Tierische Gäste unterm Vordach

+
Wem gehören diese beiden Hausratten? Nach dem Fund der beiden zutraulichen Nager in Hergershausen suchen Luisa Schwalm und Franka Sauerwein den Besitzer.

Hergershausen - „Wem gehören die Findelkinder?“ lautet die derzeit wohl wichtigste Frage in Hergershausen. Am Sonntagmorgen staunte die 13-jährige Luisa Schwalm nicht schlecht, als plötzlich zwei Ratten im elterlichen Hof in der Eckstraße krabbelten. Von Michael Just

 „Meine Mutter hat zuerst gedacht, sie habe Halluzinationen“, erzählt die Schülerin lachend und ergänzt: „Die eine war im Efeu unterwegs, die andere im ausgeräumten Sperrmüll vor unserem Haus.“ „Wir haben sie dann eingefangen“, berichtet die 14-jährige Freundin Franka Sauerwein weiter, während sie einen der beiden Nager liebevoll auf ihrem Arm hält und streichelt. Berührungsängste hatten die beiden Mädchen keine. „Wieso auch?“, fragt Luisa. „Wir haben gleich gesehen, dass das Hausratten sind.“

Gleich nach dem ungewöhnlichen Fund suchte man im Ort nach dem Besitzer. Passanten wurden gefragt und in der Nachbarschaft geklingelt. Vergebens. Wie Franka weiß, müssen die putzigen Tiere nicht unbedingt im Babenhäuser Stadtteil zuhause sein: „Die Hausratte stammt von der Wanderratte ab. Die können schon ein paar Kilometer zurückgelegt haben.“ Woher dieses Wissen kommt, ist im Computer- und Googlezeitalter schnell geklärt: Die Stichworte „Rattenpflege“ und „was tun“ brachten zahlreiche Erkenntnisse in der Suchmaschine. Auch über die Nahrung: „Ratten sind Allesfresser. Sie haben schon ein Würstchen bekommen. Aber Meerschweinchenfutter, Obst und Gemüse gehen auch“, erzählt Franka. Auch, dass es zwei männliche Exemplare sind, haben die Freundinnen schon herausgefunden.

Am liebsten würden die beiden Mädchen ihre neuen Freunde behalten. „Meine Mutter ist aber das Problem. Die will die Ratten nicht im Haus haben“, sagt Luisa. So lautet der Konsens, dass die Gäste nur unter dem Vordach im Hof verweilen dürfen.

Dabei können die Mädchen schon „tierische“ Erfahrung vorweisen: Franka hat ein Meerschweinchen und einen Hund, Luisa zwei Vögel. Letztere eigneten sich eher weniger zum Schmusen, bedauert die 13-Jährige und bekommt dabei Rückendeckung von ihrer Freundin: „Auch mein Meerschweinchen ist in seiner Art viel träger. Ratten sind faszinierende Tiere und es macht Spaß, mit ihnen zu spielen und ihnen zuzugucken.“

Bei ihrer Runde mit den Tieren durch den Ort haben sie fast immer in erschrockene Gesichter geschaut: „Die meisten Leute hatten Angst, dazu finden sie viele wegen der langen Schwänze eklig.“

Das trifft auf die jungen Hergershäuserinnen nicht zu, was auch die Findelkinder zu merken scheinen: Die beiden Nager fühlen sich sichtlich wohl. Vorbei der Stress am Sonntagmorgen, als Nachbarn und Passanten helfen wollten, die Ausreißer unter anderem mit Hilfe von Köchern einzufangen und eine Person dabei sogar eine Bisswunde davon trug. „Eine Ratte hat sich bei dem Wirrwarr angegriffen gefühlt“, sagt Luisa verständnisvoll.

Die Suche nach dem Besitzer geht weiter

In den nächsten Tagen wollen die Mädchen weiter nach dem Besitzer suchen, eventuell auch Zettel im Ort aufhängen. Nicht ganz ausgeträumt ist der Wunsch, die Ratten zu behalten. Um die Eltern zu überzeugen soll eine List helfen: „Die dürfen kein Dauergast sein“, glaubt Luisa. Mit einer dritten Freundin will man eventuell versuchen, dass jeder die Tiere mal für einen bestimmten Zeitraum übernimmt. „Das wäre schon deshalb eine gute Idee, weil Ratten Abwechslung lieben und beschäftigt sein wollen“, hebt Franka hervor.

Mittlerweile haben die Mädchen schon jemand im Ort gefunden, der sich der Tiere annehmen würde, wenn die Eltern nicht mitspielen. Nun soll aber erstmal die Suche nach dem Besitzer weitergehen – vorausgesetzt, die Nager sind wirklich ausgebüchst, denn die Freundinnen wissen, dass in der Sommerzeit viele Tiere ausgesetzt werden. Wichtig ist den beiden, dass die Findelkinder nicht getrennt werden: „Wir haben sie zusammen gefunden, deshalb sollen sie auch zusammen bleiben.“ Was die jungen Hergershäuser um jeden Preis verhindern möchten, dass ihrer Gäste im Tierheim enden. „Das ist wegen Sommerzeit und Wirtschaftskrise ohnehin schon überfüllt. Das wollen wir ihnen auf keinen Fall antun.“

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare