Textilhaus Krause

Nach reiflicher Überlegung ist Schluss

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Zum Jahresende macht das Textilhaus Krause in der Hergershäuser Tränkgasse zu. Der Ortsbeirat sucht jemanden, der stundenweise die Poststelle betreibt. Annerose Interthal und ihre Tochter Petra Kunkel in ihrem Lädchen.

Hergershausen - Bei vielen Hergershäusern dürfte es sich inzwischen herumgesprochen haben: Das Textilhaus Krause schließt Ende des Jahres seine Pforten, und zwar für immer. Der Entschluss, das kleine Geschäft in der Tränkgasse 2 zuzumachen, ist kein Schnellschuss. Von Petra Grimm 

Es wurde zunehmend unrentabel, und zwar nicht von jetzt auf gleich, sondern schon länger. „Wir haben es uns reiflich, schon einige Jahre überlegt“, sagt Petra Kunkel, die gemeinsam mit ihrer Mutter Annerose Interthal das Geschäft führt. Auch aus Harpertshausen und Sickenhofen kommen Kunden, um Lotto zu spielen, Zeitungen, Zeitschriften, Schreibwaren und anderes zu kaufen. Eine Postagentur managen die beiden Frauen seit 1995 ebenfalls, einige Jahre auch einen Versandhausshop. Das letzte Tante-Emma-Lädchen im Dorf ist natürlich auch Treffpunkt und Nachrichtenbörse für die Kunden, die die freundliche und hilfsbereite Art der beiden Frauen schätzen. Ein Lächeln gibt´s immer gratis dazu.

Vor allem Annerose Interthal, die das im Jahre 1949 von ihren Eltern Erich und Erna Krause eröffnete Textilhaus 1980 übernommen hat, blickt im Moment noch eher mit einem weinenden als mit einem lachenden Auge auf die bevorstehende Schließung.

„Es fällt mir schon schwer. Der Laden war ja mein Lebensinhalt“, sagt die 70-Jährige, die bereits ab 1978 gemeinsam mit ihrer Mutter hinter dem Tresen stand. „Auch meine Oma hat früher noch im Laden mitgearbeitet“, erinnert sich Annerose Interthal, die ab 1995 Unterstützung von ihrer Tochter Petra Kunkel bekam.

Ein echter Familienbetrieb

Ein echter Familienbetrieb, der über mehrere Generationen von Frauen geführt wurde, nie als Haupterwerb einer Familie, aber immer mit vollen Einsatz und einer gehörigen Portion Flexibilität. Denn das Sortiment musste über die Jahre an die veränderten Kundenbedürfnisse angepasst werden. „Schlafanzüge oder Strümpfe kauft hier schon lange keiner mehr“, sagt Annerose Interthal. Textilien, die das Sortiment zu Zeiten ihrer Eltern und in ihren eigenen Anfangsjahren bestimmt haben, gibt es kaum noch. Geschenkartikel kamen dazu und eben die Post. „Dafür mussten wir Lehrgänge machen, um mit dem Computer umgehen zu können“, erinnern sich die beiden Frauen. „Nur eine Woche war einer von der Post hier im Laden, um uns einzuarbeiten. Danach war dann alles learning by doing“, sagt Petra Kunkel. Sie wurden ins kalte Wasser geworfen und sind los geschwommen.

Mut und Tatkraft haben bereits Erich und Erna Krause als Gründer des Geschäfts bewiesen. Mit wenig Geld im Rücken krempelten sie in der Nachkriegszeit die Ärmel hoch und richteten in ihrem Haus das Lädchen ein. „Das Wohnzimmer wurde ausgeräumt und Regale eingebaut“, erinnert sich Annerose Interthal an die Anfänge, die nicht leicht waren. 1950 wurde aus dem Geschäft im Wohnhaus dann durch einen Anbau ein richtiger Laden mit großen Schaufenstern, einem separaten Eingang und einer großen Theke für die Bedienung der Kunden. 70 Quadratmeter Verkaufsfläche entstanden.

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Jetzt ist ein „Rausverkauf“ angesagt im Textilhaus Krause, denn am 31. Dezember ist Schluss. „Wir haben alle Waren radikal reduziert“, sagen die beiden Frauen, die sich bei ihren treuen Kunden bedanken und auf viele ereignisreiche Jahre zurückblicken.

Ob es in Hergershausen in Zukunft zumindest noch eine Post geben wird, steht noch in den Sternen. Ortsvorsteher Horst Grimm bemüht sich derzeit darum, eine geeignete Immobilie zu finden und jemanden, der stundenweise die Poststelle betreiben würde. „Da müsste natürlich die Post die Miete für den Raum übernehmen, sonst finden wir sicher niemanden, der das machen möchte“, sagt der Ortsvorsteher, der Interessenten bittet, sich bei ihm zu melden. Auch bei der Ortsbeiratssitzung am heutigen Donnerstag um 20 Uhr im Bürgerhaus wird dieses Thema auf der Tagesordnung stehen.

Quelle: op-online.de

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