Travestie-Künstlerin kommt gut an

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Organisatoren mit glücklichem Händchen beim Programm für Nachmittag der Senioren. Travestiekünstler Dirk Bieling alias Daphne Blamage machte sich an die Herren heran.

Hergershausen - „So ein Mann, so ein Mann“, sang Travestie-Künstlerin Daphne Blamage alias Dirk Bieling im langen roten Kleid und nahm ungeniert auf dem Schoß des einen und anderen Herren im Publikum Platz. Von Petra Grimm

Wer am Sonntagnachmittag just in diesem Moment das Hergershäuser Bürgerhaus betrat, war möglicherweise überrascht. Denn wer rechnet beim Seniorennachmittag schon mit einer Travestie-Einlage. Der humorvolle Programmpunkt kam gut an bei den rund 180 älteren Hergershäusern, die der Einladung der Stadt und des Ortsbeirats gefolgt waren und „ihren“ Nachmittag bei Kaffee und Kuchen genossen. Der Stuttgarter Dirk Bieling, der begleitet von seinem Pianisten Peter Maile am Vorabend bereits in der Babenhäuser Stadtmühle aufgetreten war, ist durch verwandtschaftliche Beziehungen mit Hergershausen verbunden. So erklärt sich der Abstecher beim Seniorennachmittag, der ganz unterschiedliche Höhepunkte bot.

Ortsvorsteher Horst Grimm hatte die Gäste begrüßt und moderierte das umfangreiche Programm der geselligen Veranstaltung. Sie war in diesem Jahr nach Angaben von Grimm besser besucht als im Vorjahr, obwohl auch am Sonntag einige der gedeckten Plätze frei blieben. Immerhin waren rund 370 persönliche Einladungen verschickt worden. „Also dieses Jahr haben sie wirklich ein tolles Programm zusammengestellt“, lobte eine Besucherin das Engagement des Vereinsgremiums und des Ortsbeirats. Tränen gelacht haben viele beim Auftritt der Schaafheimer Ringelsocken. Die bauten aus ihren Körpern auf Leitern, Tischen und Stühlen stehend und hängend nicht nur jede Menge menschliche Pyramiden, sondern verbanden ihre sportliche Show auch noch mit allerlei Gags. Begeisterter Applaus belohnte sie. Gelächter gab es auch beim Vortrag von Gerda Curella, die über einen Sickenhöfer in England berichtete.

Für eher besinnliche Momente sorgte das gekonnte Gitarrenspiel und der Gesang von Rudolf Svecak. Mit einigen Liedern unterhielt auch der Gesangverein Liederkranz unter der Leitung von Peter Wilhelm. Die jüngere Generation war musikalisch durch die Flötengruppe von Renata Ding, sportlich durch die Rope Skipper und tanzend durch die Sternchen des TVH vertreten. Zehn Paare aus der Tanzgruppe des Babenhäuser Turnvereins zeigten Walzer und Cha Cha.

„Im Jahr 2030 sind knapp 40 Prozent der Bevölkerung über 60 Jahre alt. Der Bedarf an Unterstützung wächst“, sagte Bürgermeisterin Gabi Coutandin, die darauf hinwies, dass man sich in allen Bereichen dafür gut aufstellen will. So sollen selbstverständlich Seniorennachmittage und Fahrten auch weiterhin stattfinden. Die ambulante Pflege durch die Sozialstation sei zum vierten Mal mit der Bestnote ausgezeichnet worden und auch die stationäre Betreuung vor Ort sei durch die beiden Seniorenheime in der Kernstadt und in Harreshausen gesichert. Auch die Vereine hätten den demografischen Wandel im Blick und machten zunehmend Fitness- und Gesundheitsangebote, so Coutandin.

Für die beiden Kirchengemeinden sprachen Pfarrerin Elke Becker und die katholische Gemeindereferentin Claudia Czernek. Elke Becker forderte die Gäste auf, das, was einen im Alter und im trüben Monat November bedrückt, einmal beiseite zu schieben und die Geselligkeit und Unterhaltung an diesem Nachmittag zu genießen. Sie lud ein, in den Gottesdiensten der beiden Kirchengemeinden „die Nähe Gottes zu spüren“. Claudia Czernek hatte einen alten Teddy aus ihrer Kindheit mitgebracht, den sie vor 30 Jahren aus der Mülltonne gerettet hat. „Als ich den Beruf begonnen habe, dachte meine Mutter, ich brauche ihn nicht mehr und hat ihn weggeworfen“, erzählte sie und forderte die Gäste auf, die Augen zu schließen und in Gedanken durch die eigene Wohnung zu gehen. „Entdecken Sie dabei das eine oder andere, das sie schon Jahrzehnte begleitet und sie an Menschen erinnert, die vielleicht schon verstorben sind.“ Vor allem im November wird in den christlichen Kirchen an die Verstorbenen gedacht. „Versüßen Sie sich diese Tage mit schönen Erinnerungen und Gedanken, und sei es an einen alten Teddy“, sagte Czernek.

Quelle: op-online.de

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