarf, so die stellvertretende Leiterin: „Aber es gibt ein Schutzsystem in Form eines Armbandes, das auf dem Telefon unserer Mitarbeiter ein Signal auslöst, wenn der Bewohner, der sich nicht mehr allein zurecht findet, das Haus verlässt.“

Die Seniorenresidenz ist für alle Pflegestufen einrichtet, aber im Moment ist die Mehrzahl der Bewohner noch ziemlich fit, hat gar keine Pflegestufe oder 1. „Es gibt auch einige mit Pflegestufe 2 und 3“, sagte Krieg. Interessiert durchstreiften die Besucher am Tag der offenen Tür die Zimmer auf den unbewohnten Etagen und die Gemeinschaftsräume in jedem Wohnbereich, zu denen ein Spiele- und Kreativraum, ein Pflegebad und ein Raum für alle Sinne gehört. Große Balkone und ein Garten hinter und neben dem Haus laden zum Verweilen ein. Im Erdgeschoss ist neben verschiedenen gemeinschaftlich genutzten Räumen, wie Cafeteria, Moccabar oder auch der Michelsbräu-Stube, ein kleiner Friseursalon eingerichtet. „Ab 1. Juli wird zudem ein Augenarzt in unserem Haus seine Praxis eröffnen“, sagte Krieg.

Die Fußball-WM geht auch an der Seniorenresidenz nicht spurlos vorbei. Im Foyer ist die Fernseh-Ecke mit Fähnchen aus aller Herren Länder geschmückt. Denn hier versammeln sich derzeit regelmäßig die Fußballfans unter den Bewohnen zum Public Viewing.

Quelle: op-online.de

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