Wohin steuern Vereine?

+
Hartmut Kind vom Planungsbüro SP Plus moderierte die Gesprächsrunde mit den Vereinsvorständen.

Babenhausen - Traditionelle Organisationen müssen sich auf Wandel einstellen und fit machen. Von Petra Grimm 

„Vereine sind Teil der Gesellschaft, sind Motor für kulturelles Leben und Gemeinschaft. Sie sind Teil der Stadtentwicklung“, sagte Hartmut Kind vom Planungsbüro SP Plus aus Bad Nauheim, das beauftragt ist, das Integrierte Kommunale Entwicklungskonzept (IKEK) für Babenhausen zu erstellen.

Er moderierte nun die Gesprächsrunde über die künftige Entwicklung der Vereine, zu der die Stadt die Vorsitzenden eingeladen hatte. Rund 25 Vorstandsmitglieder hatten sich im Rathaus eingefunden. „Es sind mehr gekommen, als ich gehofft hatte“, freute sich Regina Lange von der Stadtverwaltung. Vom Amt für Dorf- und Regionalentwicklung des Landkreises war Beate Will dabei. Man wolle den Vereinen mit der Veranstaltung „einen Anstoß geben, sich weiter zu entwickeln und sich fit zu machen für die Zukunft“, sagte Kind, der einige Probleme referierte, die in unterschiedlichem Ausmaß auf die breite Palette der Babenhäuser Vereine zutreffen und für die Anwesenden nicht neu waren. So sprach er vom Nachwuchsmangel und Mitgliederschwund, unter dem vor allem Geflügelzüchter, Obst- und Gartenbauvereine oder einige Gesangvereine leiden.

Die Bindung an den Verein werde schwächer und die Bereitschaft der Mitglieder, sich ehrenamtlich zu engagieren nehme ab. Mehrere Hobbys und Freizeitaktivitäten konkurrieren miteinander. Er beschrieb einen Wandel von der „Solidargemeinschaft“ hin zu einem „Dienstleistungsbetrieb“. Man wolle nun gemeinsam überlegen, wie man kooperiert und sich neu aufstellt.

Viel Arbeit auf wenigen Schultern

„Wohin geht das Vereinsleben in Babenhausen?“, fragte er in die Runde, und die Resonanz der Vereinsvertreter war ganz unterschiedlich. „Ich kann fast alles unterschreiben, was sie vorgetragen haben“, sagte Christian Hockemeyer, Geschäftsführer des SV Germania. Die ehrenamtliche Arbeit beim Fußballverein laste auf zu wenigen Schultern. Auch Helmut Fendt, Vorsitzender des Vereinsgremiums, beklagte, dass viele junge Mitglieder „am Vereinsleben wenig Interesse haben“, was bei der Organisation von Festen oder der Instandhaltung von Hallen deutlich werde.

„Beim Altstadtfest stehen in den meisten Buden nur noch ältere Leute“, sagte Fendt. Dieser Tendenz widersprachen Hanna Cordier vom Sickenhöfer Turnverein sowie Dr. Ute Beck und Eline Kuipers, die beiden Vorsitzenden des Hergershäuser Turnvereins. In beiden Vereinen sei weder Mitgliedermangel noch schwindendes Engagement der Ehrenamtlichen ein Problem. In Hergershausen kämpft der TV mit Platzmangel. „Wir haben 800 Mitglieder und einfach zu wenig Platz für unsere Angebote. Wir sind auf die Halle im Bürgerhaus angewiesen und die wird von der Bachwiesenschule und dem Sportverein mitgenutzt“, erläuterte Beck.

Zur Enttäuschung der beiden TVH-Vorsitzenden wurden diese Raumprobleme aber weder vom Moderator noch von der Vertreterin der Stadt aufgegriffen. Andere beklagten, dass sie kein Vereinsheim haben, wodurch die Jugendarbeit schwierig sei.

Hilfe durch gezieltes Coaching

Was die allgemein beklagte Überlastung der Vorstände betrifft, erläuterte Simone Reidel vom Blasorchester, wie eine Umstrukturierung des Vorstands zur Lösung führen kann. Denn dem Verein ist es gelungen, nach dem Ausscheiden des langjährigen Vorsitzenden Klaus Mohrhardt die zahlreichen Aufgaben, die er gemanagt hatte, auf mehr Schultern zu verteilen. „Dazu gehört aber auch, dass man akzeptiert, wenn jemand eine Aufgabe anders angeht, als man das selbst machen würde. Man muss offen sein und das Potenzial sehen“, sagte Reidel.

Achim Knoke vom Vorstand des Babenhäuser Turnvereins regte neue Wege an, um beispielsweise Veranstaltungen zu organisieren. Das Schlagwort hierfür, das auch der Moderator zu Beginn der Debatte hervorgehoben hatte, ist Kooperation und Vernetzung. Dass diese Idee zum Erfolg führt, betonte auch Manfred Kunkel, Vorsitzender des Gesangvereins Eintracht, der seit vielen Jahren gemeinsam mit dem Volks-chor Sängerbund den großen Sängerball auf die Beine stellt.

Am Ende der Gesprächsrunde schlug Kind vor, den Vereinen durch gezieltes Coaching zu helfen. Diese Weiterbildung kann verschiedene Bereiche, wie Mitgliederwerbung, die Nutzung neuer Medien, Sponsoring, die Verbesserung der Vereinsangebote oder auch die Finanzierung beinhalten. Eins müsse klar sein, sagte der Moderator: „Wandel und Entwicklung muss sein. Aber man kann nicht alles von jetzt auf gleich ändern“.

Quelle: op-online.de

Kommentare