Leckerlis fürs Heim

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Aufs Weihnachtsfest dürfen sich auch die Bewohner des Tierheims freuen: Helferinnen Susanne Hofmann und Silvia Britz werden mit Leckerlis nicht geizen.

Babenhausen - „Jetzt ist aber Ruh“, ruft Beate Laudien, als rund ein halbes Dutzend Hunde, die sich aufgrund ihres Alters oder ihres sanften Gemüts im Babenhäuser Tierheim frei bewegen dürfen, den Besucher mit freudigem Gebell begrüßen und an ihm hochspringen. Von Michael Just

Das Machtwort wird sofort befolgt, und nur noch geschnuppert oder untereinander gerauft.

So turbulent, wie es manchmal unter den Vierbeinern zugeht, verlief das zurückliegende Jahr auch für das Tierheim insgesamt: Der verzweifelte Hilferuf im Sommer, dass die Einrichtung finanziell vor dem Ende stehe, zeigte sich folgenreich: „Einige glaubten, wir sitzen auf gepackten Koffern und die Situation sei unabwendbar. In den Tagen danach sprachen wir immer wieder mit Leuten, die dachten, wir hätten schon dichtgemacht“, berichtet Leiterin Beate Laudien. Der positive Aspekt: Das Tierheim wurde mit Futterspenden geradezu überhäuft. Mitarbeiter und Tiere gleichermaßen saßen wochenlang auf vielen hundert Futterdosen. „Diese Resonanz hätten wir so nicht erwartet“, blickt die 50-Jährige auf die große Anteilnahme zurück.

Zweite Vollzeitstelle ist finanziell nicht mehr tragbar

Mittlerweile schwebt das Damoklesschwert nicht mehr über den Zwingern und den Katzenhäusern unweit der Harreshäuser Allee, die Schließung konnte vorerst abgewandt werden. Die finanzielle Situation ist allerdings unverändert schwierig: „Wir freuen uns wahnsinnig über die Futterspenden. Meine Leute bezahlen kann ich damit aber leider nicht“, seufzt Laudien. Im Sommer musste sie ihre einzige Festangestellte entlassen. Eine zweite Vollzeitstelle ist seitdem finanziell nicht mehr tragbar. Derzeit wird den Tieren mit einer 400-Euro-Kraft und zwei Ein-Euro-Jobbern geholfen – keine leichte Aufgabe bei 365 Tagen Arbeit im Jahr.

Wie lange das noch gut geht, weiß Laudien nicht, da die Ein-Euro-Jobber nur noch ein halbes Jahr da sind. Eine Lage „bei der sich die Katze in den Schwanz beißt“, sei die Personalsituation: „Wir mussten Personal entlassen, um Kosten zu sparen. Um Finanzmittel zu bekommen, brauchen wir aber Personal, um unsere Feste wie den Tag der offenen Tür durchzuführen.“ Das Babenhäuser Tierheim ist ein eigenständiger Betrieb und bekommt kaum öffentliche Gelder. Der Verein trägt sich von den Mitgliedsbeiträgen, den Spenden und der Vermittlung der Tiere. Die Forderung vieler Babenhäuser Tierfreunde, dass die Stadt die Anlaufstelle stärker unterstützen müsse, ist problematisch: Noch ist die Stadt nämlich in das Kreistierheim in Münster eingebunden, das von insgesamt 13 Kommunen getragen wird. Da jährlich mehrere Tausend Euro von Babenhausen nach Münster fließen, erhält das lokale Tierheim nur einen Minimalbetrag aus der Vereinsförderung.

Derzeit zählt das Heim 25 Hunde

Für die jüngst erfolgten Umbaumaßnahmen wurde aber ein großzügiger Zuschuss gewährt. Für das neue Jahr streben die Babenhäuser Tierfreunde Gespräche mit der Kommune an. An deren Ende soll eine feste Unterstützung stehen, die das finanzielle Überleben garantiert. „Selbst wenn die Stadt aus dem Vertrag mit dem Kreistierheim aussteigt, was die anderen Beteiligten sicherlich verhindern wollen, könnten wir frühstens 2013 mit einer Unterstützung rechnen“, glaubt Laudien.

Derzeit zählt das Heim 25 Hunde, das Katzenhaus wird gerade renoviert. Für die Tage nach Weihnachten weiß die Heimleiterin aus Erfahrung, dass reichlich Arbeit kommt, denn Laudien rechnet mit lebenden Geschenken, die schnell ihren Reiz verlieren und somit bei ihr landen: „Unter dem Baum ist die Freude groß. Wird nach vier Wochen nicht mehr geputzt, führt der Weg zu uns. Leider werden Kleintiere und Käfige viel zu billig verkauft“, ergänzt Laudien. Besonders ärgert sie sich über jene Personen, die nicht den Mut haben, die Tiere persönlich abzugeben und diese einfach in der Dunkelheit oder sogar bei Eis und Schnee vor das Tor stellen. So geschehen mit zwei Katzen im vergangenen Winter: Hätten die eigenen Hunde von Laudien im angeschlossenen Privathaus nicht gebellt, wären die Kätzchen vermutlich erfroren.

Über das, was nach Weihnachten auf das Heim zukommt, wollen die Tierfreunde jetzt noch nicht nachdenken. Erst einmal stehen die Festtage an, die auch für die tierischen Heiminsassen froh werden sollen: Am Heiligabend wartet auf alle Hunde ein Leckerbissen mit einer Hundewurst vom Metzger. „Wir hoffen und bilden uns ein, dass sie damit auch ein bisschen merken, dass Weihnachten ist“, schmunzelt Laudien.

Quelle: op-online.de

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