Mit über 90 wird noch geturnt

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50 Jahre gibt es die rege Abteilung Frauen-Gymnastik beim TV Babenhausen. Bei einem Essen, zu dem auch alle Ehemaligen eingeladen waren, stieß man darauf in großer Runde an. Nicht fehlen durften dabei natürlich die drei Gründerinnen (sitzend von links) Marie Thierolf sowie Karola und Annemarie Fendt.

Babenhausen - Bei einer Hochzeit nach dem Krieg kam es ihnen in den Sinn: „Wir könnten eigentlich wieder anfangen zu turnen“, berichtet Karola Fendt über den Vorschlag und den Aufbau nach dem Krieg, der durch Unsicherheit und materielle Not gekennzeichnet war. Von Michael Just

Wer es nicht besser weiß, könnte die Runde im Restaurant für ein Jahrgangstreffen älterer Damen im besten Alter halten. Das „beste Alter“ sind bei Annemarie und Karola Fendt 93 und 91 Jahre, bei Marie Thierolf 86 Jahre. Zusammen sitzen sie an der Stirnseite des hufeisenförmig aufgebauten Tisches und wirken durch ihr gut situiertes Verhalten fast wie Hoheiten. Mit 45 anderen Damen nippen sie Schaumwein, den sie sich aufgrund ihrer Verdienste genießen können: Vor 50 Jahren gründete das Trio die heute älteste Abteilung im Turnverein Babenhausen, die Frauen-Gymnastik.

Kaum zu glauben ist, dass Marie Thierolf bis heute noch an der Turnstunde teilnimmt. Annemarie und Karola Fendt standen ihr darin bis vor wenigen Monaten nicht nach. Über 30 Jahre engagierte sich Marie Thierolf als Übungsleiterin, bevor sie die Verantwortung 1992 an Alice Sauer übertrug. Bei der 58-jährigen Krankenpflegerin ist diese Aufgabe mittlerweile zu einer Berufung geworden. So gehört sie zu den wenigen Übungsleitern im TV, die auf eigenen Wunsch komplett ehrenamtlich agieren: „Ich möchte kein Geld. Die Gruppe ist so toll, und es macht einen solchen Spaß, dass ich ein schlechtes Gewissen hätte, dafür bezahlt zu werden.“

Bilanz: Bewegung tat immer gut

„Der heutige Abend war spontan und unkompliziert. Jeder bezahlt sein Essen selbst“, sagt Sauer. Toll findet sie mit Blick auf die große Anwesenheitsliste, dass auch alle die eingeladen wurden, die nicht mehr aktiv sind. Bevor es ans Dinieren ging, gab es Blumenpräsente für die drei Gründerinnen, und Käthe Klump und Anni Desch warfen einen humorvollen Blick zurück auf fünf Jahrzehnte. Das war keine leichte Aufgabe, schließlich galt es, unzählige Anekdoten zu berücksichtigen. Wie sie abschließend sagten, hört man tagtäglich, dass die Gesellschaft aufgefordert wird, sich zu bewegen: „Das haben wir gemacht, und es hat uns immer gut getan“, lautet ihre die Bilanz. Alice Sauer hatte mit sieben weiteren Damen eine Parodie auf die eigene Gruppe vorbereitet.

Derzeit kommen 25 bis 35 Frauen regelmäßig in die Turnstunden. Allen Treffen ist gemein, dass nach den Leibesübungen ein Spiel folgt oder getanzt wird. Dazu endet jede Stunde mit einem Lied. In der TV-Familie ist die Frauen-Gymnastik nicht nur durch ihre Bewegung im hohen Alter bekannt, sondern auch durch ihre Ausflüge und eine gesellige Verbundenheit. Die Bowle der Riege genießt mittlerweile einen „Weltruf“. Vor allem die Geburtstage sind regelmäßig beliebter Anlass, um zusammen zu kommen. Vor das Feiern hat der liebe Gott allerdings stets die Übungsstunde gesetzt. „Ich habe nichts gegen Geselligkeit, aber die müssen sich die Damen verdienen“, sagt Sauer und ergänzt: „Erst wird Sport gemacht, da bestehe ich drauf.“

Quelle: op-online.de

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