Viel Glück beim Silvesterschießen

+
Das neue Jahr im Visier: Tobias Herget legte beim Silvesterschießen des Schützenverein Hergershausen mit an.

Hergershausen ‐ Reinhard Ergang, Marion Seiler, Klaus Spaniol, Ursula Blümler oder Dominik Gomez – das ist nur ein Teil der Treffsicheren, die nicht nur dem Schützenverein Hergershausen (SVH) angehören, sondern sich auch rühmen können, bereits einmal das Silvesterschießen gewonnen zu haben. Von Michael Just

Bei diesem Jahresabschluss steht nicht die klassische Zielscheibe mit ihren Ringen im Fokus, sondern ein Holzteller - meist mit einem beliebigen Landschafts- oder Tiermotiv versehen.

„Eigentlich ist es ein Glücksschießen“, erläutert Ernst Stanzel zu der zweieinhalbstündigen Veranstaltung. Jeder Teilnehmer kann sich auf dem Teller einen beliebigen Punkt auswählen, auf den er schießt. Wenn er Glück hat ist es jene Stelle, die zuvor vom Gewinner des vergangenen Jahres ausgesucht wurde und die der bis zum Schluss geheim hält. Für jeden Teilnehmer steht nur ein Schuss zur Verfügung. Zum Ende folgt dann die Auflösung, wo der „goldene Punkt“ denn nun gelegen hat. Ein kleines Geschenk erhält der, der am nächsten mit seinem Treffer daran kam.

Holzteller organisieren

Das Unterfangen erweist sich noch ein zweites Mal als Glückssache, da nur über Kimme und nicht mit Hilfe eines Fernrohres geschossen wird. So ist der Teller auf 50 Meter nur schemenhaft zu erkennen, und nicht jeder Schuss geht automatisch in das gewünschte Ziel. Neben einem Geschenk kommt auf den Sieger auch die Ehre hinzu, den neuen Holzteller für das kommende Silvesterschießen zu organisieren. Dafür wird er auf der alten Scheibe mit seinem Namen verewigt, bevor diese dann das Vereinsheim ziert.

Als Sieger ging im vergangenen Jahr Ernst Stanzel hervor, der zu den Urgesteinen des SVH gehört. Nur ein Jahr nach dessen Gründung im Jahre 1957 trat Stanzel den Sportschützen im Babenhäuser Stadtteil bei. Nun beobachtete der Mann aus Münster, wie die Kollegen auf „Bahn 1“ anlegten und dabei grübelten, welchen Punkt er wohl auf der „Scheibe Stanzel“ auserkoren hatte. Als „Geheimnisträger“ war Stanzel freilich von der Titelverteidigung ausgeschlossen.

Abzug wird im Freien betätigt

Geschossen wurde mit einem Kleinkaliber-Gewehr, bei dem der 70-jährige half, das Sportgerät zu laden und zu sichern. „Holz war es auf alle Fälle“, kommentierte der Rentner das schallende Geräusch nach dem Schuss von Gudrun Spaniol, die mit 39 Jahren auch schon mehrere Jahrzehnte dem SVH angehört. Der Beweis für die These Stanzels wurde nur wenige Sekunden später erbracht, als der Teller im wahrsten Sinne des Wortes „in Windeseile“ an langen Schnüren zur Begutachtung heran rauschte. „Sonst bin ich Luftgewehr-Schützin“, erklärte die Frau des ersten Vorsitzenden und ergänzt, dass das „KK“ aber nicht soviel anders zu bedienen sei. Den größten Unterschied sieht sie darin, dass die Schießbahn für das Luftgewehr sich in einem geschlossenen Raum befindet, während der Abzug für das Kleinkalibergewehr im Freien betätigt wird. Am Freitag war das bei Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt durchaus ein Argument, nicht zuletzt, weil sich der Teerboden unter den Füßen als Kältespeicher erwies.

In diesem Jahr ist auf der Scheibe eine karikaturähnliche Figur aufgemalt, die im rechten oberen Eck durch eine Zielscheibe ergänzt wird. So sind die Möglichkeiten, wo Stanzel die Stelle ausgesucht haben könnte, mannigfaltig. Nachdem auch Klaus Staniol seinen Glücksschuss abgegeben hatte, ging es für das Ehepaar ins nahe Vereinsheim. Dort kam es am letzten Tag des Jahres bis zur Preisvergabe und zur Auflösung des Silvesterschießens nochmal zu einer gemütlichen und geselligen Runde. Der regelmäßige Blick fiel dabei auch auf die Holzteller der vergangenen Silvesterschießen, die schön nebeneinander an der Wand aufgehängt worden sind. Auf deren Rand sind jeweils Spender und Gewinner eingraviert.

Liselotte Stöhr darf sich in die Annalen eintragen

Obwohl es diesen heiteren Ausklang am letzten Nachmittag des alten Jahres seit rund 25 Jahren gibt, hängen an der Wand nur etwas mehr als zehn Teller. „Das lässt sich darauf zurückzuführen, dass es 1998 in unserem Vereinsheim einen Brand gab und dabei die Holzteller bis dahin vernichtet wurden“, weiß Vorsitzender Klaus Spaniol. „Das war natürlich sehr schade“, fügt er hinzu.

Die letzten Jahre hat sich die Wand aber wieder zunehmend gefüllt, die nun noch um das Exemplar für das Silvesterschießen 2010 ergänzt wird. In die Annalen darf sich dabei Lieselotte Stöhr eintragen.

Doch wo war denn nun der Punkt, den Stanzel auserkoren hatte? Es war die Mitte der kleinen Zielscheibe, die sich ebenfalls auf dem Teller befand. Das hatten nicht allzu viele Schützen geahnt und stattdessen Teile der Figur vermutet und anvisiert. Nicht Lieselotte Stöhr: Sie durfte sich über ein Präsent freuen und hat die ehrenvolle Aufgabe, am Ende des Jahres den neuen Teller zu stiften.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare