Tag der offenen Höfe und Gärten

Fachsimpeln bei Clematis und Lilien

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Im Garten von Maren Gatzemeier und Mathias Brendle in Hergershausen konnten die Gäste zwischen allerlei Pflanzen wandeln.

Hergershausen/Sickenhofen - Um beim Tag der offenen Höfe und Gärten in Hergershausen die Teilnehmer nicht zu überfordern, findet die Veranstaltung nur noch alle zwei Jahre statt. Von Michael Just 

Maren Gatzemeier und Mathias Brendle öffneten trotzdem ihr grünes Reich: Genauso wie Heide und Carl-Heinz Jakob aus Sickenhofen nahmen sie an der Offenen Gartenpforte Hessen teil. Entspannt sitzen Maren Gatzemeier sowie Mathias Brendle auf der Treppe zu ihrer Terrasse und schauen interessiert – manchmal auch ein wenig amüsiert – den Fremden zu, die neugierig in ihrem Garten auf Entdeckungstour gehen. Schon seit mehreren Jahren nimmt das Ehepaar mit seiner Hofreite im alten Ortskern von Hergershausen an der Offenen Gartenpforte Hessen teil. Wer zu den 50 Auserwählten des Bundeslandes zählen will, muss Fotos und eine Beschreibung seines Gartens einsenden, eventuell kommt auch ein Experte vom Fachverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Hessen-Thüringen vorbei, um die Tauglichkeit für diesen Kreis zu überprüfen.

Gäste kommen ganz bestimmt: Am Samstag zählte man in der Breite Straße rund 100 Besucher, am Sonntag weitere 150. Das Paar aus Australien, das in der Nachbarschaft Freunde besucht, schneite eher zufällig rein. „Da haben wir dann erfahren, dass Opossums, eine Beutelrattenart, in Australien nicht des Gärtners Freunde sind. Die Frage ob es die hier auch gibt, konnten wir verneinen“, erzählt Maren Gatzemeier lachend. Mit vielen der Gäste kam ein kleiner Plausch zustande, manchmal ergänzt von dem Wunsch, ein bisschen Samen mitnehmen zu dürfen. Kommen Leute, die schon öfter den Weg nach Hergershausen fanden, holt Maren Gatzemeier auch mal die kleine Schaufel und gräbt nach Zwiebeln.

Garten-Wettbewerb der Offenbach-Post

Ebenso in Sickenhofen: Dort hatte die Heidegalerie ihr grünes Refugium geöffnet.

Am Sonntag brachten die Gespräche zwischen blühenden Clematis und Taglilien, die kurz vor der Prachtentfaltung stehen, hervor, dass jeder Gartenbesitzer ein grünes Refugium will, doch die damit verbundene Arbeit oft nicht genehm ist. Für eine 70-jährige Besucherin aus Obernburg hat deshalb eine Firma die Entwürfe einer Gartenarchitektin ausgeführt. „Wenn‘s die Leute selbst machen, wird das oft nix“, meint die Lehrerin im Ruhestand, die mehrere tausend Euro investierte und dafür unter anderem ein „Präriebeet“ erhielt. Wie im Mittleren Westen der USA herrschen hier Gräser, Wildblumen und andere, die Sonne liebende Pflanzen vor. Die Südseite für das Beet ist ein absolutes Muss. „Bei mir ist sogar Vul-kangestein eingearbeitet, damit der Boden nicht zu stark austrocknet. Jede Woche blüht etwas anderes“, berichtet die Besucherin stolz.

Vulkangestein sucht man im Garten von Heide und Carl-Heinz Jakob in Sickenhofen vergeblich, blühen tut´s trotzdem reichlich. Derzeit überwiegen die Farben Lila, Rosa und Pink, für die der Lavendel, der Blutweiderich und die Verbenen sorgen. Das Sickenhöfer Ehepaar hat sich sogar die Mühe gemacht, alle Pflanzen in einer mehrseitigen Liste mit dem Titel „Das wächst in unserem Garten“ aufzuführen. Dazu zeigt eine Fotogalerie, welche Blüten sich in den anderen Wochen des Jahres öffnen. Auch die Jakobs plauschten mit vielen Besuchern. Wer wollte, bekam dazu sogar einen Sekt oder ein Stück Kuchen. Einige der Themen bei „Gartenfreunde unter sich“: Das Bedauern vieler Gäste aus Frankfurt, wie klein doch die Gärten in der Großstadt sind, dass man als Park- und Gartenfreund unbedingt nach England muss und dass mit dem Hermannshof in Weinheim ein großer Schau- und Sichtungsgarten der Extraklasse gar nicht so weit entfernt liegt.

Auch die zuvor betrachteten Gärten waren immer wieder Gegenstand des Austauschs. Ein Ehepaar berichtete angetan von einem Dschungelgarten bei Hanau. Der war zum einen geprägt von Bambus und einer mächtigen Trauerweide, zum anderen von viel Kunst, wie etwa Windspielen oder Buddha-Figuren. Als Blickfang zeigten sich zudem die Besitzer, die in langen Gewändern auftraten. Das Fazit des Paares aus Frankfurt: „Wir haben nicht nur unterschiedliche Gärten, sondern auch höchst verschiedene Menschen angetroffen.“

Quelle: op-online.de

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