War Streit zwischen Nachbarn das Mordmotiv?

Babenhausen -  Mehr als ein Jahr nach dem Doppelmord in Babenhausen hat die Polizei einen Tatverdächtigen gefasst. Der Ermittlungsrichter beim Amtsgericht erließ Haftbefehl wegen Mordverdacht in zwei Fällen und versuchten Mordes in einem Fall. Tatverdächtig ist ein 40-jähriger Nachbar.

Die Staatsanwaltschaft Darmstadt hatte den Haftbefehl beantragt. Der Beschuldigte ist inzwischen in Untersuchungshaft. Bei seinen Vernehmungen vor der Polizei und später vor dem Ermittlungsrichter machte der Beschuldigte von seinem Recht Gebrauch, nicht zur Sache auszusagen. Ungeachtet dessen sind sich Staatsanwaltschaft und Polizei sicher, dass das Motiv in einem lang andauernden nachbarschaftlichen Streit zwischen dem Tatverdächtigen und den Opfern lag.

Andere Fälle aus der Region sind hingegen noch ungelöst.

Ein Sprecher der Polizei bestätigte heute die Festnahme eines 40-jährigen Tatverdächtigen. Mitte April 2009 waren ein 62 Jahre alter Mann und seine 58 Jahre alte Ehefrau erschossen worden. Die Tochter wurde schwer verletzt. Der 40 Jahre alte Verdächtige wurde am Vormittag verhört. Er war ein Nachbar der Familie, so die Polizei.

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Auf die Spur, die zu dem Vierzigjährigen führte, kamen die Ermittler durch eine Computerüberprüfung. Der Beschuldigte soll einige Zeit vor der Tat mit dem Firmencomputer auf eine Internetseite in der Schweiz zugegriffen haben, die sich mit dem Eigenbau von Schalldämpfern beschäftigt. Ein zufälliger Aufruf der Seiten kann ausgeschlossen werden.
Spezialisten konnten eine bestimmte Wörterkombination, mit der nach selbstgebauten Schalldämpfern gesucht wurde, recherchieren. Kurz nach der Tat war der Firmencomputer des Tatverdächtigen durch einen angeblich technischen Defekt vernichtet worden. Dennoch gelang es Spezialisten im Firmennetzwerk die Spuren zu finden, die den Tatverdächtigen schwer belasteten. Gutachten, die erst seit Kurzem den Ermittlungsbehörden zur Verfügung standen, belegten diese Aktivitäten.

Spuren im Netz und Spür-Hunde führten zum Täter

Daneben ermittelten Staatsanwaltschaft und Polizei zahlreiche weitere verdächtige Umstände, die einen dringenden Tatverdacht begründeten und keinen vernünftigen Zweifel an der Tatbegehung durch den Beschuldigten zuließen. Dazu gehörte die zweifelsohne schwer belastete Beziehung zwischen dem Tatverdächtigen und den Opfern. Viele Erkenntnisse hieraus stellten Stück für Stück ein Mosaik zusammen.

Eine Chronologie der Ereignisse in Babenhausen.

Dieses Bild machte die seit Jahren bestehende und äußerst problematische nachbarschaftliche Beziehung deutlich. Auch ein Einsatz von so genannten Man-Trailer-Hunden, das sind Personenspürhunde, die den Spuren von Menschen auch noch nach Monaten folgen können, ließ erkennen, dass der Täter sich sehr gut am Tatort und dessen unmittelbarer Umgebung ausgekannt haben musste. Verblüffend war die Tatsache, dass die Hunde den Geruch einer Tatortspur aufgenommen hatten.

Nach Angaben der Polizei wurde der 40-Jährige Babenhäuser auf dem Weg zur Arbeit festgenommen. Die Tatwaffe sei noch nicht gefunden, sagte der Sprecher der Polizei. Bei ihr müsste es sich nach den Ermittlungen um eine Walther P38 handeln, wie sie auch im Zweiten Weltkrieg verwendet wurde. Der Täter könnte einen selbst gebauten Schalldämpfer benutzt haben.

Passanten hatten die Tochter des Ehepaars schwer verletzt vor dem Haus gefunden und den Rettungsdienst alarmiert. Kurz darauf entdeckten Polizisten die toten Eltern in dem Haus. Sie hatten massive Verletzungen. Die Familie lebte relativ zurückgezogen. Auch eine Rekonstruktion des Tatablaufs vor Ort hatte die Ermittler zunächst nicht weitergebracht.

Schon wenige Monate nach der Tat geriet der Beschuldigte erstmals in Verdacht. Im Juli 2009 wurde der Vierzigjährige vorläufig festgenommen. Die Verdachtsmomente bezogen sich auf den Internetzugriff. Der Mann bestritt in seiner Vernehmung die Tat. Zu diesem Zeitpunkt konnten die bestehenden Verdachtsmomente noch nicht erhärtet werden. Der Festgenommene wurde wieder auf freien Fuß gesetzt.

Die Untersuchungen durch Spezialisten hinsichtlich des Zugriffs auf die Schweizer Internetseite mit Bauanleitung für einen selbstgebauten Schalldämpfer dauerten an. Das erst kürzlich erstellte Gutachten belegt, dass der Beschuldigte bei seiner Vernehmung im Sommer 2009 nicht die Wahrheit gesagt haben kann. Massive Widersprüche wurden jetzt erkennbar.

dpa/Polizei

Quelle: op-online.de

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