„Tochter seit der Tat verändert“

Darmstadt/Babenhausen - Im Mordprozess des getöteten Ehepaars Toll aus Babenhausen wurde das Verfahren am Mittwoch fortgesetzt mit einer weiteren Befragung einer der Betreuerinnen der Tochter des getöteten Ehepaars. Annett P. Von Ulrike Bernauer

arbeitet in der Behinderteneinrichtung, in der die Tochter bereits vor dem Mord an ihren Eltern untergebracht war und ist auch nach deren Rückkehr wieder eine ihrer Betreuerinnen. P. teilte die Einschätzungen ihrer Kollegen und auch des psychiatrischen Gutachters, dass Toll nicht befragt werden solle, da sie stark traumatisiert sei. Die Betreuerin stellte auf Nachfragen von Richter Wagner fest, dass sich das überlebende Opfer seit der Tat verändert habe. Die Tochter sei stiller geworden und mehr in sich versunken. Vor dem Mord an ihren Eltern sei sie mehr aus sich heraus gegangen und habe auch sehr deutlich gemacht, wenn ihr etwas nicht gepasst habe.

Mehrere Beweisanträge stellte die Verteidigung. Zum einen will sie die Videodokumentation mit dem Spürhund, der nach einer Geruchsprobe des Angeklagten Andreas D. das Haus der Tolls durchsuchte, noch einmal sehen. Laut Verteidiger Lang habe der Hundeführer auf diesem Video gesagt, der Hund habe keine Anzeichen gefunden, dass die Person, von der die Geruchsprobe stammt, sich im letzten Jahr in diesem Haus befunden habe. Mit einem weiteren Beweisantrag will Verteidiger Lang beweisen, dass der Angeklagte den Serverraum seiner Firma, in dem der Drucker stand, nicht einsehen konnte: „Keiner wird so dumm sein, brisante Ausdrucke wie die Anleitung zum Bau eines Schalldämpfers von seinem PC auszusenden, wenn er zum einen nicht weiß, wie viele Aufträge sich noch in der Druckerwarteschleife befinden und wer sich gerade im Druckerraum aufhält und die Ausdrucke sehen kann.“

Die Staatsanwaltschaft lehnte die Beweisanträge der Verteidigung mit dem Argument ab, die Fragen seien schon behandelt worden. Richter Wagner äußerte sich noch nicht, ob er die Beweisanträge der Verteidigung zulassen wird.

Der Prozess wird am Donnerstag, 16. Juni, 9 Uhr, vor dem Landgericht Darmstadt fortgesetzt. Befragt werden soll unter anderem ein Zeuge, der Versuche mit einer Panzerfaust gemacht hatte. Die Befragung soll klären, ob die geringen Schmauchspuren, die an der Kleidung des Angeklagten Andreas D. gefunden wurde, von seiner Zeit bei der Bundeswehr stammen könnten. Richter Wagner rechnet damit, dass die Beweisaufnahme bis zum übernächsten Termin am 29. Juni abgeschlossen wird.

Quelle: op-online.de

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