Bei Türk Spor deutet alles auf die Auflösung hin

Babenhausen - (ey) An die erste Hälfte der neunziger Jahre denkt Mehmet Gökce gerne zurück. Da kamen im Schnitt 300 Zuschauer zu den Spielen der Fußballer von Türk Spor Babenhausen. Bei einem Entscheidungsspiel um den Aufstieg waren es sogar einmal über 1 000 Fans. Diese Zeiten liegen lange zurück. Kürzlich hat der Verein seine beiden Mannschaften aus der Kreisliga A und der Kreisliga D zurückgezogen.

Zwar hatte der Club immer mal wieder Probleme, eine Mannschaft zusammen zu bekommen. Der Hauptgrund für den Rückzug liegt aber abseits des Platzes.

„Es hat bei der Organisation des Vereins die Unterstützung unserer Landsleute gefehlt. Die viele Arbeit war im Vorstand so nicht mehr zu bewältigen“, sagt Gökce, der dem Verein seit dessen Gründung im Jahr 1979 angehört und zuletzt in Personalunion Vereinsvorsitzender und Trainer der ersten Mannschaft war. Zwar könnte Türk Spor im Sommer einen Neuanfang in der B-Liga starten. Wahrscheinlicher ist derzeit aber, dass der Verein aufgelöst wird. „Die Tendenz geht da hin“, sagt Mehmet Gökce traurig. "Diesen Schritt werden wir aber erst gehen, wenn wir alle Möglichkeiten ausgeschöpft haben.“

Zweimal hat der Vorstand in den vergangenen Wochen Mitglieder und Interessierte zu Versammlungen eingeladen, um weitere Personen zur Mitarbeit im Vorstand zu bewegen. Gekommen ist allerdings kaum einer. Etwas mehr Hoffnung machte eine Umfrage, die der Verein in türkischen Geschäften in Babenhausen durchführte. Von den 50 Teilnehmern gaben immerhin etwa die Hälfte an, dass sie den Verein als Mitglied oder anderweitig finanziell unterstützen würden.

Bislang hat Türk Spor Babenhausen 60 Mitglieder. Außerdem sprachen sich 95 Prozent der Teilnehmer dafür aus, dass der Verein nicht aufgelöst wird. Das Problem der mangelnden Mitarbeit im Vorstand löse das, so der 46-jährige Mehmet Gökce, aber nicht: „Die Leute wollen zwar, dass der Verein nicht aufgelöst wird. Aber keiner will was tun.“Früher sei das anders gewesen: „Da hat es bei Vorstandswahlen einen echten Konkurrenzkampf gegeben.“

Das Interesse am Verein ging in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurück. Erschwerend kam hinzu, dass die Mannschaft in der vergangenen Saison, als man in die A-Liga aufstieg, nicht auf seinem angestammten Sportplatz spielen konnte. Wegen des Fundes eines Blindgängers aus dem Zweiten Weltkrieg in der Nachbaschaft war der Platz gesperrt, die Türken mussten zur Germania und nach Harreshausen ausweichen.

„Unser Ziel war in der vergangenen Saison nicht nur der Aufstieg, sondern auch die Zuschauer an uns zu binden. Das war mit den ständigen Sportplatzwechseln nicht möglich“, sagt Mehmet Gökce, der unumwunden aber auch eigene Fehler des Vereins zugibt. So verzögerte sich etwa mehrfach der Bau des Vereinsheims, das immer noch nicht fertig ist.

Sollte der Verein weiter bestehen bleiben, erhoffen sich die Mitglieder der Vorstandes bei der Fertigstellung des Vereinsheimes Unterstützung durch die Stadt, wie sie am Montag Bürgermeisterin Gabi Coutandin mitteilten. Der Türk-Vorstand wies im Gespräch mit der Rathauschefin außerdem auf die Wichtigkeit der Vereins als Anlaufstelle für Jugendliche hin.

In den nächsten Wochen will der Vorstand nun eine Entscheidung fällen, ob und wie es weitergeht. Spätestens bis Ende April soll Nägel mit Köpfen gemacht werden, da bis dahin die Meldungen für die kommende Saison abgegeben werden müssen.

Quelle: op-online.de

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