Teure Sanierung des Wahrzeichens

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Massiver Schutz vor schützenswertem Kulturgut: Babenhausens Wasserturm bröckelt und wurde deshalb weiträumig abgesperrt. Bald schon soll eine Einhausung für die anstehende Sanierung am Bauwerk hochgezogen werden.

Babenhausen ‐ Das Wahrzeichen der Stadt gilt als schützenswertes Kulturdenkmal, doch schon seit geraumer Zeit muss die Stadt seine Bürger und Besucher vor den Gefahren schützen, die vom altehrwürdigen und mächtigen Wasserturm in der Bürgermeister-Rühl-Straße ausgehen. Von Thomas Meier

Weiträumig abgesperrt hinter dem mit vielen Warnzeichen versehenen Bauzaun ragt der einst Trinkwasser lagernde, heute aber an vielen Ecken bröckelnde Turm trotzig in den Himmel, einer hoffentlich bald wieder repräsentativeren Zukunft harrend. Doch die Zeichen dafür stehen nach langer Zeit der unterschiedlichsten Überlegungen gut: „Das Hinauszögern von Sanierungsmaßnahmen rechnet sich nicht, private Bauherren wissen das. Mittlerweile müssen wir von Sanierungskosten in Höhe von rund 350 000 Euro ausgehen, und das in Zeiten von Haushaltsdefizit und einem aufgelaufenen Sanierungsstau in fast allen städtischen Immobilien“, weiß Bürgermeisterin Gabriele Coutandin, der die Sanierung des kapitalen Bauwerks am Herzen liegt.

Die Absperrung war notwendig geworden, um die akute Gefährdung von Fußgängern und Autos durch herabfallende Putzteile auszuschließen. Der nächste Schritt ist die Einhausung des Gebäudes in drei bis vier Wochen - dann kann laut Bürgermeisterin auch der Verkehr wieder freigegeben werden: „Für die Betriebskommission bereiten wir die Beschlussfassung zur Sanierung und Finanzierung vor. Die Stadtverordnetenversammlung hat dann das letzte Wort“, berichtet sie.

Ein halbes Jahr Bauzeit war nötig

Um mehr über das Bauwerk zu erfahren, blätterte Coutandin in den alten Unterlagen zum Wasserturm und fand dabei heraus, dass er 1928 erbaut wurde; und zwar im damals typischen Bauhausstil. Dies und seine das Stadtbild prägende Silhouette sowie seine „wissenschaftliche Bedeutung für die Architekturgeschichte“ sind die Gründe für seine Einstufung als schützenswertes Kulturdenkmal. Die Bürgermeisterin erläutert: „Einzelnen privaten Interessenten, die den Turm beispielsweise für Wohnzwecke kaufen wollten, wurde immer wieder abgesagt mit dem Hinweis auf seine besondere Bedeutung als Wahrzeichen der Stadt.“

Errichtet hat man den Turm, um den Wasserdruck mit einem Hochspeicher für die zentrale Wasserversorgung in Babenhausen zu erhöhen. Ein halbes Jahr Bauzeit war nötig, um das 31 Meter hohe und zehn Meter breite Gebäude zu errichten; die Kosten dafür betrugen 300.000 Reichsmark.

Der Wasserturm ruht auf vier Pfeilern aus hessischem Basalt; ursprünglich war übrigens ein Kupferdach vorgesehen. Das Wasserbecken fasste 200 Kubikmeter.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Wasserturm mit Tarnfarbe angestrichen und diente zeitweise als Archiv für ausgelagerte Rathausakten. Tatsächlich überstand der Wasserturm die Bombardierungen ohne Schaden. Er wird aber seit den 1970-er Jahren durch den Anschluss an das Gruppenwasserwerk in Hergershausen nicht mehr benötigt.

Aus den alten Unterlagen geht auch hervor, dass es 1980 Entwürfe gab, den Wasserturm als Bildungsort für die Volkshochschule und die Jugendarbeit oder auch für ein Heimatmuseum umzubauen - der Kostenvoranschlag lag damals bei rund 1,8 Millionen Mark. Coutandin weiß heute: „Daraufhin hatten sich die Stadtverordneten im März 1981 lediglich für eine Reinigung und Renovierung der Außenfassade entschieden - was immerhin auch rund 100.000 Mark verschlang.

Kostenvoranschläge wurden eingeholt

20 Jahre später berichtete die Chronik: „Babenhausens Wasserturm Sanierungsfall“ - neue Fenster und der Anstrich verschlangen 240.000 Mark. Kostenvoranschläge wurden eingeholt, und wieder gab es die Idee, das Stadtwappen anbringen zu lassen. Coutandin: „Beschlüsse wurden keine gefasst.“

So wartet der Turm im Dornröschenschlaf bis heute weiter auf bessere Zeiten. Die Bürgermeister-Rühl-Straße musste Anfang Februar 2004 gesperrt werden, da heftiger Wind Glasscheiben aus den schon längst wieder maroden Fenstern gefegt hatte. Sie wurden verschalt, um Schäden durch herabfallende Glasscheiben zu verhindern. Nun können die Babenhausens Bürger wieder einmal darauf hoffen, dass Politiker zu ihrem Turm „Nägel mit Köpfen“ machen werden. Man darf gespannt sein.

Quelle: op-online.de

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