SiLT führt im April eine Krimikomödie auf

Theaterspiel hat in Sickenhofen eine jahrzehntelange Tradition

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Eine Szene aus dem SiLT-Stück „Trimm Dich fit mit Sahnehäubchen“ mit Inge Hartenstein (von links), Andrea Keller und Anika Schürger im April 2015.

Sickenhofen - Das Volkstheater ist eine der ältesten Kulturformen der Menschheit in der darstellenden Kunst. Bereits in frühen Zeitaltern hatte sich neben der Malerei und der Musik auch das Theaterspiel als Form der kulturellen Gemeinschaft etabliert. Von Walter Kutscher 

Titelblatt des Textheftes von „Der verhaftete Turnverein“ – aufgeführt 1924 in Sickenhofen zum 15-jährigen Bestehen des Turnvereins.

Zumindest seit etlichen Jahrzehnten wird dem Laientheater auch in Sickenhofen gefrönt. Der Zahn der Zeit hat an dem Heft nicht genagt. Aber die Verfärbung beweist, dass es schon viele Jahrzehnte im Schrank gelegen hat – das Textheft für das 1924 in Sickenhofen aufgeführte Theaterstück „Der verhaftete Turnverein“. Auf die Bühne des damaligen Gasthofs „Zum Löwen“ gebracht worden ist es zu einem besonderen Anlass. Dem 15-jährigen Bestehen des 1909 gegründeten Turnvereins in Sickenhofen. So ist es auch in der Vereinschronik niedergeschrieben. Zugleich ist dies die erste bekannte Aufführung in dem Babenhäuser Stadtteil.
Für weitere Theateraufführungen in den Jahren danach ist allerdings nichts überliefert, aber bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg zeigten in Sickenhofen Hobbyschauspieler wieder ihr Talent. Nach Informationen mehrerer Personen fanden unter der Regie der Freiwilligen Feuerwehr Aufführungen in den Jahren nach 1947 statt. Einige Sickenhöfer Bürger erzählten zum Thema „Theater“ in einem Rückblick ihre Erlebnisse aus der Zeit zwischen 1947 und 1955. An zwei Auftritte erinnert sich Helmut Spiehl vom Lindenhof. Er spielte vermutlich in den Jahren 1947 und 1949 Theater unter der Federführung der Freiwilligen Feuerwehr und dem Gesangverein.

Im Jahre 1952 führte eine reisende Gruppe bei drei Veranstaltungen im Saal der damaligen Gaststätte „Zum Anker“ einen bunten Theaterabend auf. Die musikalische Leitung lag bei Toni Hämmerle, der später als Begleiter von Ernst Neger in der Mainzer Fastnacht bekannt wurde. Gretel Scherbaum erzählte, dass in den Jahren danach weitere Aufführungen auf der Bühne des Gasthauses „Anker“ stattfanden. Gastwirt war damals Heinrich Roth. Noch heute können in der Schreinerei von Enkel Thilo Roth die Überreste des Saales erahnt werden. Else Trippel berichtete, dass am 15. März 1953 ein Volkslieder- und Theaterabend stattfand und 1954 veranstaltete die Feuerwehr einen Theaterabend. Aus diesem Jahr ist auch noch das Textheft erhalten. Damals stand das Lustspiel „Der Schwiegermutter Zähmung“ auf dem Programm.

Auch im Protokollbuch der Feuerwehr sind Hinweise auf Theatervorführungen zu finden. Dort ist zu lesen, dass jeweils am 1. Ostertag 1954 und 1955 Theater gespielt wurde: „Karten sollen für eine Mark auf allen Plätzen im Vorverkauf bei Hans Wiesinger zu haben sein“.

Aus den folgenden Jahren sind, neben familiären Veranstaltungen, keine weiteren Theaterspiele bekannt. Nach Hinweisen von Norbert Kolb wurde seitens des Kindergartens in den 1950er und 1960er von den Kindern kleine Advents- und Weihnachtsstücke aufgeführt. Zuerst fanden die Vorstellungen im Ankersaal statt und nach Fertigstellung des Dorfgemeinschaftshauses Ende 1957 wurden die Aufführungen dorthin verlegt.

Vor 30 Jahren wurde das Theaterstück „Hier sind Sie richtig“ aufgeführt. Es spielten anlässlich der 1000-Jahrfeier von Sickenhofen Charlotte Bachmann (von links), Hans-Dieter Hardt, Ingrid Wiesinger, Philipp Trippel, Peter Heil, Edeltraud Trippel, Walter Kutscher und Ute Wiesinger.

Ein Großereignis für Sickenhofen war sicherlich die 1000-Jahrfeier im Jahre 1987. Über zwölf Monate hatten alle Ortsvereine viele Programmpunkte zusammengestellt und ein Höhepunkt davon war die Aufführung der Komödie „Hier sind sie richtig!“ in der Friedel-Wiesinger-Halle – damals noch Mehrzweckhalle genannt. Die Inszenierung und Regie des Stückes lag bei den Damen vom „Steifen Knie“. Unter Federführung von Liesl Freund und Inge Hartenstein wurden aktive Mitspieler gefunden und die wochenlangen Proben begannen. Die Gruppe fand in einer Scheune in der Hehnstraße Kulissenteile, die bereits von der Feuerwehr in den 1950er Jahren benutzt wurden. Diese wurde vom Staub befreit und dienten, bezogen mit neuem Stoff, als Kulisse für das Stück zur 1000-Jahrfeier. Im November 1987 standen die Mimen schließlich zweimal auf der Bühne und begeisterten das Publikum.

Acht Jahre nach der 1000-Jahrfeier fanden sich einige Sickenhöfer Leute zusammen, die Interesse daran hatten, das Laientheaterspiel in Sickenhofen aufleben zu lassen. Aus einem kleinen Kreis von fünf Personen wurde das Sickenhöfer Laientheater (SiLT) gegründet. Rasch fanden sich weitere Interessenten und so konnte 1995 das Team erste Vorbereitungen für ein Abendprogramm treffen. Am 4. Oktober 1996 war Premiere mit dem Stück „So eine Pfundsfamilie“ in der Mehrzweckhalle. In den folgenden Jahren etablierte sich die Gruppe im Sickenhöfer Vereinsleben und präsentierte jährlich eine Komödie. Darüber hinaus boten die Aktiven vom SiLT auch ihre Dienste bei Veranstaltungen anderer Ortsvereine an.

Bilder: Festival „Stadt, Land, Bass“ 2017 am Sickenhöfer See

So spielten sie beim 90-jährigen Bestehen des TV 1909 Sickenhofen am 29. Mai 1999 das Kurzstück „Die Pferdekur“ und im Jahr 2006 wurde anlässlich des 175-jährigen Bestehens der evangelischen Kirche am 10. September 2006 das Stück „Wassernot in Schilda“ auf dem Platz hinter dem Gotteshaus gezeigt. Auch die Teilnahme an Kerb-umzügen und den Seniorennachmittagen gehören zum festen Bestandteil der Gruppe. SiLT zeigt seine Aufführungen nicht nur in Sickenhofen, auch in der Stadthalle Babenhausen und in der Langstädter Markwaldhalle konnte bei verschiedenen Darbietungen viel gelacht werden.

Das Ensemble ist eine Theatergruppe, die mit viel Liebe zum Detail Komödien, Bauerntheater, Boulevardstücke, historische Szenen und Sketche aufführt und wird auch zukünftig das kulturelle Dorfleben von Sickenhofen bereichern. Zurzeit studieren die Mimen die Kriminalkomödie „Inspektor Blunders allerletzter Fall“ ein, die Ende April aufgeführt wird.

Quelle: op-online.de

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