Goldfische statt kleine Haie

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Alle helfen mit, jeder hat etwas zu tun: Hinter dem Sophie-Kehl-Haus kümmern sich Jugendlichen um den alten Teich.

Babenhausen - „Runter von der Straße, rein in Projekte und Verantwortung“, heißt es seit ein paar Monaten im Babenhäuser Wohngebiet Erloch. Von Michael Just

Mit diversen Aktionen, Projekten und Workshops versucht Stadtjugendpfleger Michael Spiehl und seine rechte Hand vor Ort, Ahmed Ögretmen, die Jugendlichen im Problembezirk sinnvoll zu beschäftigen. Mit Erfolg, wie das neueste Projekt „Goldfischteich“ zeigt.

Hinter dem Sophie-Kehl-Heim gibt es ein altes Wasserbecken. Im 70er-Jahre-Stil mit Mosaiksteinchen ausgekleidet und einem Springbrunnen versehen, sollte es einst den Bewohnern Freude bereiten und mit den Bänken eine Ruheoase sein. Doch das Becken verfiel, längst staut sich darin nur noch dreckige Regenbrühe. „Die Idee, den Teich herzurichten und mit Fischen zu besetzen, kam von den Jugendlichen selbst“, lobt Spiehl. Nun stellt die Jugendförderung das Material, Ögretmen mit dem Erloch-Nachwuchs die ehrenamtlichen Kräfte. „Da es das Bassin schon gibt, müssen wir nicht extra was ausgraben oder mit Teichfolie hantieren“, lobt der Jugendpfleger die einladenden Grundlagen für die rund 25 Heranwachsenden aller Altersklassen. Für die hieß es in den letzten beiden Wochen den Teich gründlich zu reinigen und neu anzulegen. Dazu wurden Steine aus einem Steinbruch geholt. Bei den Teichpflanzen und den Goldfischen gibt es einen Spender. So bleibt lediglich die Anschaffung und Finanzierung eines Filters.

„Wenn alles fertig ist, hat die Sache hier echte Aufenthaltsqualität“

„Wenn alles fertig ist, hat die Sache hier echte Aufenthaltsqualität“, verspricht Ögretmen und denkt dabei nicht nur an die Senioren im Sophie-Kehl-Heim, sondern auch an den Kindergarten „Kunterbunt“, der während der Sanierungsarbeiten seines Hortes demnächst hier Quartier bezieht. Eigentlich war für nächste Woche schon das Einsetzen der Fische und das Sprudeln der Fontäne geplant. Nach einem Leck im Überlaufschutz wird vor den kleinen Schwimmern aber erst noch ein Klempner vom Bauhof anrücken.

So dürften im Mai alle Arbeiten abgeschlossen sein. Das Engagement der Jugendlichen ist damit aber nicht beendet. Die sollen Nachhaltigkeit lernen und umsetzen, indem sie den Teich verantwortungsvoll in Schuss halten. Dafür werden mehrere Jobs in Gruppen vergeben, was das Füttern und die Reinigung angeht. „Vielleicht kommt sogar ein Fischreiher“, hofft der zehnjährige Kenan. Wie sinnvoll der für den Fischbestand ist wird sich zeigen. Ansonsten müsste man den Vorschlag von jenen jungen Schülern überdenken, die statt Goldfische lieber kleine Haie und Piranhas im Becken beobachten.

Quelle: op-online.de

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