Volle Körbe trotz leerer Geldbörsen

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Alle Hände voll zu tun haben (von links): Mitarbeiterin Karin Minnert, die beiden Vorstandsmitglieder Hans-Dieter Vogel und Petra Graff und Mitarbeiterin Yvonne Metzger.

Babenhausen - Kisten mit Weintrauben, Nektarinen, Karotten und Salat stapeln sich im hinteren Bereich des Ladens. Yvonne Metzger und Karin Minnert sortieren aus, was nicht mehr ansehnlich ist, und räumen die Regale ein. Von Petra Grimm

Hier sind neben dem frischen Obst und Gemüse verschiedene Brote, Knödel im Kochbeutel, Gläschen mit Kindernahrung, Tütensuppen, Biotee und andere Lebensmittel zu finden. Einige Hygieneartikel wie Duschgel oder Zahnbürsten sind auch zu haben. In der Kühltheke gibt es Milch, Käse und Wurst. „Joghurts sind heute leider nicht dabei“, sagt Yvonne Metzger. Die Hergershäuserin gehört zum ehrenamtlichen Helferteam, das inzwischen aus 24 Leuten besteht, und arbeitet immer montags im „LebensMittelPunkt“. Mitte Juni wurde der Laden in der Schlossgasse 18, der die Lebensmittelversorgung sozial Benachteiligter verbessern will, offiziell eröffnet.

Alle Hände voll zu tun haben

Es ist 13.30 Uhr und in einer Stunde werden die ersten Kunden eintreffen. Die drei Frauen, die heute im Laden im Einsatz sind, haben alle Hände voll zu tun. Aber es wird auch viel gescherzt und gelacht. „Wir sind montags hier eine tolle Gruppe. Ich bin von Anfang an dabei und mir macht es immer noch Spaß, auch die Gespräche mit den Kunden“, sagt Yvonne Metzger, und Karin Minnert stimmt ihr zu. Sie kommt aus Schaafheim und hat in der Zeitung von dem Projekt gelesen: „Ich bin Rentnerin und habe dadurch Zeit hier mitzuarbeiten.“ Vier Helfer haben die gespendeten Waren vormittags mit zwei Privatfahrzeugen an den Supermärkten und Geschäften abgeholt.

Berechtigt einzukaufen sind Hartz IV-Empfänger

„Es läuft gut an“, sagen Manfred Müller und Hans-Dieter Vogel, die beiden Vorsitzenden des im Februar gegründeten Vereins LebensMittelPunkt, der das soziale Projekt managt. Institutionen, Unternehmen, Vereine, der Magistrat und Bürger sitzen mit im Boot, das beginnt, Fahrt aufzunehmen. „Wir haben jetzt an drei Tagen geöffnet, montags und freitags von 14.30 bis 16.30 Uhr und mittwochs von 16 bis 18 Uhr. Pro Einkaufstag kommen immer so zwischen 25 und 30 Kunden. Am Anfang waren es um die zwölf. Unser Ziel sind 60 Kunden am Tag“, sagt Manfred Müller, der davon ausgeht, dass es noch eine Hemmschwelle gibt: „Beispielsweise kommen sehr wenige ausländische Mitbürger. Ansonsten ist die Kundschaft ganz gemischt. Es sind Arbeitslose, ältere Leute mit einer niedrigen Rente oder Mütter mit Kindern“, erklärt Müller. Berechtigt im LebensMittelPunkt einzukaufen sind Menschen, die Hartz IV erhalten, Wohngeldempfänger und Rentner, die nicht mehr als 900 Euro Einkommen haben. Wer seine Bedürftigkeit nachweist, erhält eine persönliche Kundenkarte und einen bestimmten Einkaufstag in der Woche. Für zwei Euro, die an der Theke im Eingangsbereich gezahlt werden, erhalten die Kunden einen Warenkorb, den sie gemeinsam mit den Mitarbeitern zusammenstellen. „Das sind alles Spenden, die uns Edeka, Lidl, die Bäckereien Lautenschläger und Heid, der Ranis-Hof und die Drogerie DM zur Verfügung stellen“, sagt Müller. Bei der Einrichtung des Ladens halfen die Firmen Farben Willand und Andre & Oestreicher.

„Lebensmittel wirft man nicht weg!“

„Wir haben keine abgelaufenen Waren“, betont Vorstandsmitglied Petra Graff, die sich um den reibungslosen Ablauf im Laden kümmert. Aber man müsse die Kunden doch gelegentlich darauf hinweisen, dass die Lebensmittel nicht mehr wochenlang haltbar seien, sondern schnell verzehrt werden müssten. „Beim Brot oder Gemüse bleibt manchmal noch was übrig, was wir nicht verkaufen können. Das geben wir dann an Bauernhöfe weiter für die Tiere. Da herrscht bei uns das Denken der Nachkriegsgeneration“, sagt Hans-Dieter Vogel schmunzelnd: „Lebensmittel wirft man nicht weg!“

Ganz wichtig ist den Vorstandsmitgliedern, dass die Abgabe der Lebensmittel nur eine Seite des Projektes ist. „Wir wollen sozialer Isolation entgegenwirken. Der Laden soll ein Treffpunkt sein, wo man bei einer Tasse Kaffee ins Gespräch kommt. Jeder ist willkommen“, sagt Müller. Ein großer Teil des Raumes ist deshalb als Café eingerichtet. Auf Regalen liegen Bücher und Zeitschriften aus, die man auch nach Hause ausleihen kann. Als nächster Schritt sei der Aufbau eines umfangreichen Beratungsangebotes, beispielsweise zu Ernährung oder rechtlichen Fragen, geplant. Ein abgeschlossener Raum für solche Gespräche wird gerade hergerichtet. „Hier soll ein Zentrum entstehen, in dem man Hilfe findet“, sagt Müller.

Jeder kann sich über das Projekt informieren

Beim Altstadtfest (10./11. September) wird der LebensMittelPunkt samstags von 12 bis 18 Uhr geöffnet sein. Jeder kann sich über das Projekt informieren und umschauen. Für Speis und Trank ist gesorgt. Außerdem ist ein Auftritt der Band „Midlife-Specials“ des Projekts 50plus der Kreisagentur für Beschäftigung geplant.

Quelle: op-online.de

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