„Von der Hand in den Kopf“

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Die Kids der Kita „Kunterbunt“ in einer „Bewegungsbaustelle“. Für die Kinder ist es nur spielen, für die Pädagogik dahinter das Erlernen wichtiger Kompetenzen, sich in der Gesellschaft und im Alltag zurecht zu finden.

Babenhausen - Die Ruhe in der Kita „Kunterbunt“ verwundert: „Wir haben noch ein paar Kinder, die schlafen. Die wachen erst gegen 15 Uhr auf“, klärt ASB-Bereichsleiterin Martina Barz auf. Von Michael Just

Der Mittagsschlaf der Kleinen passt zeitlich genau zum Tag der offenen Tür, der um 15 Uhr beginnen soll. Mit zahlreichen Informationsaushängen auf großen Kartons und Plakaten haben sich die Kita und ihr Träger, der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Darmstadt-Starkenburg, auf diesen Tag vorbereitet. Es gibt einen Film zum Tagesablauf in der Kita, Wissenswertes über Kooperationen mit Vereinen und Schulen sowie als Herzstück eine genaue Dokumentation, was in jedem der Funktionsräume der Einrichtung stattfindet. Einen Grund zu werben hat die Kita eigentlich nicht: Mit 94 Kids, darunter einer Integrationsgruppe, ist das Haus voll, trotzdem sucht man die Öffentlichkeitsarbeit.

Mittelpunkt der Kita sind die Funktions- beziehungsweise Konzepträume mit bestimmten Schwerpunkten: Es gibt ein Rollenspielzimmer, einen Bauraum, ein Atelier, einen Bewegungsraum und so weiter. Früher hatte jede Gruppe ein eigenes Zimmer. „Da gab es dann nicht nur viermal eine Puppenecke, sondern die Kids mussten auch jedes Mal fragen, wenn sie den Raum wechseln wollten“, erzählt Leiterin Dagmar Thybusch. Mit den Funktionsräumen ist das nun anders: Der Tagesablauf wird neben einer gewissen Zeit in der Stammgruppe größtenteils mit „Freispielzeit“ verbracht. Damit entspricht man der UN-Kinderrechtskonvention nach Beteiligung und Selbstbestimmung.

Fort- und Weiterbildung „immer ein Thema“

Wie Barz erläutert, hat die heutige Pädagogik das Kind und seine Bedürfnisse stärker als früher in den Mittelpunkt gerückt. Dabei gelten die Fragen: Was erwartet das Kind in der Gesellschaft und welche Kompetenzen braucht es, um den Alltag zu meistern? Eine Antwort lässt sich in der Mobilität finden. Bei „Kunterbunt“ wird dies mit einem „offenen Haus“ und „Bewegungsbaustellen“ umgesetzt. Bei „Bewegungsbaustellen“ können sich die Kinder mit Materialien und Objekten immer wieder neue „Bewegungslandschaften“ gestalten und mit Bewegung experimenieren. So bilden sich sowohl Sach- als auch Handlungskompetenz heraus. „Bewegung ist der Motor von Entwicklung“, weiß Barz und ergänzt, dass sich diese durch die Psychomotorik und den Situationsansatz zu einem weiten Feld entwickelt hat.

„Besonders hier haben wir in den letzten Monaten große, trägerrelevante Konzepte mit Weiterbildungslehrgängen umgesetzt. Die Fort- und Weiterbildung ist immer ein Thema bei uns“, sagt sie und berichtet über eineinhalbjährige Lehrgänge mit Prüfungen, an denen aus allen ASB-Kitas jeweils eine Person teilgenommen und das Erlernte in Teamsitzungen weitergeben hat. Danach kommt Barz wieder auf die moderne Pädagogik zurück. In der ist das Kind der Akteur für seine Entwicklung, das den Dingen mit seinem Tempo auf den Grund geht. „Die Kinder lernen über das Spielen, quasi von der Hand in den Kopf“, veranschaulicht die Bereichsleiterin. Das Spiel sei der Königsweg des Lernens, was man früher noch anders aufgefasst habe: „Da wurde das Lernen noch mit Dasitzen und Büffeln verknüpft.“

„Runder Tisch immer gut“

Auf diese und andere Erkenntnisse hat der ASB den Tagesablauf nicht nur bei „Kunterbunt“ ausgerichtet. Mit zahlreichen Ansätzen, wie den Funktionsräumen, Bewegung und Bewegungsfreiheit sowie einem größeren Materialeinsatz sieht man sich auf einem guten Weg, die Lernerfahrung der Kinder zu erhöhen und damit auch den hessischen Bildungs- und Erziehungsplan umzusetzen.

Das Stadtparlament hatte sich mehrheitlich dafür ausgesprochen, den ASB einer Erfolgskontrolle zu unterziehen (OP vom 2. Juni). Wie Barz sagt, gefalle ihr die resolute Wortwahl darin nicht immer. Der Vorstellung des ASB-Leitbildes im August gegenüber der Stadt sieht sie aber optimistisch entgegen: „Ein runder Tisch, der zum gegenseitigen und verständlichen Miteinander alles beleuchtet, ist immer gut.“

Quelle: op-online.de

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