Tohuwabohu in der Kurklinik

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Bei der Familientherapie geht´s hoch her.

Sickenhofen ‐ Ellen Motzer (Uschi Liebald), ihr Ehemann Amadeus (Wolfgang Herz) und ihre Schwester Marie (Chris Enzmann) schlagen temperamentvoll mit Stofftieren aufeinander ein und schreien sich an. Von Petra Grimm

In der Kurklinik auf der Bühne ist Familientherapie angesagt und im Publikum in der Mehrzweckhalle bleibt dabei kein Auge trocken. „Hören Sie doch bitte auf zu streiten!“ versucht Klinikdirektorin Frau Dr. Schnabel (Anika Schürger) ihre krakeelenden und sich gegenseitig beschimpfenden Patienten zur Ordnung zu rufen. Vergeblich. „Wer streitet hier?“ brüllt Amadeus Motzer sie an: „Wir reden immer so miteinander!“ Es waren diese und ähnlich gelungene Szenen, die am Wochenende zum Erfolg der beiden Aufführungen des Sickenhöfer Laientheaters (SiLT) beitrugen. Freitag- und Samstagabend vor jeweils rund 160 Zuschauern servierten sie „Glaubersalz zum Nachtisch“. Und die Komödie in drei Akten von Heidi Mager kam gut an beim Publikum, das überraschend immer wieder in die Handlung einbezogen wurde. So betraten die sechs Darsteller die Bühne gelegentlich vom hinteren Teil der Halle kommend, durch die Zuschauerreihen laufend oder auch joggend. Einzelne Akteure verließen die Bühne zwischendurch, um sich jemanden aus dem Publikum herauszupicken und anzusprechen.

Das Publikum amüsiert sich sichtlich.

Die routinierte und talentierte Truppe, die seit 1996 beinahe jährlich auftritt - jetzt zum 13. Mal - bewies wieder Kreativität bei der Regie. Hut ab vor Jens Kutscher, der den schleimigen Gigolo und Betrüger Markus Junghans gab. Denn er hielt seinen österreichischen Dialekt bis zum Ende durch. Sein Auftritt im roten Kimono und mit Lockenwickler und Crememaske im Gesicht gehörte zu den optischen Highlights des Abends. Dicht gefolgt von Wolfgang Herz, der sich im Big-Shirt mit dem Aufdruck „Beer builds better bodies“ („Bier macht schönere Körper“) und rosa Söckchen schlafen legte. Da hatten Magda Kutscher und Karin Bender, die für die Maske und die Kostüme im Einsatz waren, ganze Arbeit geleistet. Christine Winter hatte als Souffleuse bei der Premiere wenig zu tun. Den Bühnenbau hatten Lothar Enzmann und Herbert Mohr übernommen. Zum ersten Mal mit SiLT auf der Bühne stand Insa Mosen. Sie verwöhnte als Krankenschwester Monika die Patienten der Klinik, in die Amadeus Motzer von seiner Frau und Schwägerin gegen seinen Willen geschleppt wurde, mit Einläufen und ähnlichen therapeutischen Maßnahmen. Und sie ist ein echter Zugewinn für die Gruppe, die aus insgesamt 16 Mitgliedern besteht und immer froh ist über Zuwachs. „ Wir haben vor allem einen Mangel an jungen Männern“, sagt Inge Hartenstein, die von Anfang an dabei ist. Das beeinflusst die Auswahl der Stücke, die natürlich eingeschränkt ist, wenn man weniger Rollen besetzen kann. In früheren Zeiten standen sie schon mit zwölf Leuten auf der Bühne. „Aber es hört immer mal jemand aus beruflichen Gründen auf. Und inzwischen ist es schwer, jüngere Darsteller zu finden“, sagt Inge Hartenstein. Denn das Einstudieren eines Stückes ist schon ein ziemlicher Zeitaufwand, auch wenn es großen Spaß macht. Geprobt wurde seit vergangenem Oktober. Am Ende in immer kürzeren Abständen. Aber es hat sich gelohnt. Das Publikum hat sich gut unterhalten und auch dieses Mal werden die Sickenhöfer Jugendlichen und Kinder im Nachhinein von den beiden Theaterabenden profitieren. Denn SiLT spendet immer ein ordentliches Sümmchen aus dem Erlös an die Jugendabteilungen der örtlichen Vereine.

Quelle: op-online.de

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