Virus springt im Dschungel über

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Garant für hochklassige Tanzdarbietungen: Die Große Garde des CCH.

Harreshausen ‐ „Wo ist Harreshausen?“, ruft die Band und will damit auch den Letzten im Saal aus der Lethargie der fastnachtslosen Zeit erwecken. Von Michael Just

Als Unterhaltungsprofis wissen Haasi, Dida und Mona alias „Troubadix“ nur zu gut, wie sie die noch närrische Zurückhaltung im November und die Müdigkeit der zurückliegenden Arbeitswoche vertreiben können: Als sie „Viva Colonia“ anspielen, springt das Fastnachtsvirus über: Alle im Saal stehen auf, klatschten und singen mit.

Den Orden der Föderation Europäischer Narren überreicht Sitzungspräsident Lutz Murmann (unten rechts) an CCH-Gründer Alfons Disser.

Zum Wochenende hatte der Carnevalclub Herrenhuter 1977 Harreshausen (CCH) zu seiner 22. Sitzung in die Mehrzweckhalle geladen. Mittlerweile zieht es auch viele Nicht-Harreshäuser zum CCH-Fastnachtsauftakt, der jedes Jahr mit viel Aufwand in dem kleinen Babenhäuser Stadtteil vorbereitet wird. Es ist die einzige Sitzung des 250 Mitglieder umfassenden Vereins, die stets zur Kampagneneröffnung stattfindet. Über fünf Stunden Programm warteten auch diesmal auf die Besucher. Mit Alicia Eyssen (Rödermark), Willi Müller (Eppertshausen), Andreas Kraus (Mühlheim) und Woody Feldmann (Griesheim) gestaltete der Verein eine gelungene Mischung aus Büttenreden sowie Showtänzen der CCH-Garden. Weitere Tanzaufführungen gab es von den Garden des SKV Sickenhofen und des FVCA Eppertshausen. Einer der großen Höhepunkte des Abends war der Auftritt der Semder Männergesangsgruppe „Semmer Stoarn“, die nicht nur stimmlich brillierten, sondern mit ihrem weiblichen Kostümfundus auch allerlei Ulk auf die Bühne brachten. Dazu gesellte sich noch das Männerballett der „Hypertonics“ und das Babenhäuser Prinzenpaar mit seiner Proklamation. Durch das Programm in der als Urwald geschmückten Mehrzweckhalle führte Sitzungspräsident Lutz Murmann, der das Motto des Abends „Dschungelcamp – holt mich hier raus“ in Dirk-Bach-Verkleidung umsetzte.

Disser mit einem Orden der Föderation Europäischer Narren geehrt

Etwa 250 Besucher feiern in der Mehrzweckhalle.

Redegewandt und abgeklärt sorgte Murmann für den reibungslosen Ablauf in einer nicht ganz gefüllten Mehrzweckhalle. Rund 250 Karten waren im Vorfeld abgesetzt worden. Der eine oder andere freie Platz tat der guten Stimmung aber keinen Abbruch. Denn der CCH, der im nächsten Jahr 33 Jahre alt wird, feierte an diesem Abend ein Stück weit auch sich selbst. So wurde CCH-Gründer Alfons Disser für seine Verdienste mit einem Orden der Föderation Europäischer Narren geehrt. Für 25 Jahre Vereinszugehörigkeit gab es Auszeichnungen für Jochen Sydlik, Hans Billing und Guntram Spengler.

Zu dem stets ansprechenden Programm trugen viele Gäste aus der Umgebung bei. Wie Sitzungspräsident Lutz Murmann, der selbst aus Eppertshausen kommt und vor rund fünf Jahren das Ruder als Leiter der Sitzung übernahm, sagte, gehe auch beim CCH wie allerorten die Zahl der Aktiven zurück. Ohne fremde Hilfe komme man nicht mehr aus – gerade in einem kleinen Ort wie Harreshausen.

Sitzungen sind äußerst kostspielig

Das bestätigte die erste Vorsitzende Heidi Oswald, die früher in Personalunion nicht nur viele Jahre Sitzungspräsidentin war, sondern parallel dazu noch Büttenreden hielt sowie sang und tanzte. „Früher kamen alle Akteure aus den eigenen Reihen. Heute sind wir zum größten Teil auf andere Vereine angewiesen.“ Nicht nur deshalb erweise sich die Sitzung, die schon ab Juni vorbereitet wird, als kostspielig. „Da bleibt schon lange nichts mehr hängen“, konstatiert die Harreshäuserin. Die Sache bereite aber trotzdem allen Beteiligten großen Spaß.

Das Aushängeschild des CCH sind unsere Tanzgarden“, so Murmann. Die Sitzung gebe den Mädchen eine Plattform, das Gelernte zu zeigen.

Murmann bewies als Moderator des Programms das richtige Näschen, was das vorherrschende Thema in der kommenden Narrenkampagne anging: Die Schweinegrippe. Mit „Willkommen zur Schweinegrippenimpfstoffparty“ benannte er die CCH-Sitzung kurzerhand um und hatte mit der Bitte, lediglich desinfizierte Getränke zu sich zu nehmen sowie aus sicherer Entfernung nur jeden zweiten Tischnachbarn zum Schunkeln einzuhängen, wertvolle Tipps parat.

Quelle: op-online.de

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