Verrenkungen zum Ohrwurm

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Für ihren Tanz „Ein Käfig voller Narren“ bekam die Kleine Garde viel Applaus.

Sickenhofen - An Ideen, wie man ein bisschen Schwung in die Beerdigung ihres Freundes August in Erfurt bringen könnte, mangelt es dem Rentnerehepaar Hiltrud und Karl Heinz nicht. Von Petra Grimm

So endet die Grabrede von Karl Heinz („Endlich muss der August mir mal zuhören“) mit einem dreifachen „Er lebe hoch!“ Und wenn die Musik spielt, planen die beiden eine schmissige Tanzeinlage. Schließlich war der Verstorbene der Ehrenvorsitzende ihrer Gruppe für Ausdruckstanz. Und was die beiden Comedy-Asse Petra Giesel und Frieder Arndt dem kostümierten Publikum in der ausverkauften Friedel-Wiesinger-Halle dann boten, hatte es wirklich in sich.

Zu dem Ohrwurm „Sag mir Quando, sag mir wann“ legten sie nicht nur eine flotte Sohle aufs Bühnenparkett, sondern zeigten auch jede Menge rhythmische Verrenkungen und Zuckungen. Eine mehr als gelungene Nummer, nur eine von vielen, die Samstagnacht das Zwerchfell der fröhlich feiernden Sitzungsgäste attackierte. „Die beiden sind zum ersten Mal bei uns, ihr kennt sie vielleicht aus der Fernsehsendung ,Hessen lacht zur Fassenacht´‘“, sagte Sitzungspräsident Bernd Gelzleichter, der das närrische Programm wieder gekonnt und ohne Längen moderierte. „Bei uns stehen nur Amateure auf der Bühne“, sagte er.

Eins muss man dem Vorstand des Sickenhöfer Karnevalsverein, an der Spitze Vorsitzende Sandra Gelzleichter, wirklich lassen: Bei der Auswahl der Gruppen und Einzelnarren, die neben den vereinseigenen sieben Garden das Programm bestritten, hatten die Organisatoren ein gutes Händchen. Die meisten der Fastnachtslegionäre sind beliebte Stammgäste auf der Sickenhöfer Bühne. So sorgten neben mitreißenden Tänzen in fantasievollen Kostümen jede Menge humoristische Knaller für fünf Stunden Unterhaltung.

Ulknudel Woody Feldmann eroberte ihr Publikum in gewohnter Manier mir Späßen und Liedern. Auch die beiden Dieburger Wolfgang Brandt und Stephan Ludwig, die zum zweiten Mal in Sickenhhofen ein Gastspiel gaben, sorgten mit ihrer Schlager-Playback-Show und rasanten Kostümwechseln für Atemnot im Publikum. Aus Eppertshausen angereist, witzelten Lutz Murmann als Hausmeister und Christoph Visone als „Es Dabbesje“ wieder routiniert in der Bütt. Neben den durchweg gelungenen Redebeiträgen begeisterten mitreißende Tänze. In Sickenhofen scheint die Mehrheit der weiblichen Bevölkerung zwischen fünf Jahren und der Generation 40 plus beim SKV zu tanzen. „Nachwuchsprobleme haben wir wirklich nicht“, sagte die Vorsitzende Sandra Gelzleichter lachend. Sie führt sogar eine Warteliste für die Kindergarden, von der sie jedes Jahr kleine Mädchen, die das richtige Alter erreicht haben, rekrutieren kann. Und die meisten Tänzerinnen wechseln ihrem Alter entsprechend immer in die nächste Garde. So gab es viel Applaus für klassischen Gardetanz und die verschiedenen Showtänze. Die Purzelgarde war als Froschköniginnen auf der Bühne unterwegs, die Kleine Garde zum Thema „Ein Käfig voller Narren“ und die Mittlere Garde als „Tinkerbell“ mit zarten Feenflügeln. Die Starlettes-Garde zeigte angelehnt an den Film „Avatar“ in blauen eng anliegenden Kostümen und mit leuchtenden Kontaktlinsen eine tolle Show, ebenso wie die Große Garde als Herzköniginnen aus Alice im Wunderland. Sie hatten Schwarzlichteffekte in ihre Nummer eingebaut. Also kreativ sind sie wirklich, die Sickenhöfer Tänzerinnen.

Das bewiesen auch die Damen der Ehrengarde, die als Blumen tanzend aus überdimensionalen Töpfen stiegen, die sie aus großen Wassertonnen gebaut hatten.

Die Tanzmäuse des Turnvereins wirbelten als Königinnen über die Bühne und als Putzfrauen das Sickenhöfer Männerballett, das sich aus Mitgliedern des Angelsportvereins zusammensetzt. Mit Stimmungsliedern heizten die Schoppeamseln aus Georgenhausen und die Coalminers aus Aachen, der früheren Heimat des vor fünfzehn Jahren nach Sickenhofen eingewanderten Sitzungspräsidenten Bernd Gelzleichter, den Narren ordentlich ein.

Die CVB-Prinzenpaare gaben sich die Ehre und hielten Ansprachen. Wobei die beiden Lengschder, Prinzessin Lydia I. und Frank II., nicht verheimlichten, dass sie wegen der in der fünften Jahreszeit traditionell humorvoll ausgelebten Feindschaft zwischen Langstadt und Sickenhofen mit gemischten Gefühlen angereist sind.

Die beiden Kinderprinzen Alina I. und Tobi I., die aus eben diesen beiden Stadtteilen kommen, betonten „zwischen den beiden Orten herrscht nicht immer das beste Klima, aber wir verstehen uns prima“. Wofür die Stadt ihr Geld ausgibt, war Thema der Bürgermeisterin auf der Bühne. „Bei uns haben sogar die Straßen Haushaltslöcher“, sagte Gabi Coutandin.

Nach dem vom Publikum viel gelobten Programm feierten die Sickenhöfer und ihre Gäste noch ausgelassen bis zum Morgen mit DJ-Musik.

Quelle: op-online.de

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