Viele Kilo auf dem Rücken

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Sitzt der Schulranzen richtig? Er sollte möglichst dicht am Rücken anliegen und seine Oberkante ungefähr mit der Schulterlinie abschließen.

Hergershausen ‐ Bücher, Hefte, Mäppchen mit Stiften, Pausenbrot, Trinkflasche und dazu noch das Gewicht des Schulranzens: Der Rücken bereits der kleinsten Schulkinder muss einiges „buckeln“. Von Petra Grimm

Und der leichteste, DIN geprüfte Ranzen nutzt wenig, wenn außer dem nötigen Schulmaterial auch noch überflüssiges Spielzeug durch die Gegend getragen wird. Dazu kommt oft, dass die Ranzen bei vielen Schülern nicht richtig auf dem Rücken sitzen, so dass die Belastung für die kindliche Wirbelsäule noch verstärkt wird.

Kinder, Lehrer und Eltern für dieses Thema sensibilisieren will das gemeinsame Projekt „Bewegungsfördernde Schule“ der hessischen AOK und der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung (BAG) in Wiesbaden. Am Dienstag war die ganze Schulgemeinde der Hergershäuser Bachwiesenschule zum Aktionstag „Gesunder Rücken – Wacher Geist“ eingeladen. Mit den Kindern ging es am Morgen los. Ein Jahrgang nach dem anderen marschierte über den ganzen Vormittag verteilt mit Ranzen und Stühlen in der Aula ein.

Ranzen nicht zu tief hängen

Reinhard Liebisch von der BAG erklärte ihnen anschaulich und mit praktischen Übungen jeweils eine Schulstunde lang allerhand über Schulranzen, ihre Wirbelsäule und richtiges Sitzen auf ihren Stühlen. Am Nachmittag durchliefen die Lehrerinnen eine „bewegte“ Fortbildung und später waren die Eltern zu einem Infotreffen eingeladen. Ein wichtiges Thema im Rahmen der Gesundheitsprävention an hessischen Grundschulen: Schließlich gelten Rückenerkrankungen, die im Wesentlichen auf einen sitzenden und bewegungsarmen Alltag zurückgeführt werden, als Volkskrankheit Nummer 1.

„Wenn man den Ranzen in der Hand trägt, läuft man schief“ oder auch „Der Ranzen sollte nicht zu tief hängen“, wussten die Schüler bereits und zeigten engagiert, was man beim Tragen einer Schultasche alles falsch machen kann. Sie beteiligten sich mit großem Interesse, denn im Vorfeld des Aktionstages hatten alle Kinder bereits in ihren Klassen gemeinsam mit den Klassenlehrerinnen einen Schulranzen-TÜV durchgeführt. „Dabei wurden die Schüler und ihr Ranzen gewogen, der Inhalt nach Überflüssigem untersucht, und am Ende bekam jedes Kind eine TÜV-Plakette, auf der das individuelle, maximale Ranzengewicht notiert ist. Denn das ist abhängig vom Körpergewicht des Kindes“, sagte Lehrerin Rebecca Munz, die den Aktionstag an der Schule organisiert hat.

Das Gewicht des gefüllten Ranzens sollte nach Empfehlungen der AOK zwischen 10 und 15 Prozent des Körpergewichts des Kindes liegen. Das gilt besonders für zart gebaute Kinder und für solche mit einer schwachen körperlichen Konstitution. Wenn die Schultasche rückengerecht getragen wird und der Schulweg nicht länger als 20 Minuten ist, darf das Ranzengewicht auch 17 Prozent betragen. Gemeinsam mit Reinhard Liebisch überprüften die Kinder noch einmal den richtigen Sitz des Ranzens, der möglichst dicht am Rücken anliegen und mit seiner Oberkante ungefähr an der Schulterlinie abschließen sollte.

Enttäuscht, dass keine Zeit mehr blieb

Wie wichtig Bewegung für das Wohlergehen ihrer Wirbelsäule ist, schärfte Liebisch ihnen ein: „Wenn euch der Rücken weht tut, beim langen Sitzen bei den Hausaufgaben oder im Auto, bewegt euch zwischendurch mal oder setzt euch anders hin“. Er forderte die Kinder auf, einmal ganz verschiedene Sitzpositionen einzunehmen. Und da zeigten sich die Bachwiesenschüler durchaus kreativ, setzten sich rücklings auf den Stuhl, seitlich oder im Schneidersitz. „Am besten ist es, wenn man verschiedene Sitzhaltungen einnimmt, damit die Bandscheiben nicht immer gleich belastet sind“, so der Referent, der zur Begeisterung der Schüler eine Plastikwirbelsäule herumreichte.

Einige Kinder wollten nach der Stunde mit Liebisch gar nicht mehr aufhören mit dem Thema und waren enttäuscht, dass keine Zeit mehr blieb, ihm noch den kompletten Inhalt ihres Ranzens zu zeigen. Überraschend war die Aussage eines Viertklässlers, er wisse jetzt, dass man keine Steine im Schulranzen transportieren solle. „Ja wer von euch hat denn manchmal Steine im Ranzen?“, fragte der Referent schmunzelnd. Da meldete sich gleich eine ganze Handvoll Jungs und erklärten: „Wenn es schöne Steine sind.“

Quelle: op-online.de

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