Viele Wünsche für Alte Schule

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Gute alte „handgemachte“ Rockmusik trugen „Backroots“ dazu bei.Fotos (2): Just

Hergershausen ‐ Seit drei Monaten gibt es jetzt den Trägerverein „Herigar“ für das Dorfgemeinschaftshaus beziehungsweise die Alte Schule. Von Michael Just

Dass die etwas befremdlich klingende Bezeichnung, die an einen Germanen- oder Wikinger-Namen erinnert, zu verstärkten Nachfragen geführt hat, kann die zweite Vorsitzende, Maren Gatzemeier, nicht bestätigen: „Eigentlich sind gar keine Fragen gekommen“, sagt sie. Der Name greift den vermeintlichen Dorfgründer von Hergershausen auf, der vermutlich von einem begüterten fränkischen Bauern oder Kriegers abgeleitet wurde. Am vorletzten Tag des Jahres hatte Gatzemeier mit ihren Kollegen beim sogenannten „Hergershäuser Jahresausklang“ des Vereins nicht wenig zu tun. Es gab Live-Musik mit „Backroots“, eine Bilderausstellung, Kinderbelustigung, zwei kleine Verkaufsstände mit Eingemachtem und Kunsthandwerk und gegen den kleinen Hunger Leberkäsbrötchen, Schmalzbrot und Blätterteigstangen vorzubereiten.

Gesellige Stunden ließen sich beim „Hergershäuser Jahresausklang“ des Vereins Herigar verbringen.

Wir haben den ganzen Tag aufgebaut und hergerichtet“, sagt die 44-Jährige. „Dort wartet der Fleischkäse darauf abgeholt zu werden, hier müssen wir den Willi in Empfang nehmen“, beschreibt sie nur zwei der vielen Aufgaben. Mit „Willi“ ist Maler Willi Seibert gemeint, der mit seinen Werken an diesem Abend den noch nackten, weißen Wänden im Schulhaus rund 15 große Farbklekse verlieh. Seibert ist einer von denen, die in besonderer Weise für die Identifikation mit ihrem Heimatort stehen. „Ich habe für heute extra nur Bilder aus Hergershausen ausgewählt“, sagt der Maler, dessen Werke stets besonders viel dörflichen Charakter versprühen.

Wie Gatzemeier ankündigt, wolle man in naher Zukunft noch für Kunstausstellungen Bilderleisten montieren. Das sei kein billiges Unterfangen: „Da kostet der Meter um die 25 Euro“, rechnet sie vor. Nicht nur deshalb ist der Verein derzeit in besonderer Weise um Spenden bemüht.

Anmeldungen für Geburtstage oder Konfirmation

Doch die Arbeit lohnt sich, wie die Anfragen verdeutlichen. So liegen schon zahlreiche Wünsche für eine regelmäßige Nutzung mit Yoga, Aerobic und musikalischer Früherziehung aus dem Ort vor. Dazu kommen private Anmeldungen für Geburtstage oder Konfirmation, die bis August 2010 reichen. Finanziell orientiert sich Herigar am Nutzungspreis des evangelischen Gemeindehauses: „Wir wollen zu den Nachbarn keine Konkurrenz sein. Eher sehen wir uns als Ergänzung“, hebt die 44-Jährige hervor. Was die Prozessmanagerin einer Luftfrachtgesellschaft freut, sind die Anfragen, die auch aus anderen Stadtteilen kommen. Eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, die den Hergershäuser Bürgern eine vorrangige Nutzung einräumt, will Gatzemeier aber nicht: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“, sagt sie mit Blick auf das Ziel, eine bestmögliche Auslastung zu erreichen. Ab März geht sie davon aus, dass der Betrieb richtig anläuft.

„Derzeit sind wir zu 99 Prozent fertig“, weiß Gatzemeier bezüglich Renovierung und Ausstattung. Trotzdem fehlen neben den Bilderleisten, noch eine Leinwand und eine größere Reinigungsausrüstung. Im zweiten Stock müssten zudem noch die Theke und die Küche eingebaut werden, die man aus Babenhausen geschenkt bekommen hat. An die Haustür soll zudem ein Schloss mit Zahlencode, um eine Rennerei mit Schlüsseln zu verhindern. Noch nicht renoviert sind die Toiletten im Anbau. Hier hofft man auf die Stadt und deren finanzielle Unterstützung im neuen Jahr.

Fördermittel von 60 Prozent zu erwarten

Ebenfalls 2010 soll die Begrünung des brachliegenden Schulgartens in Angriff genommen werden. „Das ist schon ein größeres Projekt, das sich mit dem Eckgrundstück am Ortsausgang verbinden lässt“, führt Gatzemeier an. Wie sie erzählt, habe eine Professorin der Hochschule Geisenheim bereits Interesse angemeldet, daraus eine Seminararbeit für ihre Studenten zu machen. So gehe man von kreativen Vorschlägen aus. Im Rahmen der „Route der Regionalgärten“ beziehungsweise des UNESCO-Geoparks seien für den Schulgarten zudem Fördermittel von 60 Prozent zu erwarten.

„Die Alte Schule haben wir ja schon in das Projekt Dorferneuerung integriert“, sagt die rührige Hergershäuserin nicht ohne Stolz. „Es war ja das große Ding, das Herrichten des Gebäudes in diese Linie zu überführen, um damit unsere nachhaltige Arbeit auszudrücken.“ So ist schon jetzt eine gehörige Portion Vorfreude bei Maren Gatzemeier zu spüren, wenn das nächste Mal die Jury anrückt und man diese zum Alten Schulhaus führen kann.

Quelle: op-online.de

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