Babenhäuser aus dem Unterallgäu sorgen beim Sommernachtsfest der Feuerwehr für viel Heiterkeit

„Unsere Gläser sind größer“

Zu groß? Ach was, in eine echte Feuerwehruniform schlüpft man schließlich nicht jeden Tag.

Babenhausen - Manchmal sieht man vor lauter Bäumen den Wald nicht. Beim Sommernachtsfest der Freiwilligen Feuerwehr fielen unzählige T-Shirts und Polohemden mit der Aufschrift „Feuerwehr Babenhausen“ auf. Mal war die Schrift in silber, dann wieder in rot und weiß. Von Michael Just

„Die lokalen Blauröcke müssen schon einen riesigen Zuspruch haben“, dachte sich so mancher Zeitgenosse. Doch die Lösung war anders gelagert: „In Deutschland gibt es noch zwei weitere Babenhausen. Einmal in Schwaben und ein Stadtteil von Bielefeld“, klärt Heinrich Siebenschuh, Vorsitzender des Feuerwehrvereins „Babenhausen an der Gersprenz“, auf.

Bereits seit 1975 bestehen enge Kontakte zur und ein reger Austausch mit der bayerischen Marktgemeinde Babenhausen, die ebenfalls reichlich Pferde vorweisen kann und dafür schon Auszeichnungen erhielt. Die Männer aus dem Unterallgäu kommen nicht nur zum Feuerwehr-, sondern auch zum Altstadtfest, der Gegenbesuch steht in der Regel zum Gallusmarkt am 3. Oktober an.

„Größer als eine Gemeinde, aber kleiner als eine Stadt“, so beschreibt Heinrich Nieder den Status des „anderen“ Babenhausens. Mit 5 500 Einwohnern sei man auch deutlich kleiner als der hessische Namensvetter, weise aber einen ähnlichen Fuhrpark vor: „Das rührt daher, dass wir als Verwaltungsgemeinschaft einen ziemlich großen Einzugsbereich abdecken.“ Als Feuerwehrmann trug Nieder bis vor Kurzem den Titel eines Kommandanten – ein Ausdruck, den man 320 Kilometer weiter nördlich nicht kennt.

„Wir pflegen in erster Linie die Partnerschaft und die Freundschaft“, betont Siebenschuh. Das wurde am Samstagmorgen beim Aufbau deutlich, als die Schwaben ihre Kollegen mit einem Weißwurstfrühstück überraschten. Am Nachmittag schauten sich die Gäste, wie sie sagten, den „Frankfurter Flugplatz“ an. Wie beim Ausdruck „Kommandant“ zeigte sich auch hier der andere Sprachgebrauch, denn den zweitgrößten Flughafen Europas als „Flugplatz“ zu bezeichnen, rief gleich mehrfach ein Schmunzeln hervor.

Am Sonntag stand dann noch ein Abstecher ins Schwimmbad auf dem Programm: „Wir haben von eurem Schiff gehört und deshalb extra die Badehosen eingepackt“, hieß es vonseiten der 15-köpfigen Gruppe. Doch davor stand erstmal die Geselligkeit auf dem Sommernachtsfest an, zu dem die Schwaben nach ihrem „Flugplatzbesuch“ froh gestimmt einliefen. Hier tat sich noch ein weiterer Unterschied auf: „Bei uns sind die Gläser größer“, sagte ein Kamerad, wohl darauf bezogen, dass man in Bayern mit Maßkrügen hantiert.

Durstig gingen aber weder sie noch die vielen anderen Gäste nach Hause. Die Sonnenstunden am Samstagnachmittag sorgten dafür, dass sich das Fest eines großen Zuspruchs erfreute. So ließ es sich auf dem geschützten Feuerwehrplatz gut sitzen. Zudem hatte sich herumgesprochen, dass die Feuerwehrküche gutes Essen auftischt. Auch an musikalischer Unterhaltung mangelte es nicht: Das Metronom-Quartett mit seinen beiden attraktiven Sängerinnen ist im Feuerwehrkreis bereits bestens bekannt.

Die Sommernacht nutzte – wie die Jahre zuvor – die Jugendwehr um kräftig die Werbetrommel in eigener Sache zu rühren. Es gab Infos zu den Aktivitäten in den Stadtteilen. Dazu nahm sich der Nachwuchs ausgiebig Zeit, die Autos zu erklären. In den Einsatzfahrzeugen durfte alles angeschaut und vieles ausprobiert werden. Zwei Hüpfburgen, davon eine aus Stroh, rundeten das einladende und von jungen Familien gern genutzte Angebot ab.

Bereits seit Donnerstag liefen die vielfältigen Aufbauarbeiten mit Zelten und Garnituren, die bei voller Auslastung knapp unter tausend Personen Platz bieten können. Eine besondere Herausforderung ist es stets, den Stützpunkt bis Sonntagnachmittag wieder „picobello“ zu verlassen. Wobei der disziplinierte Arbeitseinsatz am frühen Sonntagmorgen schon deshalb bemerkenswert ist, weil sich die Bar am Vorabend immer eines langen Zuspruchs erfreut.

Übrigens, dass die Babenhäuser Blauröcke ausgezeichnete Kontakte pflegen, bewiesen neben den Gästen aus Schwaben auch noch die Feuerwehrleute aus Gänheim im Landkreis Main-Spessart. Auch sie hatten mit „Gänheim“ eine Aufschrift auf ihrer Montur – und stellten damit einen durchaus gelungenen Kontrast zu der Übermacht an Babenhäuser Blauröcken dar.

Quelle: op-online.de

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