Über den Tanz zur Sopranistin

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Am Anfang stand der Flamenco. Danach entdeckte Nicole Schmiedecke aus Langstadt ihre Liebe zur klassischen Musik.

Langstadt ‐ Ohne ihre Ausbildung zur Flamenco-Tänzerin würde sie heute wohl nicht als Sopranistin auf der Bühne stehen. Der spanische Tanz ist Teil ihres Lebens geworden und hat sie verändert, erzählt Nicole Schmiedecke. Von Petra Grimm

Ohne Flamencotanz würde ich heute nicht vor Publikum singen. Ich bin nämlich eigentlich eher schüchtern und habe durch das Tanzen mehr Selbstbewusstsein bekommen. Flamenco ist ja ein Ausdruckstanz, und man lernt dabei, seine Gefühle zu zeigen. Man lernt, aus sich herauszugehen und sich zu öffnen. Das ist beim Singen ja auch ganz wichtig“, sagt die 39-jährige Langstädterin mit einem fröhlichen Lächeln. Nein, unsicher oder zurückhaltend wirkt sie eigentlich nicht. Erst im März gab die Sängerin in Mainflingen ein Konzert mit Melodien und Arien aus bekannten Opern, Operetten und Musik aus den 30er Jahren. Mozart, Puccini, Lehar oder auch Gershwin waren zu hören.

Auftritte führten sie bis in die Schweiz

Zum Flamencotanzen - dem Schlüssel für ihre Gesangskarriere - kam sie mit 17 Jahren über einen Aushang am Babenhäuser Rathaus. Auftritte als Solistin und mit verschiedenen Flamenco-Ensembles führten sie bis in die Schweiz. Seit 1992 gibt sie auch selbst Unterricht. Aber das Singen habe für sie im Moment Vorrang, sagt die Mutter von zwei Söhnen, die ihre Gesangsausbildung erst mit 32 Jahren begonnen hat. Sie habe sich damit einen Traum erfüllt, erzählt sie.

Spaß am Singen habe ich immer gehabt und früher auch beim Eintracht-Frauenchor gesungen. Durch den Unterricht wollte ich feststellen, ob ich wirklich singen kann.“ Ihre erste Gesangslehrerin bestärkte sie. 2002 begann sie eine klassische Ausbildung bei der privaten Gesangsschule Wulfert-Höfgen in Darmstadt. Viele Engagements als Solistin bei Konzerten, in Gottesdiensten, bei Hochzeiten und bei Konzerten in der Orangerie Darmstadt folgten. Nicole Schmiedecke hat auch eigene Konzerte organisiert, so lud sie etwa in die Langstädter „Bretzel“ zu kulinarisch-musikalischen Abenden. „Da haben mich eine Saxofonistin und Altistin unterstützt. Neben Klassik gehörten auch Musik aus den 30er Jahren und Musicals zum Programm“, erzählt die Sängerin, die im Rahmen eines Solokonzertes 2009 als Absolventin der Gesangsschule Wulfert-Höfgen die „künstlerische Reife“ verliehen bekam.

Singen half über schwere Zeiten hinweg

Die ausgebildete pharmazeutisch-technische Assistentin, die früher in der Babenhäuser Stadtapotheke gearbeitet hat, hat sich eigentlich erst durch ihre Gesangsausbildung in klassische Musik verliebt. „Ich gehe darin auf und fühle mich in ihr zuhause“, sagt sie. Sie höre zwar auch Poplieder, aber beim Singen bleibt sie bei der Klassik. Alle zwei Wochen fährt sie auch jetzt noch nach Darmstadt zum Unterricht.

Es gibt immer etwas zu verbessern. Außerdem arbeite ich an meinem Repertoire“, sagt sie. Der Gesangsunterricht sei für sie eine schöne Selbsterfahrung: „Man lernt sich selbst dabei besser kennen und merkt, was in einem steckt. Ich kann nur jedem empfehlen, es auszuprobieren.“ Das Singen und die Musik haben ihr auch über schwere Zeiten im Leben hinweggeholfen. Dass sie ihre Freude an der Musik an ihre beiden Söhne Nikolas (13) und Fabian (11), die beide begeistert singen, weitergeben konnte, freut sie. Mit ihrem Ehemann Günter singt sie gemeinsam im „Contrapunkt“, einem gemischten Chor in Mainflingen.

Während eines Konzerts tauche sie in eine andere Rolle ab, erzählt sie. „Das Schöne ist, wenn ich irgendwann merke, ich habe mein Publikum.“ Sie strebe keine große Karriere an, sagt sie. „Ich bin mit meinem Leben zufrieden, wie es ist. Ich will einfach Musik auf einem gewissen Niveau machen und mir und meinem Publikum einen schönen Abend bereiten.“

Quelle: op-online.de

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