Eine Frage der richtigen Einstellung

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Das Babenhäuser Schwimmbad zog am Wochenende zur Abkühlung die Menschen reihenweise an.

Babenhausen - Sie waren für das vergangene Wochenende groß angekündigt: die Hundstage. Sie sollten Deutschland mit den bisher wärmsten Temperaturen des Jahres in die Knie zwingen. Heiß war vor allem der Samstag, danach kühlte es etwas ab. Von Michael Just

Wir haben uns im Schwimmbad, auf dem Sportplatz, in der Fußgängerzone und Kleingartenverein angeschaut, wie die Menschen mit der Hitze umgehen. Im Babenhäuser Freibad suchten am Wochenende viele hundert Menschen den Sprung ins erfrischende Nass. Trotzdem stellten die Besucher keinen neuen Rekord für 2013 auf. „Die größte Zahl an Gästen hatten wir im Juni, als es drei Tage lang besonders heiß war und danach der Sturm die Bäume abknicken ließ“, erzählt man am Kassenhäuschen – jedoch ohne genaue Zahlen zu nennen.

Auch wenn die Vermutung nahe liegt, dass die heißesten Tage des Jahres für das Aufsichtspersonal reichlich Stress bringen, ist das nicht so. „Ab einer gewissen Besucherzahl sind die Anforderungen an die Männer in weiß am Beckenrand eigentlich immer gleich“, sagt Kai Lenth (21), Fachangestellter für Bäderbetrieb vom Bäderservice Kahl. Da das Schwimmbad in der Ferienzeit bei Sonne immer relativ voll sei, gebe es zu den Hundstagen zwischen dem 23. Juli und dem 23. Augustkeine großen Unterschiede.

Ist der Himmel blau, sind vier Personen in Sachen Badeaufsicht im Einsatz. Jeweils drei decken feste Positionen ab, eine vierte ist Springer. Mit dem Schichtwechsel kommen insgesamt acht Mitarbeiter über den Tag verteilt am Beckenrand zum Einsatz. Laut Lenth bedeuten 35 Grad nicht mehr Stress als sonst: „Vor Ort sind die Baderegeln bestens bekannt. Man erzieht sich seine Gäste teilweise“, sagt er. So gebe es mit den Stammgästen eigentlich nie Probleme. Nur wenn am Wochenende viele Fremde da seien, müsste man manchmal ein paar Hinweise geben. Insgesamt bleibe aber fast immer alles im Rahmen. „Die Störenfriede sind wirklich Mangelware“, sagt er.

Im Stadtteil Hergershausen hörte man am Sonntag die Schiedsrichterpfeife vom Sportplatz. Die Kickers traten in einem Vorbereitungsspiel gegen den SC Viktoria Wiesbaden an. „Ist es nicht viel zu heiß, um hinter dem Ball herzulaufen?“, geht die Frage an Kickers-Trainer Siggi Kratz. Seine Antwort: Da in der nächsten Woche die Runde wieder losgehe, sei eben ein klein wenig Bewegung angesagt. Aufgrund des Wetters verlange er aber nicht, dass seine Kicker 100 Prozent geben: „Das Spiel darf dem Wetter angepasst sein.“ Gut findet Kratz, dass es bis in die Bundesliga mittlerweile Trinkpausen gibt. So wird nach rund 20 Minuten in der ersten sowie der zweiten Halbzeit das Spiel für den Griff zur Pulle kurz unterbrochen. „Das muss nur vor der Begegnung mit dem Schiedsrichter abgesprochen sein“, weiß der 52-Jährige.

In der Fußgängerzone sind mittags kaum Leute auszumachen. Falls doch, schlendern sie langsam und haben meist ein Eis in der Hand. Einige verzichten, wie sie sagen, auch auf zuviel Eis-Genuss an der Diele, da die Kugel mittlerweile auf 80 Cent angeklettert ist und das preislich nicht mehr im Rahmen sei. Für Irena und Marek Gojda wird die Babenhäuser „Bummelgass“ wegen der Temperaturen wirklich zum Bummelstraße. Der 37-Jährige arbeitet in Babenhausen, wohnt aber in der Stadtmitte von Offenbach. „Da haben wir keinen Balkon, dazu ist es ziemlich laut. Wenn man das Fenster nachts für kühle Luft auflässt, hört man, wie um 3 Uhr schon der Wochenmarkt aufgebaut wird“, sagt er.

Mit seiner Frau hat er deshalb die Flucht nach vorne angetreten. Die Wochenenden verbringt das Paar deshalb quasi als Camper auf dem Firmengelände von Mareks Chefs. Dort steht ein Wohnwagen, den das Paar benutzen darf. „Da haben wir Ruhe und alles was wir brauchen“, sagt es. Ein Pool mit sechs Kubikmeter Wasser liege genauso vor wie die Möglichkeit zum Grillen. „Grillen ist wichtig, bei diesem Wetter jeden Tag“, sagt Gojda.

Im Kleingartenverein hat Uwe Schittek trotz der drückenden Sonne die Harke in der Hand. Um die Erdbeeren herum lockert er die Erde auf. Sie wurde beim Gießen und Ernten festgetreten. „Wenn es Anfang dieser Woche wie angekündigt regnet, soll das Wasser ja versickern“, sagt der 54-Jährige. In diesen Tagen ist der Vorruheständler fast immer im Garten. Sein Vater hatte diesen schon, jetzt hat er ihn gepachtet und auch Enkel Philipp (9) fühlt sich darin wohl.

In der Babenhäuser Kleingartenkolonie ist Schittek in den 1960er Jahren aufgewachsen. Noch gut kann er sich an die spannenden Nächte erinnern, als er hier mit Freunden übernachten durfte. Stolze 530 Quadratmeter misst das Areal, das über Nutzgarten, eine Hütte mit Rasen davor, Mini-Teich und eine von Blättern überdachte Gartenlaube verfügt. Die anfallenden Arbeiten im Garten sieht Schittek trotz der hohen Temperaturen nicht als lästig an: „Ich komme dabei sogar zur Ruhe“, sagt er. Dazu hänge viel davon ab, wie man bei diesem Wetter an die Sache herangehe: „Mit einem Rhythmus von fünf Minuten arbeiten und einer halben Stunde Pause geht auch das ganz gut“, lautet seine überzeugende Formel.

Quelle: op-online.de

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