Kein vollgestopftes Haus

+
So sieht das Grundkonzept für die Gestaltung des Territorialmuseums aus: Sogenannte Erlebniselemente und Medienstationen in den Ausstellungsräumen sollen die Geschichte erlebbar machen und die Besucher aktiv einbinden.

Babenhausen - Es geht nichts über klare Vorstellungen. Die hat auch der Heimat- und Geschichtsverein (HGV) über sein künftiges Museum in der Amtsgasse. „Wir wollen ein modernes Museum und keinen Raum, der mit hunderten von Exponaten vollgestopft ist. Weniger ist mehr“, weiß Schriftführer Georg Wittenberger. Von Michael Just

Wie die Gestaltung der Dauerausstellung im historischen Gailingshaus aussehen könnte, wurde am Donnerstagabend in der Stadtmühle präsentiert. Dort stellten Ausstellungsgestalterin Anja Schwarz-Düser vom gleichnamigen Planungsbüro in Karlsruhe sowie der Babenhäuser Reinhard Munzel, Spezialist für digitale Medien in Museen, ein mögliches Konzept vor. Rund 35 interessierte Vereinsmitglieder und Bürger lauschten den Ausführungen. „Wir haben schon ein grobes Muster vor Augen. Die Experten entwickeln in Absprache mit dem Hessischen Museumsverband das Feinkonzept“, so Wittenberger. Die wichtigste aller Grundlagen ist, dass es kein Heimatmuseum im klassischen Sinne mit Exponaten wie Dreschflegel und Pflugscharen gibt. Damit würde man sich nur in die lange Reihe der 400 hessischen Heimatmuseen stets gleicher Machart stellen. Auch Fördergelder wären ausgeschlossen. So spricht man beim HGV von einem „Territorialmuseum“, das nicht nur die Stadtgeschichte, sondern auch die Verzweigungen darüber hinaus durch das Haus Hanau-Lichtenberg beleuchtet.

Rund 300 Quadratmeter stehen für die Konzeption und das angestrebte Alleinstellungsmerkmal zur Verfügung. Die einzelnen Themenbereiche gliedern sich laut Dieter Aumann, der mit seiner Stiftung den Weg zum Museum erst ebnete, unter anderem in Residenzstadt, Schloss, Leben im Mittelalter, Kirche, Bürgertum, Räuberbanden, Früh- und Vorgeschichte, Industrie sowie Kaserne/Militär.

„Bildschirme werden digitale Modelle und Rekonstruktionen veranschaulichen“

„Bildschirme werden digitale Modelle und Rekonstruktionen veranschaulichen“, kündigt „Informationsarchitekt“ Reinhard Munzel an. Dazu gibt es sogenannte „Installationen“ in den einzelnen Räumen. Die Plastiken und Aufbauten binden als „Erlebniselemente“ den Besucher ein und sollen mit den Wänden und Schaukästen korrespondieren.

Wie solche „Medienstationen“ aussehen können, erläuterte Schwarz-Düser mit Blick auf das Museum im Hambacher Schloss in der Pfalz, wo 1832 deutsche Geschichte geschrieben wurde. Hier können die Besucher jene Kokarden und damit Abzeichen, die einst von der Demokratiebewegung getragen wurden, selbst anfertigen. „Damit wird Geschichte lebendig und man kann nachfühlen, warum aus schwarz-rot-gold später die deutschen Farben wurden“, erläutert die Historikerin.

Während der HGV die Gestaltung des Museums in Angriff nimmt, gehen die Sanierungsarbeiten in der Amtsgasse zügig voran: Deren Abschluss steht Ende 2012 an, ein Jahr später soll das Museum eingerichtet sein. Dafür werden noch Exponate gesucht. Dem HGV ist es wichtig, möglichst viele Babenhäuser in die Konzeption um das neue Museum einzubinden. Deshalb sind noch eine Reihe weiterer Veranstaltungen geplant. Allen ist gemein, eine möglichst große Bürgerbeteiligung sowie einen Dialog zu erreichen. Die Vorstellungen des HGV zeigen sich auch hier deutlich: „Es gilt klarzumachen, dass das unser aller Museum ist“, hebt Wittenberger heraus.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare