„Verneigung vor großem Demokraten“

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Hat gut lachen: Alfred Jakoubek (Mitte) hat jetzt mehr Zeit für die Familie. Ehefrau Astrid freute sich mit. Innenminister Volker Bouffier verlieh dem scheidenden Landrat für sein Wirken die Freiherr-vom-Stein-Plakette.

Darmstadt-Dieburg - Der Abschied kam nicht sang- und klanglos: Mit E-Gitarre und Akkordeon, a-capella-Gesang, vielen Dankesreden und herausragenden Auszeichnungen wurde Landrat Alfred Jakoubek nach zwölf Jahren Amtszeit in den Ruhestand entlassen. Von Ursula Friedrich

In den Feierstunden im Kreissitzungssaal des Landratsamtes würdigten politische Weggefährten, Freunde aus den Kreiskommunen sowie dem europäischen Ausland und Kollegen das Werk Alfred Jakoubeks, der seinen Kreis in zwölf Jahren als Landrat prägte und gestaltete: „Heute verneigt sich vor dir, einem großen Demokraten und Kommunalpolitiker, die ganze politische Familie“, sagte Erster Kreisbeigeordneter Hans Peter Schellhaas - der ab heute als neuer Landrat die großen Fußstapfen des Vorgängers ausfüllen muss.

Musikalisch schickte die Bürgermeister-Band des Kreises Alfred Jakoubek in den Ruhestand: Mit E-Gitarre und Bläserduett intonierten (von links) Edgar Buchwald (Groß-Bieberau), Groß-Zimmerns ehemaliger Bürgermeister Dieter Emig, Christel Sprößler (Roßdorf) und Norbert Leber (Griesheim) ein maßgeschneidertes Ständchen frei nach Rod Stewart.

Dank und Anerkennung der Hessischen Landesregierung überbrachte auch Hessens Innenminister Volker Bouffier in Form einer großen Auszeichnung: Der Staatsminister verlieh Alfred Jakoubek für sein Wirken die Freiherr-vom-Stein-Plakette. Er habe sein Amt in unverwechselbarer Weise ausgefüllt, lobte Bouffier, „denn für einen Landrat gibt es kein Berufsbild. Sie haben es immer wieder geschafft, dass ihnen Menschen vertrauen.“ Einziger Wehrmutstropfen, so der CDU-Minister schmunzelnd an den Sozialdemokraten: Er gehöre der falschen Partei an. Gerade dieses Merkmal, Parteiübergreifend und sachlich Probleme anzupacken, habe sein Werk ausgezeichnet, so die zahlreichen Redner unisono. 37 Jahre lang war der Sozialdemokrat Jakoubek zunächst als Gemeindevertreter in Roßdorf, 14 Jahre lang als Bürgermeister und schließlich zwölf Jahre als Landrat - meist 80 Stunden pro Woche - aktiv. Für seinen unermüdlichen Einsatz für die Menschen des Kreises wurde ihm die Verdienstmedaille des Landkreises Darmstadt-Dieburg in Gold verliehen - eine Auszeichnung, die erstmals in der Geschichte des 23 Kommunen umfassenden Kreises ausgegeben wurde.

Dank und Anerkennung des Landes Hessen überbrachte Innenminister Volker Bouffier in Form einer großen Auszeichnung: Er verlieh dem scheidenden Landrat Jakoubek für sein Wirken die Freiherr-vom-Stein-Plakette.

„Im alten Preußen nannte man den Landrat auch „kleinen König“, erzählte Hans-Jörg Duppré, Präsident des Deutschen Landkreistags, und in diesem Sinne ließ man Alfred Jakoubek an seinem Ehrenabend hochleben: Ob Parteigenossen, Bürgermeister des Landkreises, langjährige Weggefährten vom Vereinsvertreter über den Polizeipräsidenten bis zum Regierungspräsidenten und Gebietsweinkönig Annika feierte man den „Homo politicus“. Das originellste Geschenk überbrachte ein Bürgermeister-Quintett des Kreises: Mit E-Gitarre und Bläserduett intonierten die Stadtoberhäupter den musikalischen Abschied - und ernteten „Standing Ovations“ für ihr maßgeschneidertes Ständchen frei nach Rod Stewart. Gar zum Dirigenten Herbert von Karajan wurde der Bogen an diesem Abend gespannt: „Dirigieren, verbindlichen Takt vorgeben, gestalten, damit keiner aus der Reihe tanzt“, dies habe er vorbildlich praktiziert, sagte Karl Hartmann, Stadtoberhaupt Reinheims, für die 23 Bürgermeister des Landkreises. „Es war mir eine Ehre, in allen Ämtern und Funktionen für die Menschen im Kreis gewirkt zu haben“, sagte Alfred Jakoubek zum Ausklang der offiziellen Feierstunden und schloss sein Wirken mit einer Dankesrede an eine „engagierte Bevölkerung“, einen Kreistag „der meine Prioritäten mitgetragen hat“, das „L-Team“ engster Mitarbeiter, aber auch die Kreisverwaltung mit ihren 2100 Mitarbeitern. Der „Vollblutlandrat“: „Ich hatte das Glück, vor 27 Jahren mein Hobby zum Beruf zu machen. Ich wünschte mir mehr Identität und Gemeinschaftlichkeit für einen Kreis mit 23 Kommunen und 88 Stadt- und Ortsteilen, der nicht zusammengewachsen war, sondern aus zwei Landkreisen zusammengefügt wurde. Ich hoffe, es ist mir etwas gelungen.“

Quelle: op-online.de

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