„Unsoziale Haltung bei Schülerbeförderung“

Babenhausen (st) - Für das laufende Schuljahr hat der Landkreis die Modalitäten für das „MobiTick“ geändert - und sich damit Kritik von Eltern und Stadtverordneten eingehandelt. Von Stefan Scharkopf

Anspruch auf ein „MobiTick“ haben Grundschüler, die mehr als zwei Kilometer und Kinder, die mehr als drei Kilometer von einer weiterführenden Schule entfernt wohnen. Auch Lehrlinge können ein solches Ticket beantragen.

Bisher war es so, dass der Landkreis als Schulträger die Fahrscheine bei der Darmstädter Nahverkehrsgesellschaft gekauft und dann an die Schulen verteilt hat. Die Praxis hat der Kreis geändert, unter anderem wegen Missbrauchs der Tickets.

Jetzt müssen Eltern die an sich kostenlosen Fahrscheine vorfinanzieren, erhalten aber das Geld je Halbjahr zurück.

Mit dieser Praxis zeigen sich auch Babenhausens Stadtverordnete nicht einverstanden. Auf Antrag der SPD-Fraktion stimmte das Parlament einstimmig zu, die Vergabepraxis wieder zu ändern.

Wie Maria Steinmetz-Hesselbach (SPD) sagte, seien so manche Erziehungsberechtigten finanziell nicht in der Lage, die rund 23 Euro pro Monat und Kind im Voraus zu bezahlen. Die Eltern müssten dann sehen, wie ihre Sprösslinge zur Schule kommen. Einige Kinder sollen im Bus nicht mitgenommen worden, weil sie keine Fahrkarte hatten und an der Haltestelle zurück blieben. Gerade in Babenhausen lebten viele Eltern, die mit der Vorfinanzierung Schwierigkeiten hätten. „Wir wollen, dass hier mehr Wert auf soziale Gerechtigkeit gelegt wird“, so die Sozialdemokratin. Ob die Kreisverwaltung mit diesem System wirklich Geld einspart, stellt Steinmetz-Hesselbach in Frage. Die Bearbeitung der Anträge bedeute mehr Bürokratie und binde mehr Arbeitskraft.

Die Stadt Babenhausen zahle in diesem Jahr rund acht Millionen Euro an Kreis- und Schulumlage, die auch die Kosten der Schülerbeförderung enthält. Steinmetz-Hesselbach fragte sich, ob hier der Kreis durch die Vorauszahlungen nicht an ein zinsloses Darlehen komme. Ein Stempel im Stempel vom Sekretariat im Schülerausweis würde den Inhaber zur Beförderung im ÖPNV berechtigen. „Wer ja sagt zum Kind, darf nicht bestraft werden.“

Heidrun Koch-Vollbracht (CDU) wusste von einer Mutter zu berichten, die für ihre fünf Kinder in Vorleistung treten müsse. Das sei eine zu hohe Belastung.

Für die „Bürger von Babenhausen“ sah Ingrid Schumacher gar einen Interessenskonflikt von Bürgermeisterin Gabi Coutandin, die auch für die SPD im Kreistag sitzt. Schließlich hätten SPD und Grüne diesen Beschluss herbeigeführt.

Coutandin wiederum wies dies zurück: „Der Beschluss ist unsozial und ungerecht. Ich sehe da überhaupt keinen Interessenskonflikt.“ Sie werde in ihrer Fraktion daran arbeiten, dass die Praxis revidiert wird.

Quelle: op-online.de

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