Viel Süßes für die frohe Botschaft

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In der Kernstadt prägte mit der zehnjährigen Annika auch ein farbiger und damit geschminkter König das Bild. Für Gemeindereferentin Claudia Czernek ist der das i-Tüpfelchen in der Runde.

Babenhausen - „Du musst die Luft nicht anhalten“, sagt Claudia Czernek zu Annika (10), während sie deren Gesicht pechschwarz mit Fastnachtsfarbe schminkt. Von Michael Just

„Mund auf“, folgt kurz darauf der Hinweis der katholischen Gemeindereferentin an die Schülerin, die Lippen nicht zusammen zu pressen. Gleich wird Annika als schwarzer König Caspar in den Haushalten der Kernstadt um eine Spende für arme afrikanische Kinder bitten.

Als Czernek ins Auge fällt, dass eines der Sternsinger ohne Jacke losziehen will, heißt es stop: „Normalerweise werden Sternsinger nicht krank, da sie mit dem lieben Gott unterwegs sind. Wir wollen aber nichts heraufbeschwören“, sagt die Gesamtleiterin schmunzelnd. Als alle Kinder schon fertig sind fehlt für den Abmarsch nur noch die zwölfjährige Emily. Die Trägerin des Sterns kommt kurz darauf mit Inline-Skates ans Gemeindehaus gerauscht. Schnell hat sie die Schuhe gewechselt und ihr gelbes Kostüm übergezogen. Jetzt kann‘s losgehen.

Von Mittwoch bis gestern stand in allen Stadtteilen traditionell das Dreikönigssingen an. Rund 45 Kinder im Alter von vier bis 13 Jahren waren dabei. Dazu fungierten 15 Erwachsene, meist die Eltern der biblischen Hoheiten, als Betreuer. Insgesamt galt es, 260 Häuser zu segnen und für bedürftige Kinder zu singen und zu sammeln.

Festlich gekleidet und mit einem Stern vorneweg sind jedes Jahr um den 6. Januar bundesweit rund 500 000 Sternsinger für das Kindermissionswerk in Aachen unterwegs. In beinahe allen katholischen Pfarrgemeinden bringen sie als die heiligen drei Könige mit dem Kreidezeichen „C+M+B“ den Segen zu den Menschen und sammeln für Not leidende Gleichaltrige. Ihr Schriftzug bedeutet Christus mansionem benedicat – Christus segne dieses Haus. Auch bei der Bundeskanzlerin und beim -präsidenten wird Station gemacht. Seit ihrem Start 1959 hat sich die Aktion zur weltweit größten Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder entwickelt. Viele hundert Millionen Euro wurden seither gesammelt, tausende Projekte unterstützt. 2013 steht das ostafrikanische Tansania im Mittelpunkt.

Schon am letzten Schultag im alten Jahr trafen sich die ersten Kinder in der Gersprenzstadt, um sich über die aktuelle Spendenaktion zu informieren. Marie Kunze zeigte sich nach dem Info-Film über Tansania tief beeindruckt: „Da muss man doch einfach mitmachen.“ So wollten viele Sternsinger eine möglichst hohe Kollekte erzielen. Für Czernek ist der Segen für die Häuser aber genauso wichtig: „Die Armut kommt jeden Abend mit den Nachrichten frei Haus. Der Glaube nicht.“

Wenn alles glatt läuft, schaffen die Kinder vier bis sechs Haushalte pro Stunde. Viele Sternsinger laufen bereits im zweiten oder dritten Jahr mit. Samuel ist gleich mehrere Tage dabei. Nur gestern nicht, da er am Sonntag in Urlaub fuhr. Der tägliche Einsatz mit Kostüm und Krone machte ihn nicht müde: „Ich bin doch bei der DLRG“, führt er an.

Eine Motivation sind natürlich für alle Kinder die Süßigkeiten, die es in jedem Haus als Dankeschön gibt. Abends werden die aufgeteilt. Über ein Kilo Süßes sind pro Kind und Tag möglich. „Über unsere Aktion freuen sich auch die Zahnärzte“, schmunzelt Czernek. Oft sind es so viele Sachen, dass ein Teil dem Lebensmittelpunkt gebracht wird. Wie lange die Naschereien halten?Wie ein Mädchen sagt, verstecke ihre Mutter die Süßigkeiten. „Wenn mein Bruder nicht alles aufisst, reichts bis Ostern“, sagt Samuel.

„Stern über Betlehem, zeig uns den Weg! Führ uns zur Krippe hin, zeig wo sie steht“, lautet eine der Liedzeilen, die die Kinder singen. „Schön habt ihr das gemacht“, lobt am Samstagmittag Christel Graf die Sternsinger. Die haben in ihrem Haus eine lange Tradition, auch weil die Tochter früher selbst mitlief. Meist bleiben die Könige nur ein paar Minuten. Viele hätten sie gern länger für einen kleinen Plausch im Haus. „Wir sind froh, wenn’s was zu trinken gibt oder ein Kind mal auf die Toilette kann. Aber ansonsten pressiert es uns“, sagt Czernek und erinnert an die 260 Adressen. Sie kann sich noch gut an ihre Zeit in Oberhessen erinnern, wo es früher für die Betreuer einen Schnaps an kalten Tagen gab. Der wäre heute schon deshalb nicht mehr angebracht, da viele die Kinder mit ihren Privatautos zu den Adressen bringen. In Babenhausen sind die Zeiten vorbei, als der Zivi mit dem Gemeindebus die Könige fuhr.

In den letzten Tagen hat die Gemeindereferentin mit ihrem Privatauto schon 100 Kilometer unentgeltlich für die gute Sache zurückgelegt. Aus organisatorischen Gründen können keine genauen Besuchszeiten festgelegt werden. Irgendwann zwischen Mittwoch und Sonntag betätigen Caspar, Melchior und Balthasar an einem Nachmittag die Klingel. In der Regel kommen die Sternsinger auch zweimal, wenn beim ersten Versuch niemand da war. „Wir sind bemüht, alle Adressen anzulaufen“, sagt Czernek und wer sie kennt weiß, dass ihr kein Aufwand zu groß ist, die frohe Botschaft zu verbreiten.

Quelle: op-online.de

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