Unterwegs für Kambodschas Kinder

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Die Sternsinger von St. Josef erfreuen mit ihren Liedern und bunten Kostümen die Menschen, die sie besuchen, wie hier das Ehepaar Gotta in Langstadt. Ganz rechts im Bild ist die Gemeindereferentin Claudia Czernek.

Babenhausen ‐ Die Nähmaschine im Pfarrzentrum von St. Josef ratterte in den vergangenen Tagen unaufhörlich. „Bis jetzt gab es nur Umhänge, die während der Tour auf den Rücken rutschten. Von Michael Just

Von vorne sah man dann nur noch Anoraks, was nicht mehr ganz im Sinne des Erfinders war“, erzählt Gemeindereferentin Claudia Czernek. Dass dies alles andere als zum Bild der Sternsinger passt, wenn diese ihren Neujahrssegen bringen und dabei das traditionelle „20*C+M+B*11“ auf die Haustüren schreiben, versteht sich von selbst. Deshalb hatte Gemeindemitglied Annemarie Maier mit viel Engagement schon lange vor Weihnachten angefangen, Untergewänder zu nähen. Des weiteren wurden die unpraktischen Kragen an den Oberteilen abgeändert.

So hieß es am Dienstag für die Sternsinger in spe erstmal neben der Nähmaschine und vielen bunten Fadenröllchen anzustehen, auf dass die Gewänder auf die passende Länge umgenäht werden konnten. Gearbeitet wurde in zwei Gruppen: Um 15 Uhr waren die Kinder aus der Kernstadt dran, um 16 Uhr die aus den Stadtteilen. Auch wenn die passionierte Schneiderin die Gewänder für die Könige und Sternträger ein wenig vorsortiert hatte, kam sie nicht ganz an diversen Wünschen und Geschmäckern vorbei. Zum Schluss passte dann aber doch alles oder wurde passend gemacht. Im Anschluss ging es weiter mit der Gruppenbildung. Dabei mussten Wohngebiete und Freundschaften berücksichtigt werden.

Insgesamt 32 Kinder in acht Gruppen unterwegs

Nur das Einsingen der Lieder kam etwas zu kurz: Daran war kurz gesagt bei diesem Trubel nicht zu denken. „Zum Glück gehen viele nicht das erste Mal mit und kennen die Lieder“, so Czernek optimistisch. Gekommen waren auch die Gruppenleiter aus den einzelnen Stadtteilen, die Kreide, Aufkleber, Sammelbüchse oder die Adressenlisten mitnahmen, um die Aktion eigenständig durchführen zu können.

Am Mittwoch wurde das erste Mal gelaufen, bis Sonntag sind in Babenhausen insgesamt 32 Kinder in acht Gruppen unterwegs. Das Alter rangiert von fünf bis 15 Jahre. 2011 heißt das Motto „Kinder zeigen Stärke“ und die Spenden sind schwerpunktmäßig für Kambodscha bestimmt. Im Vorfeld hatte der Nachwuchs bereits einen Film über das südostasiatische Land geschaut, um zu wissen, für wen und was gesammelt wird. 30 Jahre herrschte in Kambodscha ein Krieg, durch dessen Landminen viele Kinder Arme oder Beine verloren. Über die Botschaft des Films zeigt sich Czernek begeistert: „Da haben behinderte Kinder mit Krücken und oder sogar auf allen Vieren Fußball gespielt. Es war für uns alle äußerst bewegend, wie fröhlich diese in unseren Augen armen Kinder ihre Lebenssituation meistern.“

Nicht verändert hat sich der Segen

Für die Gemeindereferentin (Jahrgang 1961), die die Kinder in Babenhausen und Langstadt begleitet, ist die Sternsinger-Aktion jedes Mal mit einer Reise in die eigene Kindheit verbunden. Seit ihrem achten Lebensjahr ist sie bereits in verschiedenen Funktionen mit von der Partie, wenn Kinder Kindern helfen. Wer genau hinsieht erkennt, dass im Gehäuse des großen Sterns, der von Haus zu Haus getragen wird, eine kleine Glühlampe brennt. Die ist am Trägerstab mit einer kleinen Batterie samt An- und Aus-Knipser verbunden. „Das ist ein Steckenpferd aus meiner Kindheit, als im Stern noch eine Kerze leuchtete“, erzählt Czernek. Zu ihrem Bedauern gibt es das aber heutzutage aus Sicherheitsgründen nicht mehr, genauso wie das Weihrauchfass, auf das verzichtet wird, nachdem es einmal kleinere Brandflecken auf einem Teppich verursachte.

Nicht verändert hat sich der Segen, den die Sternsinger in die Häuser tragen. Die Gemeindereferentin sieht darin den eigentlichen Schwerpunkt der Sternsinger-Aktion, hinter der das Kindermissionswerk in Aachen steht. Wie sie sagt, würden viele Menschen lediglich das Sammeln von Spenden mit den Kindern in ihren Königsgewändern verbinden. Das werde nicht zuletzt dadurch begünstigt, dass die Nachrichten heutzutage das Leid aus aller Welt „frei Haus“ schicken. „Wir haben auch eine frohe Botschaft“, hebt Czernek heraus. So ist es für sie wichtig, dass der Segen gleichbedeutend neben oder sogar noch über der Sammelbüchse steht.

Quelle: op-online.de

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