SV Germania sucht bei außerordentlicher Versammlung nach Strategie

Verein kämpft ums Überleben

Hauptfeld und Laufbahn am „Ostheimer Hang“, den inzwischen die Stadt pflegt. Germania-Vorstandsmitglied Antonio Coppolecchia nennt den Zustand „traurig“ und beklagt Mäuselöcher und Mäusekot. Foto: DÖRR

Babenhausen – Nächste Runde im Überlebenskampf des traditionsreichen, in der Gegenwart aber arg gebeutelten SV Germania Babenhausen: Weil der 107 Jahre alte Sportverein, letzter verbliebener Fußball-Verein in der Kernstadt, bei seiner einzuberufenden turnusmäßigen Mitgliederversammlung samt Vorstandswahlen ein Fiasko fürchtet, wendet er einen Kniff an. VON JENS DÖRR

Nach den Sommerferien will die Germania ihre wenigen verbliebenen Getreuen zu einer (noch nicht exakt terminierten) außerordentlichen Mitgliederversammlung rufen, um die nähere Zukunft zu besprechen. .

Denn wenn der Status quo alles sein soll, bräuchte es den Verein streng genommen nicht mehr: Das Vereinsleben der Germania beschränkt sich seit einem Jahr auf den Männer-Fußball, der in einer Spielgemeinschaft mit dem TSV Langstadt aufrechterhalten wird. Trainiert und gespielt wird ausschließlich im Stadtteil; Jugendteams existieren nicht mehr, eigene Veranstaltungen wie die Herbstturniere und der Indoor-Cup (beide für Junioren) fanden ebenfalls nicht mehr statt. Aus dem Stadion „Am Ostheimer Hang“ ist die Germania raus, weil sie sich mit der Stadt nicht auf die (vor allem finanziellen) Bedingungen einigen konnte (wir berichteten). Den ein paar Meter vom „Ostheimer Hang“ entfernt gelegenen Sportplatz „Im Riemen“ hat der Verein weiter für kleines Geld von der Stadt gepachtet und pflegt ihn selbst, benötigt ihn ohne eigene Jugendarbeit aber nicht.

Wohin geht also die Reise des Vereins, den im Babenhäuser Fußball in Zeiten, da die Germania sogar ihre Website offline gestellt hat, einige schon totsagen? Antonio Coppolecchia, einer der wenigen verbliebenen Aktivisten, schwankt zwischen Verärgerung aufs Rathaus sowie der Hoffnung auf eine bessere Zukunft: „Unser Verein besteht weiter, und wir würden vor allem gern auch wieder Jugendarbeit betreiben.“

Denn wo gebe es das in der Region sonst noch, fragt Coppolecchia rhetorisch. In einem 9 000-Einwohner-Ort (so groß ist die Kernstadt Babenhausen ohne ihre fünf Stadtteile, die zusammen noch einmal rund 7 000 Einwohner beheimaten) sollte es keine Möglichkeit gebe, im Verein Fußball zu spielen? „Man ist sich bei der Stadt gar nicht bewusst, was sie damit angerichtet hat, uns den Pflegevertrag am Ostheimer Hang zu kündigen und uns durch überzogene Vorstellungen für einen neuen Pachtvertrag wegzuekeln“, meint das Vorstandsmitglied.

Zwar brächten einige Babenhäuser ihre Kinder zum Kicken nun in die Stadtteile: „Aber wem, der seinen Nachwuchs zum Beispiel im Berufsverkehr über die B26 nach Hergershausen bringt, macht es schon Spaß, im Stau zu stehen? Zu uns könnten die Kinder selbst zu Fuß oder mit dem Rad kommen.“

Coppolecchia kritisiert außerdem, dass die Stadt den Ostheimer Hang wesentlich schlechter pflege, als es die Germania getan habe. „Da sind überall Mäuselöcher und Mäusekot, es wird nicht gemäht und Grünschnitt gemacht, der Zustand ist nur traurig.“ Ein Vorwurf, den Bürgermeister Achim Knoke (SPD) so nicht ganz stehen lassen will: „Wir halten den Zustand für den Schulsport, der den Ostheimer Hang noch betrieben wird, für tragbar“, sagt der Rathaus-Chef. „Es ist jetzt aber natürlich was anderes, als wenn dort dreimal pro Woche Fußball gespielt wird.“

Mit Blick auf die von der Stadt angedrohte Zwangsräumung des Ostheimer Hangs, wo der Sportverein noch Equipment untergebracht hat, sagt Knoke: „Wir wollen der Germania nichts Böses und das vernünftig lösen. Wir müssen mit dem Thema aber mal zu einem finalen Status kommen.“ Knokes Plan: „Ich suche eine Lösung, der Germania weiteren Stauraum im ,Riemen’ zu geben. Dann kann der Verein den Ostheimer Hang räumen.“ Einige Bauten dort seien reif für den Abriss, „eine Abrissgenehmigung setzt aber die Räumung voraus“. Mehrere Fristen hatte die Germania im Frühjahr verstreichen lassen.

Eine Rückkehr zur alten Lösung – die Germania als Pächter, Nutzer und Pfleger des „Ostheimer Hangs“ – hält Achim Knoke nach langem Streit für „unrealistisch: Schließlich haben wir keinen Kompromiss gefunden, der für beide Seiten finanziell tragbar ist.“

Auf der außerordentlichen Germania-Versammlung dürfte die Rückkehr ins Stadion dennoch thematisiert werden: Dort gibt es im Gegensatz zum „Riemen“ Kabinen und Sanitäranlagen – und eine (inzwischen leer stehende und von der Stadt wegen Sanierungsbedarf geschlossene) Gaststätte, die durch die Pachteinnahmen lange zum wirtschaftlichen Auskommen des Vereins beigetragen hatte.

Warum aber der Trick mit der außerordentlichen Versammlung anstatt satzungsgemäß zur ordentlichen einzuladen? Coppolecchia: „Auf der ordentlichen Versammlung müssten wir die Neuwahlen des Vorstands auf die Tagesordnung setzen. Wegen der jetzigen unklaren Lage, in der kaum jemand Verantwortung übernehmen will, wären wir schon bei Punkt zwei – Wahl eines Wahlleiters – am Ende.“

Quelle: op-online.de

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