Therapie für Patient Bummelgass´

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Eine der Ideen: ein „Hexenbrunnen“ auf dem Marktplatz, wie in der Fotomontage zu sehen.

Babenhausen ‐ Als „betriebsblind“ bezeichnet man jene Situation, wenn durch jahrelange Verwurzelung in einer Materie kaum neue Ideen und Veränderungsmöglichkeiten entstehen. Dann ist es gut, wenn sich Menschen „von außen“ einmal unbelastet einer Sache mit anderen Blickwinkeln annehmen. Von Michael Just

Beim Patienten Bummelgass´ sind neue Konzepte dringend notwendig. Die haben in den letzten acht Monaten die Studenten der Geoinformation und Kommunaltechnik der FH Frankfurt entwickelt und Vorschläge zur Belebung der Babenhäuser Innenstadt erarbeitet. Bereits im März stellten sie erste Ergebnisse in der Stadthalle der Öffentlichkeit vor und gliederten noch einen Workshop an. Dessen Ergebnisse sind nun ebenfalls noch in die große Abschlusspräsentation im Rathaus eingeflossen.

Wie Studentin Anna Haux sagt, sind die leeren Geschäfte in Babenhausen kein Einzelfall. „Die haben alle das gleiche Problem“, verweist die 26-Jährige auf eine Flut von Städten, in denen derzeit verwaiste Zentren die Rathäuser beschäftigen. So habe man auch schon für Ober-Roden oder Dietzenbach Konzepte entwickelt. Dass kürzlich in der Babenhäuser Fahrstraße in nur einem Monat drei neue Leerstände hinzukamen, bezeichnet sie als bedenklich: „Das ist für eine kleine Stadt sehr viel. Manchmal kommen wieder neue Geschäfte rein, das ist aber nicht immer das, was man sich wünscht.“

Professor Dr. Martina Klärle (Fünfte von rechts) übergibt mit ihren Studenten Bürgermeisterin Gabi Coutandin den Abschlussbericht, wie sich die Innenstadt Babenhausens beleben lässt.

Für die Studenten ist es wichtig, dass Babenhausen eine eigene Identität entwickelt. In Anlehnung an den Hexenturm könnte dies mit dem Image als „zauberhafte Stadt“ geschehen. Dafür wird ein Hexenbrunnen vor der Stadtkirche sowie ein „Hexenhäuschen“ vorgeschlagen, das als touristischer Anziehungspunkt, beispielsweise mit einem Spiegelsaal, dient. Auch das Image als Pferdestadt ist denkbar. Dafür favorisieren die Hochschüler große Pferdefiguren im Zentrum, kombiniert mit der Einrichtung eines Reiterladens. Die Eröffnung eines Tchibo oder Textildiscounters in der Bummelgass´ ist für sie ebenfalls nicht ausgeschlossen. Die jungen Städteplaner haben dazu das Anforderungsprofil dieser Ketten mit den Leerständen in der Fahrstraße verglichen und Übereinstimmungen festgestellt. „Tchibo hat weit weniger hohe Ansprüche als viele annehmen“, offenbarte ein Referent. Nicht alle Ideen zeigen sich aber als realistisch, wie die gewünschte Errichtung von gleich zwei neuen Cafés beweist. „Wir haben Kosten und Machbarkeiten mal außer Acht gelassen, um nicht frühzeitig eine Ideenbremse einzubauen“, sagte dazu die zuständige Dozentin, Professor Dr. Martina Klärle.

Bürgermeisterin Gabi Coutandin zeigte sich mit den vorgestellten Ergebnissen, die in einer Druckschrift im „i-Punkt“ eingesehen werden können, sehr zufrieden. So habe ein Magistratsmitglied bereits Kontakt zu dem angeführten Kaffeeröster aufgenommen.

Lediglich jenen Ansatz habe sie vermisst, dass Leerstände auch kulturell und beispielsweise in Form von Galerien genutzt werden können. Gerade in Bezug auf die große Anzahl von Künstlern in der Stadt sei dies eine wichtige Option.

Coutandin dankte den Studenten und hob heraus, dass man heutzutage verstärkt auf „Inputs“ von außen angewiesen ist. So würden die Ausarbeitungen von „Denkfabriken“, die in einen gesellschaftlichen und praktischen Nutzen für die Bürger münden, eine immer größere Rolle spielen. Die vorgelegten Ergebnisse der FH bezeichnete sie als äußerst „greif- und handhabbar“. Die Frankfurter Studenten sind natürlich jetzt besonders gespannt, was die Stadt von ihren Ideen umsetzt.

Quelle: op-online.de

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