Vogelstimmenwanderung

Gesang zu früher Stunde

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Die Nachtigall ist besonders im Frühjahr zu hören.

Babenhausen - „Es war die Nachtigall und nicht die Lerche“ heißt es bei Shakespeares „Romeo und Julia“. Von Michael Just

Bereits um 6 Uhr trafen sich die Naturfreunde, um – geführt von Heidi Baker (mit Buch) – den Vogelstimmen zu lauschen.

Bei der Vogelstimmenwanderung des Nabu Babenhausen, die dieser speziell für die evangelische Kirchengemeinde ausrichtete, war es ebenfalls die Nachtigall, die die Teilnehmer mit ihrem Gesang begeisterte. „Sie hat einen dreigliedrigen, wohltönenden Gesang. Er ist äußerst schmetternd mit Trillern und Schluchzen sowie einem langgezogenen Ton zum Schluss“, erklärt Nabu-Vorsitzende Heidi Baker, die die Tour führte. Neben ihrem Wissen vermittelte sie eine gehörige Portion persönliche Begeisterung für die Natur.

Für die zweieinhalbstündige Runde entlang der Lache mit vielen Stopps zum Lauschen hieß es, früh raus aus den Federn: Bereits für 6 Uhr war der Treffpunkt beim Reit- und Fahrverein angesetzt. Das schien vielen nicht schwer zu fallen. Der Termin erfreute sich einer guten Resonanz.

„Der frühe Vogel fängt den Wurm“, sagte ein Teilnehmer, wohlwissend, dass es den schönsten Vogelgesang zu früher Stunde gibt. Der kann mit Balzgesang oder Warnrufen äußerst unterschiedlich sein. Obacht geben heißt es beim Star oder beim Gelbspötter, die mit ihrem Gesang andere Vögel nachahmen und dabei auf eine falsche Fährte führen.

Zilp Zalp, Buchfink und Zaunkönig

Neben Zilp Zalp, Mönchsgrasmücke, Buchfink, Zaunkönig war die Nachtigall zu hören. Prominente Komponisten wie Beethoven und Chopin haben sich von der Meistersängerin inspirieren lassen und ihren Gesang in Kompositionen nachempfunden. 120 bis 260 unterschiedliche Strophentypen hat die Nachtigall in ihrem Repertoire. Lateinisch „Luscinia“, verleiht ihr deutscher Name schnell zu einem Irrtum: So singen Nachtigallen bei Tag und bei Nacht. „Besonders im Frühjahr ist sie zu hören, wenn sie als Zugvogel aus dem Süden zurückkommt“, weiß Baker. Wie ein Mitwanderer sagte, singen Nachtigallen nur während der Balz, bis sie einen Partner gefunden haben. Das stimmt so nicht ganz: Zwar ist während der Paarungszeit im April und Mai besonders viel Gesang zu hören, der hält aber noch zwei bis drei Wochen nach der Brutzeit an, wenn Eltern den Jungvögeln Gesangsunterricht geben.

Nahe der Reithalle und in einem Auwald auf Höhe von Sickenhofen neben der Lache zog der stimmgewaltige Vogel die Babenhäuser zweimal in seinen Bann. In einem Strauch neben einer Brücke war er in relativ kurzer Entfernung sogar zu erkennen. Das ist gar nicht so einfach, denn auf der Oberseite rötlich braun und auf der Unterseite weiß bis graubraun gefiedert, ist der sperlingroße Vogel eher unscheinbar. Wie die meisten anderen Sänger auf der Tour war er meist nur zu hören. Um sich dennoch ein Bild vom Aussehen zu machen, hatte Baker ein Buch dabei mit dem Titel „Welcher Vogel ist das?“ Anhand unzähliger Abbildungen konnte sie in allen Fällen zum Gesang die Optik der Tiere liefern.

Artenschwund beobachtet

Über die Jahre hat die Nabu-Vorsitzende bei den Vogelstimmenwanderungen einen Artenschwund beobachtet. Einige Vogelarten seien regelrecht weggebrochen. „Vögel brauchen Sträucher und Hecken. Die werden immer weniger“, führt Baker an und kritisiert dabei nicht zuletzt die Landwirtschaft. Immer öfter reichten die Äcker – hier speziell die Rapsfelder – bis direkt an die Wege ohne jegliche Übergänge heran. Auf diese Weise würden die wichtigen Ackerrandstreifen zum Finden der Nahrung für die Vögel verdrängt. Parallel würden die Feuchtgebiete weniger – auch in Babenhausen. In der Gersprenzstadt sei dies besonders bedauerlich, da hier trockene Sandböden vorherrschen. Baker rief die Wanderer dazu auf, keinen Torf zu kaufen sowie Supermärkte und Vertreiber darauf anzusprechen, dass sie mit ihrem Produkt die Moore vernichten. Im Frühjahr stehen beim Babenhäuser Nabu monatlich Vogelstimmenwanderungen an. Infos bei Heidi Baker,

Tel. 06073 3603.

Quelle: op-online.de

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