Auf den Spuren der Vorfahren

Theateraufführung: Mord im Territorialmuseum

Babenhausen -  Welturaufführungen haben in Babenhausen eher Seltenheitswert. Am Sonntagnachmittag hat Georg Wittenberger, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins, mit Augenzwinkern eine solche angekündigt: Von Michael Just 

In der Amtsgasse stand das Werk „Mord im Territorialmuseum“ auf dem Programm. Es war Anfang des Jahres, als der Heimat- und Geschichtsverein zum Neujahrsempfang lud. Mit dabei auch HGV-Mitglied Hans Fengel, passionierter Hobby-Schriftsteller. Nach dem Brunch las er seinen Kurzkrimi „Mord im Territorialmuseum“ vor. Die Erzählung war für den Verein besonders reizvoll, da Fengel einen bedeutenden Inhalt der vom HGV betriebenen Ausstellung aufgriff. Im Mittelpunkt der Geschichte steht die Hölzerlips-Bande: 1811 überfiel sie an der Bergstraße eine Kutsche, bei der der Schweizer Kaufmann Hans Jacob Rieter ums Leben kam. Als Versteck diente den Verbrechern die Ziegelhütte bei Sickenhofen. Die damaligen Ereignisse nahm Fengel als Grundlage und lässt einen Nachfahren Rieters auf den Spuren seines Ahnen wandeln. Im Territorialmuseum gerät der Nachfahre in Lebensgefahr. Dabei spielt die Puppe des Hölzerlips, die im Museum steht, eine schaurige Rolle.

Walter Kutscher als Ausrufer, der das Volk über die Schandtaten des Hölzerlips informiert und um Hinweise zu dessen Verhaftung bittet. In einer Doppelrolle schlüpfte der Sickenhöfer selbst in die Figur des Räuberhauptmanns beziehungsweise dessen Puppe im Territorialmuseum.

Die Initiative, das Theaterstück aufzuführen, kam von Ute Wittenberger. Sie textete die Kurzgeschichte in eine theatertaugliche Fassung um. „Als die Idee an mich herangetragen wurde, war ich überrascht und begeistert zugleich“, sagte Fengel. Das Story-Board wurde dem Sickenhöfer Laientheater (SILT) vorgelegt, das sich bereit erklärte, als Mimen aufzutreten. Mit der langjährigen Erfahrung seiner Mitglieder ergänzte SILT in Absprache die Vorlage weiter. Am Ende entstand ein durchweg rundes Stück in sieben Abschnitten mit 40 Minuten Spieldauer. Walter Kutscher erhielt eine ungewöhnliche Rolle: Er spielte die im Museum beheimatete Hölzerlips-Puppe, die zum Schluss recht lebendig in die Handlung eingreift. „Das hatte ich in 20 Jahren Theater noch nicht, dass ich 20 Minuten starr bleiben muss“, erzählte der Sickenhöfer und schmunzelt. Die Beteiligung von SILT sieht er als wichtige Botschaft nach Außen: Das Theater ist nicht nur für Schwänke gut, sondern hat einen professionellen Anspruch.

Das Schauspiel war Teil einer Kooperation, zu der der Serenadenabend des Babenhäuser Blasorchesters gehörte. Nachdem die Musiker im Biergarten „Zum Adler“ eine Dreiviertelstunde gespielt hatte, zeigte SILT seine Aufführung. Danach lud das Orchester zum zweiten Teil seines Museums-Konzerts ein. Burkhard Schimpf bereicherte mit einem Abriss über die Geschichte des Gasthauses den Abend.

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Schon im Vorfeld flitzten Mägde in mittelalterlicher Kluft über den Hof und feuerten die Neugier der Besucher an. Zur Riege der Schauspieler gehörten neben Walter Kutscher auch Wilma Stirn, Vanessa Rodemich, Andrea Keller, Silvia Degend, Wolfgang Herz, Frank Schell, Martin Hanschmann, Uschi Liebald und Claudia Bahnen. Sie überzeugten genauso wie die bühnentaugliche Ausarbeitung des Stücks. Mit einem Bänkellied über Mackie Messer aus der Dreigroschenoper bewiesen die Mimen sogar ihre Gesangsqualitäten. Das I-Tüpfelchen setzte der Hergershäuser Künstler Willi Seibert, von dem vier Gemälde im Hintergrund die Moritat von Brecht hervorhoben. Wie eine Krimi-Komödie gab das Stück immer wieder Anlass zum Lachen. So füllte Wolfgang Herz seine Rolle als Schweizer Geschäftsreisender mit schweizerdeutschen Dialekt gekonnt aus. Als weibliche Persiflage auf Columbo entpuppte sich Uschi Liebald als Kommissarin, mitsamt Trenchcoat und Stumpen im Mund. Etwas überrascht war HGV-Vorsitzender Georg Wittenberger, als er im Zuschauerbereich als Verdächtiger durchsucht wurde.

Für seine Aufführung erhielt SILT viel Applaus, genauso wie das Babenhäuser Blasorchester. Kleiner Wermutstropfen: Der Hof des Territorialmuseums, in dem die Bühne stand, reichte nicht für alle Zuschauer aus. Die Veranstaltung sehen die Vorstände von Blasorchester und Heimatverein als Pilotprojekt. In Zukunft sollen öfters Musik und Historie zusammenkommen.

Quelle: op-online.de

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