„Unterstützendes Umfeld für Conti“

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SPD-Generalsekretär Michael Roth besuchte Babenhausen. Er sprach mit Bürgermeisterin Gabi Coutandin und Betriebsräten von Continental.

Babenhausen - „Für Opel produzieren wir derzeit im Gegensatz zu früher gar nichts mehr. Deren Produkte waren in Babenhausen preislich nicht mehr machbar. Diese Aufträge gingen an andere Firmen oder an unser rumänisches Tochterunternehmen“, sagte Wigand Kollmann vom Continental-Betriebsrat über die Opel-Krise. Von Michael Just

Am Freitag traf der Generalsekretär der Hessen-SPD, Michael Roth, mit zwei Betriebsräten des größten Arbeitgebers der Stadt im Heinrich-Klein-Haus der SPD zusammen, um sich ein Bild über die Lage des Autozulieferers zu machen. Wie Kollmann informierte, sinken seit geraumer Zeit die Aufträge im Unternehmen für neue Produkte: „Durch den Weltmarkt ist die Konkurrenz gewachsen, und die Unternehmensführung hat nach der EU-Osterweiterung systematisch neue Kapazitäten in Billiglohnländern aufgebaut.“ Dass ein geforderter Standortsicherungsvertrag der Belegschaft hilft, sieht Kollmanns Kollegin Gülseren Sahm differenziert: „Was nützt ein Standort ohne Menschen? Eine Beschäftigungssicherung mit einem festen Volumen an Arbeitnehmern wäre mir lieber.“ Laut Kollmann habe man für einen Standortvertrag von Konzernseite bisher kein tragfähiges Konzept erhalten. „Wir entscheiden Produkt für Produkt“, zitiert er dazu die Chefetage und deren Vorgabe, dass man dafür von Arbeitnehmerseite erst mit einem Einsparpotenzial in Vorleistung treten müsse.

Wir werden für einen Standortvertrag nicht unsere Tarifabschlüsse hergeben“, machte Sahm klar. „Wir können nicht für den Preis von Leiharbeitern für sieben Euro die Stunde arbeiten.“ In anderen Firmen habe man bereits Einbußen hingenommen und der Standort sei trotzdem zugemacht worden. Für Kollmann macht ein Standortvertrag nur dann Sinn, wenn man es schafft, für alle Conti-Standorte in Deutschland eine festgeschriebene Zukunftsperspektive zu vereinbaren.

Deutliche Kritik hatten die beiden Betriebsräte für die neuen Arbeitsmarktreformen übrig: „Das Befristungs- oder Leiharbeiter-Arbeitnehmer-Überlassungsgesetz bedeutet auch bei Conti Festangestellte raus und Leiharbeiter rein.“ Über 250 Leiharbeiter hätte man gehabt, die mit 800 Euro im Monat nach Hause gingen. Die seien jetzt in der Krise - bis auf 15 - alle arbeitslos. Der Trend werde sich nach Meinung Sahms fortsetzen, dass immer mehr Menschen ohne feste Betriebszugehörigkeit und damit ohne weiterführende Sozialleistungen beschäftigt werden. Derzeit lägen in Babenhausen bereits Pläne in der Schublade, dass bis 2012 371 Mitarbeiter vom Stammpersonal - wenn auch sozialverträglich - abgebaut werden sollen.

Dass man mit dem heutigen Treffen viel bewirken kann, sieht Kollmann skeptisch: „Natürlich wollen wir die Unterstützung der Politiker. Andererseits sind wir auch realistisch genug, dass die Politik in unserem Fall nicht den Kurswechsel einer Firma verändern kann.“

Laut Bürgermeisterin Gabi Coutandin möchte man aber trotzdem von Seiten der Stadt nichts unversucht lassen, etwa über Rahmenbedingungen den Conti-Beschäftigten ein unterstützendes Arbeitsumfeld zu geben. Das könne beispielsweise bei der Kinderbetreuung erfolgen. Auch bot die Rathauschefin bei Problemen die Rolle als Mittler zwischen Betriebsleitung und Betriebsrat an.

Wie Michael Roth zum Treffen sagte, werde er sich für eine Änderung bei den Leiharbeitergesetzen einsetzen, die offenbar  viele Firmen missbrauchten. Der Senkung der Unternehmenssteuer, um damit den Wettbewerbsvorteil östlicher EU-Länder abzuschaffen, gab der Politiker eine Absage: „Der Staat kann sich dann für Kindergärten, Schulen oder Krankenhäuser nichts mehr leisten.“

Quelle: op-online.de

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