Lyrische Vorträge harmonieren mit Musik

Flöten- und Harfenklang zur Rezitation

+
Barbara Ding begeisterte bei Herigar mit ihrer Harfe.

Hergershausen - „Poesie und Klang“ begeisterten das Publikum in der Alten Schule bei der gleichnamigen, vom Verein Herigar organisierten Veranstaltung. Von Petra Grimm 

Von Uwe Friedrich vorgetragene Gedichte im Wechsel mit passenden Musikstücken, die von Renata und Barbara Ding mit verschiedenen Flöten und der Harfe interpretiert wurden, sorgten für Gänsehautmomente und entspannte Heiterkeit. Mit teilweise geschlossenen Augen ließen sich die Zuhörer berühren von den lyrischen und musikalischen Vorträgen, die sich nicht nur wunderbar ergänzten, sondern in ihrer Wirkung sogar verstärkten. Die fruchtbare, künstlerische Zusammenarbeit zwischen der Hergershäuser Musikpädagogin Renata Ding und dem Babenhäuser Rechtsanwalt und Rezitator Uwe Friedrich hatte bei den städtischen Kunst- und Kulturtagen im vergangenen Sommer ihre Premiere, fand eine Fortsetzung im November bei einer Veranstaltung des Babenhäuser Wanderklubs und wurde am Freitagabend bereichert durch Barbara Ding. Die in Seligenstadt lebende Tochter von Renata Ding, die wie ihre Mutter hervorragend die unterschiedlichsten Flöten spielt, hatte zur Freude des Publikums auch ihre Konzertharfe mitgebracht, der sie wunderbare Klänge entlockte.

Uwe Friedrich kommt ohne große Gesten aus.

„Wir bemühen uns mit unseren Musikstücken, zu den darauf folgenden Gedichten hinzuführen“, sagte Renata Ding, die nicht nur ihren drei eigenen Kindern, sondern Generationen von kleinen Hergershäusern „die Flötentöne beigebracht hat“. Gemeinsam mit ihrer Tochter Barbara zeigte sie das breite Spektrum von Flötenmusik und vermittelte gleichzeitig ein bisschen Instrumentenkunde. Die Klänge traditioneller englischer und irischer Volksliedern, ebenso wie Debussy´s „Syrinx“, „The Rose“ von Amanda McBroom, „Original Rag“ von Scott Joplin, „On a Winters´s Night“ von Emma Coulthard und weitere Stücke aus verschiedenen Jahrhunderten erfüllten die alte Dorfschule.

Seit dem Jahr 2011 tritt Uwe Friedrich, der sich bereits in seiner Jugend zu Literatur und Theater hingezogen fühlte, regelmäßig mit der Rezitation von Gedichten auf. Ein interessiertes Publikum findet er dabei auch außerhalb von Babenhausen. Friedrich achtet bei seinem Vortragsstil darauf, dass der Zuhörer nicht überrumpelt wird. Er lässt den Worten und Sätzen die Zeit sich zu setzen. Auf theatralische Mimik verzichtet er ganz. Gefragt nach seinem persönlichen Favoriten, nennt er die Dichter der Romantik, und unter ihnen vor allem Joseph von Eichendorff. So verwunderte es nicht, dass dessen 1837 erstmals veröffentlichtes Gedicht „Mondnacht“ zu hören war. „Es war, als hätt´ der Himmel die Erde still geküsst, dass sie im Blütenschimmer von ihm nun träumen müsst´“, so die erste Strophe des bekannten Werks der Spätromantik. Dass es sich auch unter den Zuhörern in der Alten Schule großer Beliebtheit erfreut, war an den Minen und einem leisen Seufzen im Raum wahrnehmbar.

Barbara und Renata Ding erfreuten das Publikum zwischen den Gedichtvorträgen mit ihren Flötenspiel.

Aber es waren nicht nur bekannte Klassiker der deutschen Dichtkunst, wie Theodor Storm, Heinrich Heine, Rainer Maria Rilke, Hermann Hesse oder Bertolt Brecht, die Friedrich vor gut 60 Zuhörern rezitierte. Auch moderne und zeitgenössische Autoren, darunter Sarah Kirsch, Günter Grass oder Wolf Biermann kamen zu Wort. „Ich freue mich immer, wenn ich neue Autoren entdecke und sie in mein Repertoire aufnehmen kann“, sagte Friedrich. So stellte er dem Publikum den 1971 geborene Jan Wagner, den Büchner-Preisträger des vergangenen Jahres, mit seinen beiden Gedichten „kohlen“ und „eule“ vor. Tucholskys „Mutterns Hände“ trug er mit Berliner Zungenschlag vor.

In vier Themenblöcken –„Von der Natur“, „Von der Mutterliebe“, „Von Liebe und Leben“ und „Von Tieren“ – bot er, mit Zugaben, insgesamt 24 Gedichte von 17 verschiedenen Autoren. Es war nur ein Bruchteil seines Repertoires, das aus über 200 Werken besteht, von denen er viele auswendig kann. Er lernt sie am liebsten bei Waldspaziergängen, wie er im Gespräch verrät.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare