Verein mit viel Frauenpower

Sickenhofen - 100 Jahre - auf dieses Jubiläum kann in diesem Jahr der TV Sickenhofen blicken. Heute begeht man den großen Geburtstag in der Mehrzweckhalle mit einer akademischen Feier und zahlreichen Ehrengästen. Bei einem Interview hat die OFFENBACH POST mit der Vorsitzenden Hanna Cordier einen Blick zurück und in die Zukunft geworfen. Unser Mitarbeiter Michael Just hat mir ihr gesprochen.

Ihre Festschrift wartet zum Teil mit einem amüsanten Blick in die Geschichte auf.

Ja, das stimmt. Darunter ist eine Meldung in den Anfangsjahren, die besagt, dass es keinen Strom gab. Der Verein hat dann dem Gastwirt Jakob Stumb zur Beschaffung von Licht für die abendlichen Turnstunden den Ankauf von einem Kilo Karbid auf Vereinskosten genehmigt. Ebenso interessant ist, dass der TV zuerst ein reiner Männerverein war und die ersten Frauen erst 1924 beitraten oder beitreten durften. Turnerinnen ab 17 Jahre bezahlten 50 Pfennige monatlich, Mädchen entrichteten 25 Pfennige.

Die Geschichte des TV Sickenhofen hebt sich deutlich von der anderer Vereine ab.

Unsere Historie ist wirklich ungewöhnlich. Mitte der fünfziger Jahre lag der Verein plötzlich brach und sämtliche Aktivitäten versiegten. Der Grund war wohl der, dass 1958 der SV Sickenhofen gegründet wurde und viele zum Fußballspielen in den neuen Verein wechselten. Der TV existierte fortan nur noch auf dem Papier. 1974 sagten die Frauen der Fußballspieler, dass sie turnen wollten. In der Folge entstand eine Gymnastikabteilung im SV. Die währte rund 25 Jahre bis 1998. Danach war die Bestrebung dar, sich selbstständig zu machen, was zu einer Neugründung des TV führte.

Über die Gründe, warum der TV damals alle Aktivitäten einstellte, liegen laut ihren Recherchen kaum Informationen vor.

Wir haben so gut wie keine Dokumente über die Zeit nach dem Krieg. Wenn heute noch jemand etwas weiß oder Unterlagen besitzt, wären wir froh, wenn er sich meldet. Uns ist nur bekannt, dass bis in die 50er Jahre beim TV noch sehr engagiert Handball gespielt wurde. Das Spielfeld war neben dem Feldweg nach Hergershausen.

Nach der Neugründung 1998 kann man beim TV Sickenhofen von einer Erfolgsgeschichte sprechen.

Vor elf Jahren haben wir mit 60 Mitglieder angefangen. Jetzt marschieren wir auf die 300-Marke zu. Mehr als die Hälfte davon sind Kinder. Für die fünf Kindergruppen haben wir neun Übungsleiter, weshalb wir uns über deren Anzahl als auch das generelle Engagement im Verein nicht beschweren können. Auch finanziell hat der TV einiges in den zehn Jahren geschultert. Aus Eigenmitteln und mit Hilfe von Fördergeldern wurden Turngeräte und Zubehör für 25 000 bis 30 000 Euro angeschafft. Die neue Leichtathletikanlage für 90 000 Euro bezahlen wir fast zur Hälfte selbst.

Welche Bedeutung hat der TV für den Ort?

Der TV ist für die Gesellschaft und die Kultur vor Ort sehr wichtig, und wir versuchen uns deshalb immer wieder einzubringen. Nicht zu vergessen ist natürlich die Bedeutung des TV für den Breitensport. Kulturell würden wir gerne mehr machen, was aber nicht ganz einfach ist, da wir derzeit ein Verein sind, der bei den Erwachsenen fast nur aus Frauen besteht. Da sind Auf- und Abbau bei Veranstaltungen nicht immer einfach. Hoffnung macht unsere 17-köpfige Männer-Gymnastik-Gruppe.

Was zeichnet den TV besonders aus?

Natürlich viel Frauenpower und eine ganze Reihe von jungen Übungsleiterinnen. Viele kommen mit ihren Kindern, so dass die Familie beim TV einen besonderen Stellenwert einnimmt. Ebenfalls ist uns wichtig, den Übungsleitern stets eine gute Aus- und Weiterbildung zu ermöglichen. Viele haben gleich mehrfache Lizenzen.

Gibt es noch größere Ziele für die Zukunft?

Mit der neuen Leichtathletik-Anlage, deren Einweihung kurz bevor steht, geht eigentlich unser größter Wunsch in Erfüllung. Nach Jahren in der Halle können wir nun endlich raus. Meine Aufgabe ist es jetzt dafür zu sorgen, dass die neue Einrichtung auch genutzt wird. Dafür sollen möglichst viele eine Ausbildung für die Anlage als auch die einzelnen Leichtathletik-Disziplinen bekommen, so dass viele Mitglieder für das Sportabzeichen trainieren und es auch abnehmen können.

Quelle: op-online.de

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