Territorialmuseum eröffnet

Rühren im virtuellen Kochtopf

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Reinhard Munzel arbeitet an den Hörstationen, damit sie bei der Eröffnung genutzt werden können.

Babenhausen - Die Vorfreude bei Bürgern steigt, die Betreiber, Helfer und Firmen gehen an die letzten Arbeiten. Am Sonntag wird das Territorialmuseum eröffnet, und bis dahin gibt es noch einiges zu tun. Von Stefan Scharkopf

HGV-Vorsitzender Georg Wittenberger schaut ständig im ehemaligen Gaylingschen Haus in der Amtsgasse nach dem Rechten, schließlich betreibt der Heimat- und Geschichtsverein das Museum.

Den kürzesten Weg zum Arbeitsplatz hat dabei Reinhard Munzel. Er wohnt nur ein paar Meter gegenüber. Munzel ist zuständig für die interaktive Komponente. Der Architekt hat vor 13 Jahren zusammen mit einem Kompagnon das Unternehmen „Archimedix“ gegründet. Firmensitz ist Ober-Ramstadt, doch jetzt hat er quasi vor der Haustür zu tun. Seine Firma umfasst neben der Konzeption und Realisierung interaktiver Medien besonders die Erstellung von 3D-Visualisierung historischer und zeitgenössischer Lebensräume, Bauwerke oder Objekte. Das Unternehmen entwickelt und produziert auch Filme für Ausstellungen. Meist bringen die Museen ihre Ideen vor, die die Firma von Munzel dann umsetzt. Im neuen Museum war dies anders.

„Ich war von Anfang an dabei, als es um die Konzeption ging“, sagt er, „und konnte für die Medientechnik ein paar Sachen ausprobieren.“ Munzel ist aber über das, was seine Firma tut, hinaus stark im ganzen Projekt engagiert.

Neues Territorialmuseum in Babenhausen

Im neuen Museum liegt ein Schwerpunkt auf der multimedialen Komponente. Vieles ist experimentell. So können Besucher im Keller, wo die Vor- und Frühgeschichte behandelt wird, in einem virtuellen Kochtopf eine Suppe anrühren und die Zutaten für das steinzeitliche Gericht selber zusammenstellen. Zudem ist per Knopfdruck ein Film über die Hügelgräber in der Nähe des Rennwegs zu sehen.

In allen Stockwerken sind Hörstationen installiert. So erzählen etwa Köche und Dienstmägde von ihrem Leben bei den Grafen von Hanau-Lichtenberg, ein Bote des Reformators Erasmus-Alberus äußert sich, auch Goethe kommt zu Wort. Die Texte lieferte der HGV, gesprochen sind sie teils von Schauspielern. Die Frau des Multimedia-Experten, Opernsängerin Katja Boost-Munzel, sprach die weiblichen Rollen. Ein optischer Leckerbissen ist sicher das sprechende Porträt des „Alten Hanauers“, Johann Reinhard III., des letzten Grafen des Adels-Geschlechts. Außerdem zeigen digitale Konstruktionen, wie Bauwerke entstanden sind.

Munzel war es wichtig, die Technik so gestalten, dass sie lange Jahre hält. Eingesetzt werden sogenannte Flashcard-Player, die nicht wartungsintensiv sind, und Stationen mit Stahltasten. „Auf Touchscreens haben wir verzichtet“, sagt Munzel.

Ein Museum mit moderner Technik

Der „Alte Hanauer“, Graf Johann Reinhard III., stellt sich in einem digitalen Porträt vor.

Das Territorialmuseum will kein Heimatmuseum sein, bei dem Dreschflegel neben der Ritterrüstung stehen und das Ganze recht konzeptionslos wirkt. „In neue Museen zieht auch neue Technik ein, einfach nur Exponate auszustellen, ist nicht mehr zeitgemäß“, sagt Munzel, „bei der Konzeption sind wir zur Auffassung gelangt, dass es ausgewählte Stücke sein sollen. Wir wollen anhand von wenigen Gegenständen die Geschichte erklären“. Wir - das sind außer Munzel der HGV und die Stiftung Amtsgasse 32. Der Bauunternehmer Dieter Aumann hatte das Haus gekauft und in die zu gründende Stiftung eingebracht.

An Sonntag wird das Museum offiziell in Betrieb genommen. Die Öffnungszeiten werden danach samstags, 15 bis 17 Uhr, sonntags, 14 bis 17 Uhr, sein. Nach Ostern soll mit Unterstützung der Stadt auch mittwoch- und donnerstagsnachmittags offen sein. Es werden aber noch Gespräche geführt.

Quelle: op-online.de

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