„Trucker-König“ zu Besuch

Spannend fanden die Schülerinnen, einen richtigen Krimi-Autor wie Michael Kibler mal da zu haben. Foto: Rosendorff

Babenhausen - Kathrin Rosendorff„Sie haben gar keinen Eintrag bei Wikipedia“, merkt Alex (14) an. Und ergänzt dann auch gleich: „Dürfen wir das für Sie machen?“ Es ist Montagmorgen, die 9. Realschulklasse und die 9. Gymnasialklasse sitzen an im Clubraum locker verteilten Tischen der Offenen Schule: auf der einen Seite das Mäppchen, auf der anderen der Schreibblock.

Keiner stützt sich müde-gelangweilt auf verschränkten Armen ab.

Die Schülerblicke sind voll konzentriert gen Rednerpult, an dem ein Herr mit grauem Bart und beigem Sakko steht. Auf den ersten Blick könnte er Pädagoge sein, ist er aber nicht. Er ist Krimiautor und heißt Michael Kibler. „Ja, einen Wikipedia-Eintrag können Sie gerne über mich machen“, antwortet der 46-Jährige und lacht sichtlich geschmeichelt. Der Darmstädter Schriftsteller ist einerseits gekommen, um aus seinem neustem Krimiroman „Rosengrab“ vorzulesen, andererseits auch, um den Schülern Fragen zu beantworten, zu seinen Büchern und zu seinem Leben als Schriftsteller.

„Es ist ein schulformübergreifendes Projekt“, erzählt Annette Ahle, Deutschlehrerin wie Realschulzweigleiterin. Gemeinsam mit ihrer Kollegin, Gymnasialzweigleiterin Ursula Pullmann, hatte sie die Idee „mal was Frisches“ in den Deutschunterricht zu bringen. „In der neunten Klasse sind Kriminalromane im Lehrplan vorgesehen. Meist ist das dann Friedrich Dürrenmatts „Der Richter und sein Henker“. Wir wollten mal was Modernes und was mit lokalem Bezug in den Unterricht bringen. Und so haben wir uns für Kiblers zweites Buch „Zarengold“ entschieden, denn alle seine Bücher spielen in Darmstadt und er hat eine sehr schöne Schreibe“, sagt Pullmann.

„Zarengold“ beginnt mit einer Frauenleiche in den Darmstädter Katakomben. Hauptkommissarin Margot Hesgart und ihr Kollege Steffen Horndeich, der sich lieber von russischen Klängen verführen lässt, müssen viele Fragen stellen, um den Mord zu lösen. Fragen stellen, traut sich am Anfang der Stunde keiner, verschämt gehen die Blicke der Schüler nach unten. Dann wagt sich der Erste.„Schreiben Sie wirklich nur Krimis, warum denn keine Fantasy-Romane?“ „Nun“, antwortet Kibler, „früher habe ich auch andere Genres bedient, die aber unter anderem Namen“, erzählt er, lacht und reicht eine seiner ersten Werke herum. Es sind Groschenromanheftchen mit dem Titel „Trucker-King“ und „Mitternachtsroman“. „Aber eigentlich mag ich am liebsten Rätsel um Rätsel auflösen und Fantasy lese ich auch nicht gerne“, sagt er und nimmt sich zum wiederholtem Male aus einer Karaffe stilles Wasser, denn, so betont er, sein Hals ist vom Vorlesen sehr trocken und müsste geölt werden. „Woher stammt Ihr Fachwissen in diesem Roman über den Zaren und den Schmuck?“, will ein Schüler wissen. „Nun Wikipedia ist sehr hilfreich für Autoren, und da findet man auch Buchhinweise.“

„Sie sind nicht nach Russland gereist?“, fragt eine Schülerin. „Nein, das hat das Budget nicht hergegeben“, antwortet er und grinst. Michael Kibler erzählt ihnen, dass er nicht allein vom Bücher schreiben lebt, sondern auch noch Texter ist und er für ein Buch zwölf bis 14 Monate Zeit braucht. „Und wie findet Ihre Familie Ihre Bücher? „Hm, mein Vater, der sonst keine Bücher lesen mag, liest nur meine...“ „Woher haben Sie ihre Ideen?“, wollen mehrere Schüler wissen. „Also, bei „Rosengrab“ war das so, dass ich morgens im Radio hörte, dass jemand über die Autobahn gerannt ist. Im ersten Moment dachte ich: Wer ist denn so blöd?“

Der Krimiautor in mir überlegte, ist die Person freiwillig gerannt?“ So beginnt „Rosengrab“ auch mit dem Tod einer Sängerin, die über die Autobahn rennt. Und Michael Kibler verrät den Schülern, dass er gerne in seiner Stammkneipe „El Pueblo“ schreibe. Wahrscheinlich nicht in die Kneipe, aber dafür zu den Krimi-Schauplätzen wie der Rosenhöhe und den Katakomben gehen die Neuntklässler im Mai. Auf Spurensuche...

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare