Verteidigung geht in Offensive

Darmstadt/Babenhausen Mit einem umfänglichen Beweisantrag der Verteidigung endete der Gerichtstag gestern im Doppelmordprozess von Babenhausen. Von Ulrike Bernauer

Verteidiger Christoph Lang verlas mehrere ausgesprochen umfangreiche und technische Details, die die Verteidigung des Angeklagten D. geklärt haben will. Im Wesentlichen geht es darum, das Hauptbelastungsargument der Staatsanwaltschaft in Zweifel zu ziehen. Nämlich, dass D. die Internetseite mit der Beschreibung eines Schalldämpfers nicht nur aufgerufen, sondern nach dem Aufruf einen umfänglichen Ausdruck über den Zentralserver der Firma Aumann getätigt hat.

Mit ihrem Beweisantrag will die Verteidigung nachweisen, dass auch andere Benutzer sich mit dem Konto des Angeklagten einloggen und sowohl den Internetauftritt der Firma „Silencer“ besuchen, als auch den Druckauftrag erteilen konnten. Und zwar bestand diese Möglichkeit nach Ansicht der Verteidigung erstens von Rechnern innerhalb der Firma und zweitens über einen Remote-Zugriff von einem beliebigen Internetanschluss außerhalb des Unternehmens, in dem der Angeklagte beschäftigt war. Fünf prall gefüllte Leitz-Ordner überreichte Lang dem Gericht.

Begonnen hatte der Verhandlungstag mit den Erläuterungen des Schusssachverständigen Poser. Äußerst umfangreich schilderte der Sachverständige zum einen, wie mittels einer PET-Flasche und Bauschaum ein Schalldämpfer hergestellt werden kann. Zum anderen wie dieser an der Waffe befestigt wird und das Geschoss Bauschaumteilchen mitreißen kann. Gerade zur Befestigung der PET-Flasche an der Waffe wird erhebliches handwerkliches Geschick und entsprechendes Werkzeug benötigt. Fraglich ist, ob der Angeklagte diese Voraussetzungen besitzt.

Gehört wurden auch eine weitere Krankenschwester, die die schwer verletzte Tochter des ermordeten Ehepaars behandelt hatte. Astrid Toll habe zweimal von „den Tätern“ gesprochen, die sich vom Tatort entfernt hätten. Es ließ sich aber weder durch die Befragung der Krankenschwester noch durch eine weitere Befragung des Soko-Leiters der Kriminalpolizei Erich Kern klären, ob die Verletzte auch ausdrücklich von zwei Tätern gesprochen hat.

Kern wurde im Verlauf des Verhandlungstages auch noch zu anderen Punkten gehört - unter anderem zur Überwachung der Familie des Angeklagten. Nach der ersten Verhaftung von D. waren Überwachungsgeräte sowohl in das Auto der Frau des Angeklagten, als auch im Haus der Familie eingebaut worden. Kern berichtete, dass die Ehefrau ihren Mann auf der Rückfahrt gefragt habe, ob er die Internetseite „Silencer“ besucht habe. D. verneinte dies. Nach zwei Tagen wurde laut Kern die Überwachung abgebrochen, weil man sich keine weiteren Hinweise von Gespräche zwischen den Ehepartnern versprach.

Abgebaut wurden die technischen Überwachungsgeräte im Auto der Ehefrau allerdings erst im Dezember, für den Ausbau in der Familienwohnung antwortete Kern nur „im Winterurlaub der Familie“. Der genaue Ausbautermin soll am nächsten Verhandlungstag geklärt werden, wenn noch einmal Einzelheiten aus den Ermittlungen der Soko verlesen werden.

Ausgesagt hat ein weiteres Mal der Gerichtsmediziner Roman Bux, der den Todeszeitpunkt klären sollte. Bux erläuterte, dass man sich bei den ersten Untersuchungen nicht auf die Bestimmung des Zeitpunkts konzentriert habe, da dieser nach Zeugenaussagen gegen 4 Uhr morgens am 17. April 2009 eingetreten sein soll. Eine nachträgliche Bestimmung sei nun schwierig. Bux ermittelte ein Zeitfenster von 2.05 Uhr bis 16.05 Uhr für den Todeszeitpunkt von Klaus Toll. Seine Frau Petra Toll könnte jedoch bereits ab 17.22 am Vortag, 16. April, zu Tode gekommen sein. Die unterschiedlichen Werte ergeben sich auch durch die Situation, in der man das getötete Ehepaar auffand. Petra Toll war mit einer Tagesdecke bedeckt, während ihr Mann lediglich Sportkleidung trug. Ein Kollege von Bux, der ein Gutachten nach einer anderen mathematischen Methode erstellt hatte, kam zu anderen Zeiten.

Der Prozess wird am Mittwoch, 1. Juni, um 9 Uhr vor dem Landgericht Darmstadt fortgesetzt.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © pixelio.de / Michael Grabscheit

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