Unterschlupf bei den Senioren

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Zwei Wohnungen im Erdgeschoss stehen den Kindern, hier mit Kindergartenleiterin Alexandra Spielmann, zur Verfügung - und ein großes Außengelände.

Harreshausen ‐ Im weitläufigen Parkgelände flitzen die Jungs und Mädels auf ihren Rollern, drehen Runde um Runde. Manche ruhen auf einer der Bänke aus oder beobachten Hasen in ihrem Freigehege. Von Stefan Scharkopf

Als Zuschauer haben die Kinder dabei oft Erwachsene, die ihre Großelten oder Urgroßeltern sein könnten. Grund: Der Harreshäuser Kindergarten „Wuselkiste“ ist in das Seniorenzentrum Bethesda umgezogen.

Am alten Standort wird renoviert, und der Kindergarten ist monatelang eine Baustelle. Wände und Decken werden wärmeisoliert, Heizung und Küche erneuert. Die Innenräume bekommen einen Schallschutz. Rund 500.000 Euro investiert die Stadt derzeit, um die „Wuselkiste“ zu sanieren und ab Sommer mit erweiterten Öffnungszeiten für Mädchen und Jungen ab zwei Jahren neu zu öffnen. Über 30 Kindergartenkinder wuseln derzeit als Untermieter durchs Seniorenzentrum Bethesda.

Vor dem Umzug zu Jahresbeginn wurden drei Objekte als mögliche Ausweichquartiere in Augenschein genommen. Elternschaft, Stadt, der Arbeiter-Samariter-Bund als Träger der Kindergärten und Tom Best, Geschäftsführer von Bethesda, sind auf die Räumlichkeiten im Seniorenzentrum gekommen. Eltern und Bewohner wurden über die Idee informiert - und alle fanden es gut.

Sicherheitsvorkehrungen vor dem Einzug

In Bethesda wurden zwei Appartementwohnungen bezogen, eine stand leer, in der benachbarten lebte ein Mann, der sein Domizil für die Übergangsphase extra freigemacht hat. Jetzt stehen den Kleinen etwa 100 Quadratmeter zur Verfügung. Wenn die „Wuselkiste“ an ihren alten Standort zurückgekehrt ist, werden die beiden Wohnungen renoviert und der Mann kann wieder einziehen.

Die Wochen vor Weihnachten waren geprägt vom Umzug. Kisten packen, Regale ausräumen, Spielsachen sortieren. Bauhofmitarbeiter haben Möbel montiert und die Kleinen waren nach Kräften dabei. Vor dem Umzug nach Bethesda hatte das Kreisjugendamt noch Wünsche geäußert. So wurden Splitterschutzfolien auf die Fenster geklebt, die Steckdosen kindersicher gemacht und die Teiche im Garten mit einem stabilen Eisengeflecht abgedeckt.

Kindergarten-Leiterin Alexandra Spielmann weiß nur Gutes über den Kontakt von Alt und Jung zu berichten. „Die Senioren freuen sich auf die Kinder, es gibt sogar etwas weniger mobile Bewohner, die haben sich die Vorhänge entfernen lassen, um sehen zu können, wie die Kinder spielen. Wenn die Kleinen an den zwei Projekt-Nachmittagen im Wald oder in der Sporthalle sind, fragen die Senioren schon nach, wohin sie gegangen sind“, bestätigt Stellvertreterin Sonja Matschke.

Senioren lesen den Kindern vor

Es gibt unter den älteren Herrschaften auch welche, die den Kinder gerne etwas vorlesen. Einschränken müssen sich die Mädchen und Jungen nicht, sie können ihren natürlichen Bewegungsdrang ausleben. Allerdings sind sie angehalten, die Mittagsruhe einzuhalten. „Aber eine Ruhephase gab es am alten Standort ja auch“, sagt Spielmann.

Die kleine Emma findet es jedenfalls schön in ihrem neuen Refugium. Besonders haben es ihr die schön eingeräumten Regale angetan.

Wenn die „Wuselkiste“ wieder zurückgekehrt ist, wird aus der Einrichtung eine Ganztagesstätte (7 bis 16.30 Uhr) mit einer flexiblen Betreuungszeit. Zusätzlich zur Kernzeit von 7.30 bis 13.30 Uhr (für U-3-Kinder sind es sieben Stunden) können Eltern weitere Stunden dazukaufen.

Zum Team der Wuselkiste gehören fünf Erzieherinnen, die nicht alle in Vollzeit arbeiten, und einen jungen Mann, der sein Freiwilliges Soziales Jahr macht. Wie Martina Barz, Bereichsleiterin Kinderbetreuungseinrichtungen des ASB, sagt, sei der Fachkräftemangel auch in Babenhausen angekommen. Die „Wuselkiste“ sei gut versorgt, aber an anderen Kitas in Babenhausen und den Stadtteilen fehlten mancherorts bis zu zwei Kräfte.

Quelle: op-online.de

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