Zwei Kanonenkugeln erinnern an den Dreißigjährigen Krieg

Eiserne Relikte aus Zeit der Belagerung

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Eine große und eine kleine Kugel zeugen von der Belagerung Babenhausens 1635. Die protestantische Union hatte sich verschanzt, die Kaiserlichen rannten an.

Babenhausen - Die Situation muss schon prekär sein, wenn Menschen Ratten essen, um überhaupt etwas in den Magen zu bekommen. Im Dreißigjährigen Krieg blieb dieser Umstand auch der Babenhäuser Bevölkerung nicht erspart. Von Michael Just

Das Babenhäuser Territorialmuseum bietet nicht nur interessante Ausstellungsstücke und Relikte aus vergangenen Zeiten: Zu den meisten finden sich in der Amtsgasse 32 auch Begebenheiten, die von abenteuerlich, über spannend bis unglaublich reichen. In einer Sommerserie stellt unsere Zeitung die interessantesten Geschichten vor. Damals wurde um die politische Vorherrschaft im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gestritten, wodurch zusätzlich ein Religionskrieg zwischen Katholiken und Protestanten entbrannte. Im Jahre 1635 geriet auch Babenhausen zwischen die Fronten: Innerhalb der Stadtmauern verschanzte sich die protestantische Union mit schwedischer Unterstützung, von außen versuchten die kaiserlichen Truppen, beziehungsweise die katholische Liga, das Bollwerk in einer sechswöchigen Belagerung zu knacken. Davon zeugt noch heute die Bresche, die in einen der Wehrtürme geschossen wurde und die dem Breschturm wohl seinen Namen gab. Die Angriffe auf Babenhausen erfolgten von Westen und von Nordwesten, da die Gersprenz im Osten ein versumpftes Gelände schuf. Die Belagerung blieb am Ende erfolglos und die kaiserlichen Truppen, die zuvor von Aschaffenburg herübergekommen waren, zogen weiter.

Für die Babenhäuser bedeutete die Belagerung eine harte Zeit, da die Stadt mit Schutzsuchenden aus der Umgebung, wie etwa aus Harreshausen, Altdorf und Hildenhausen (die letzten beiden Orte gibt es heute nicht mehr) voll war. In der Not aßen die Menschen Baumrinde, für essbare Nagetiere wurden gar bis zu zwei Gulden bezahlt. Von den Kämpfen um Babenhausen künden zwei Original-Kugeln in einem Schaukasten im Territorialmuseum. Das eine Geschoss ist aus Volleisen, knappe zehn Kilo schwer und hat einen Durchmesser von 13,5 Zentimetern. Es wurde aus einer Kanone auf die Stadt abgegeben. Eine Baustelle gab die Kugel in den 1970er Jahren in der Nähe des Hanauer Tors, unweit der heutigen Löwen-Apotheke, frei. Ein Passant names Johannes Benyskiewitz erblickte sie zuerst. Er nahm sie mit und gab sie im Rathaus ab. Von dort wanderte sie zum Heimat- und Geschichtsverein. Die kleinere Kugel (3,1 Zentimeter Durchmesser) entstammt vermutlich von den Verteidigern und damit aus einer schwedischen Muskete.

Davon zeugt ihr Fundort 1949 auf dem Areal der Amtsgasse 60, das damals noch Gartengelände war. Die Entfernung entspricht mit 150 bis 200 Meter genau der Reichweite damaliger Handfeuerwaffen, weshalb angenommen werden kann, dass die Kugel vom Wehrgang der Stadtmauer abgefeuert wurde. Der Babenhäuser Klaus Mohrhardt, damals ein kleiner Junge, entdeckte sie beim Spielen in einem Beet im elterlichen Garten. Damals schon geschichtsinteressiert, wusste er relativ schnell, etwas Besonderes in den Händen zu halten. Er behandelte sie mit Rostlöser und behielt das gute Stücke auf seinem Schreibtisch über Jahrzehnte im Auge. Mit der Eröffnung des Museums stellte er, als Mitglied der Schlossfreunde und des HGV, den außergewöhnlichen Fund seiner Kindheitstage als Dauerleihgabe gerne zur Verfügung. Beide Kugeln künden von dem erfolgreichen Widerstand, den die Babenhäuser 1635 geleistet haben.

Quelle: op-online.de

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