Jahreskonzert des Blasorchesters

Das Plätschern der Schaufelräder

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Mit rund 45 Musikern gestaltete das Große Orchester sein Jahreskonzert.

Babenhausen - Mit seinem 40. Jahreskonzert setzte das Babenhäuser Blasorchester am Wochenende erneut ein musikalisches Ausrufezeichen. Zum Jubiläum durften sich die Besucher wie gewohnt auf Stücke mit höchstem musikalischen Anspruch freuen. Von Michael Just

Zur Programm-gestaltung trugen Jugend- und Großes Orchester bei. Als am Samstagabend zu Konzertbeginn die sich in Ausbildung befindlichen Musikschüler des Vororchesters mit halb gefüllten Wasserkanistern einzogen, glaubten viele Besucher zuerst, dass hier für eine ausreichende Getränkeversorgung der Aktiven gesorgt wird. Doch weit gefehlt: Bei „The Great Steamboat Race“ standen sie auf, platzierten sich in den Gängen der Stadthalle und schüttelten die Wasserbehälter in Einklang zur Melodie. Das passte wunderbar zum Inhalt des Werkes, in dem es um ein Wettrennen von Schaufelraddampfern geht. Damit holte der Nachwuchs den Mississippi samt der Plätschergeräusche von Schaufelrädern auf einfache und beeindruckende Weise in die Stadthalle.

Kurz zuvor, bei der „Forrest Gump Suite“, hatte es bereits eine Premiere gegeben: Zum ersten Mal wurde ein Klavier – mit Anne Rosewsky an den Tasten – ins Jahreskonzert eingebaut. „Ideen muss man haben“, lautete damit gleich zweimal die Botschaft des Jugendorchesters.

Das machte beim Jahreskonzert wie gewohnt den Anfang, bevor die Erwachsenen vom Großen Orchester übernahmen und den Abend mit einer Auswahl symphonischer Blasmusik gestalteten. In diesem Jahr stand mit dem 40. Jahreskonzert ein Jubiläum an. Unter dem Motto „Naturphänomene“ bot sich die Möglichkeit, eine ganze Reihe getragener Stücke ins Programm aufzunehmen. „Naturphänomene wecken Emotionen. Genau das Gleiche will die Musik“, sagte Ausbildungsleiter und Vorstandsmitglied Werner Kunkel. Danach übernahm Jens Kutscher die Moderation sowie die Dirigenten den Taktstock. Uwe Wittenberger trug die Verantwortung bei der Jugend, Dominik Thoma beim Großen Orchester.

Das Jahreskonzert gilt stets als Höhepunkt im Terminkalender der Bläser. Dementsprechend frühzeitig beginnt die Vorbereitung – in der Regel schon kurz nach den Sommerferien. In diesem Jahr ging dem Start noch eine außergewöhnliche Konzertreise voraus: In den Alpen, genauer gesagt im Kleinwalsertal, wurde auf einer Höhe von 2 500 Metern gespielt. Hier ließ sich bereits dem Motto „Naturphänomene“ näherkommen. Geprobte wurde bis kurz vor Konzertbeginn. Am Vortag hatte eine mehrstündige Generalprobe stattgefunden. Zwei Stunden vor dem Auftritt fanden sich die Musiker in der Stadthalle ein, um sich einzuspielen und bestimmte Stücke nochmal kurz anzureißen.

Beim Jahreskonzert verdeutlichten dann im ersten Teil die Stücke „Flashing Winds“, „Lux Aurumque“ und „Blue Hole“ den roten Faden. Als „Blue Hole“ werden große Öffnungen in Riffen bezeichnet, in die Taucher immer wieder gerne vorstoßen. Thomas Asanger hat dieses ergreifende Abenteuer in Noten gefasst.

Nach der Pause begann Frederike Schimpf mit einem Solo für Waldhorn und der Interpretation von „Cape Horn“. Naturverbundenheit demonstrierte die Filmmusik aus „Der mit dem Wolf tanzt“. Bei „Children of Sanchez“ setzten sich als weitere Solisten des Abends Carsten Liebhardt (Trompete) und Michael Hasenfratz (Saxophon) in Szene. Hier verließ man zwar das angegebene Motto, dafür sorgten die südamerikanischen Klängen, genauso wie das Medley über Amy Winehouse, für zwei rasant-mitreißende Höhepunkte im zweiten Konzert-Abschnitt.

Sämtliche Stücke sagte äußerst galant Jens Kutscher an. Der 36-Jährige ist zwar kein aktiver Musiker, aber trotzdem als förderndes Mitglied im Verein. 2002 fungierte er zum ersten Mal als Moderator für die Musikauswahl des Jugendorchester beim Jahreskonzert. Daraus entwickelte sich die Aufgabe, die Inhalte des gesamten Abends zu verkünden. „Meist werden die Werke in der Partitur schon etwas beschrieben. Im Internet suche ich mir dann weitere Informationen“, erklärt er. Der Sickenhöfer kam vor allem durch seine Tätigkeit beim lokalen Laientheater SILT zum Blasorchester, wo er durch seine Sprachgewandtheit auffiel. „Mir ist wichtig, die musikalische Ausdrucks-kraft der Werke in eine bestmögliche Beschreibung mit Worten zu packen“, sagt Kutscher.

Mittlerweile schätzen die Jahreskonzert-Besucher seine professionelle und routinierte Ansage, die frei von Lampenfieber erscheint: „Ich weiß, dass ich gut vorbereitet bin. Trotzdem ist ein bisschen Nervosität da, die ich als gesunde Anspannung bezeichnen würde“, berichtet der Moderator. Mit dem Konzert überzeugte das Blasorchester auch in diesem Jahr seine Besucher und Fans. Dabei trat es den Beweis an, dass die Aktiven zu den Besten ihres Faches in der Region gehören. Das Jugendorchester legte einen Ausbildungsstand dar, der kaum besser sein könnte. Mit der Pause währte der Abend über zweieinhalb Stunden. Mit drei Zugaben wurde ein glanzvoller Auftritt abgerundet.

Quelle: op-online.de

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