„Unpopulär, aber notwendig“

Babenhausen - Fürs Abwasser werden die Bürger tiefer in die Tasche greifen müssen. Wie bereits kurz berichtet, ist vorgesehen, dass die Gebühren von derzeit 2,24 Euro pro Kubikmeter auf 2,96 und der Obulus fürs Niederschlagswasser von 58 auf 70 Cent pro Quadratmeter angehoben werden. Von Stefan Scharkopf

Umgerechnet auf einen üblichen Haushalt bedeutet dies laut Eigenbetrieb eine monatliche Mehrbelastung von rund 2,50 Euro pro Person und Monat.

In der nächsten Sitzung der Stadtverordneten am 23. April steht die überarbeitete Entwässerungssatzung zur Abstimmung.

„Eigenbetrieb und Magistrat haben sich diesen Vorschlag nicht einfach gemacht, sehen aber keinen Spielraum angesichts der hohen Grundkosten und der gesetzlichen Vorgabe, kostendeckende Gebühren von den Nutzern zu erheben. Hierauf hat die Kommunalaufsicht nochmals ausdrücklich hingewiesen“, teilt Bürgermeisterin Gabi Coutandin in einer Stellungnahme mit.

Kosten für das Abwasser

Beim Thema Abwasser macht die Stadt folgende Rechnung auf: Insgesamt stellen die Fixkosten, die langfristig völlig unabhängig vom Abwasseranfall sind, mehr als 90 Prozent des Gesamtanteils dar. Allein die Kapitalkosten (Zinsen und Abschreibungen) verursachen einen Anteil von über 62 Prozent. Damit werden die vorhandenen Anlagen finanziert. Hinzu kommen Personalkosten, da die vorhandenen Anlagen wegen der gesetzlichen Vorgaben völlig unabhängig von der durchströmenden Abwassermenge betrieben werden müssen.

Zweiter Block sind die variablen Kosten. Dieses verändern sich abhängig von der eingeleiteten Abwassermenge. In Babenhausen haben sie eine Größenordnung von etwa neun Prozent. Dazu zählen z.B. die Aufwendungen für für Strom- und Chemikalienverbrauch der Kläranlage. Über fortschrittliche Steuerungstechniken werden die Parameter der Abwasseranlagen ständig an die fallende Menge angepasst. Insgesamt hat die Stadtentwässerung für 2009 jährliche Aufwendungen von rund 3,47 Millionen Euro berechnet. 

Babenhausen weist mit seinen fünf großzügig bebauten Ortsteilen eine für die Abwasserentsorgung ungünstige Situation auf. Hinzu kommt, dass die Ortsteile über lange Verbindungskanäle mit den zugehörigen Sonderbauwerken (Regenrückhaltebecken und Pumpwerke) angebunden sind. Dadurch weist Babenhausen für die Bevölkerungsanzahl von rund 17 000 Einwohnern eine ungewöhnlich lange Kanalisation von über 90 Kilometern auf. Die Situation der Stadt sei keinesfalls mit Großstädten zu vergleichen. Durch die komprimierte Bauweise würden dort die Abwässer einer großen Anzahl Menschen von einem relativ kleinen Kanalnetz entsorgt. Trotzdem bewegten sich die Gebühren in den letzten Jahrzehnten auf einem „verhältnismäßig geringen Niveau“. „Dies ist einzig auf die Tatsache zurückzuführen, dass die Kaserne mit mehreren tausend Soldaten und intensiven Sondereinleitungen (Panzerwaschstraße) sich über die Gebühr erheblich an den Kosten der Beseitigung beteiligten“,heißt es aus dem Rathaus. Durch den Abzug der Amerikaner hat sich die in die Kanalisation eingeleitete Abwassermenge um mehr als 30 Prozent verringert. Ein weiterer, wenn auch sicherlich geringerer Rückgang, ergibt sich durch den zunehmenden Einsatz Wasser sparender Geräte in den Haushalten.

Über 90 Prozent der Kosten des Gebührenhaushaltes der Stadtentwässerung seien völlig unabhängig von der eingeleiteten Abwassermenge (Fixkosten), auch am variablen Kostenanteil kaum Einsparungen möglich. Die hier erzielten Einsparungen würden aber größtenteils durch Preiserhöhungen (Strom, Gas) der letzten Jahre neutralisiert.

„Insgesamt kann der Gebührenhaushalt der Stadtentwässerung den Ausfall von Leistungseinheiten in dieser Größenordnung nur durch eine Erhöhung der Abwassergebühren ausgleichen. Ohne diese notwendige Anhebung würde 2009 ein Verlust von rund 587 000 Euro entstehen“,so Coutandin.

Die Stadtverwaltung hofft, dass bei den Bürgern dieser „unpopuläre, aber notwendige Schritt“ auf angemessenes Verständnis trifft. Nur so könne auch in Zukunft die Stadtentwässerung eine umweltgerechte Ableitung und Entsorgung der Abwässer garantieren, und die „dringend notwendige Sanierung des maroden Kanalsystems fortführen“.

Vielleicht gelinge es in Zukunft, durch Ansiedlungen auf dem ehemaligen Kasernengelände wieder Mehreinnahmen zu erzielen - diese würden der Bevölkerung in Form von Gebührensenkungen dann weiter gegeben.

Quelle: op-online.de

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