Bald rücken die Zivilisten ein

Voraussetzungen für Kasernenkonversion getroffen

+
Das 60 Hektar große Kasernengelände mit den Wohnblöcken (links) und den historischen Gebäuden rechts verläuft oberhalb der B26. Im Hintergrund die zukünftigen Gewerbeflächen sowie dahinter die Start- und Landebahn, die noch vom Luftsportclub Babenhausen genutzt wird. Allerdings ist dem Verein zum Sommer 2018 gekündigt worden (wir berichteten). Auf der anschließenden Freifläche haben die Przewalskipferde eine Heimat gefunden (siehe Ankündigung auf dieser Seite). Ganz rechts ist das Freibad mit dem Küstenmotorschiff „Jenny“ zu erkennen.

Babenhausen - Gespräche, Diskussionen, Abstimmungen, Unterschriften – in den zurückliegenden Wochen hat die Konversion des Kasernengeländes Fahrt aufgenommen. Ein Überblick über Beschlüsse, Pläne und Verträge. Von Norman Körtge 

Vor gut einem Jahrzehnt, am 9. Juli 2007, fand der letzte Fahnenappell der amerikanischen Streitkräfte auf dem Kasernengelände statt. Mit der „Closing Ceremony“ und dem Abzug der letzten Soldaten endete eine über 100-jährige militärische Nutzung des insgesamt mehr als 140 Hektar großen Areals. Auf der zirka 60 Hektar großen bebauten Fläche entlang der B26 kann nach Jahren der Planung und Diskussion nun ein neues Stadtviertel entstehen – für die Stadt Babenhausen der Startschuss für ein Jahrhundertprojekt.

Die Gesellschaft

„Konversionsgesellschaft Kaserne Babenhausen mbH“ – so lautet der sperrig anmutende Titel der Gesellschaft, deren Gründung die Stadtverordneten Anfang März mit großer Mehrheit zugestimmt haben. Alleiniger Gesellschafter ist zunächst die Stadt Babenhausen. Die kommunale Gesellschaft ist Voraussetzung dafür, dass die Eigentümer des Kasernengeländes, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), das Gelände an die Stadt verkauft, die die Möglichkeit des Erstzugriffs nutzen will.

Die Investoren

Mit dem in Babenhausen ansässigen Bauunternehmen Aumann und dem Projektentwickler Revikon aus Gießen hat die Stadt jeweils Partner gefunden, mit denen das Kasernengelände für die zivile Nutzung entwickelt werden soll. Aumann ist in diversen Projekten, unter anderem in den Neubaugebieten Lachewiesen, involviert, Revikon weist als Referenz bereits sieben Kasernenkonversionen auf.

Der Kooperationsvertrag

Das 25 Seiten umfassende Werk regelt das Zusammenspiel von Stadt und Investoren. Vor einer Woche war er mit großer Mehrheit im Stadtparlament verabschiedet worden, gestern wurde er im Rathaus von den Vertragsparteien im Beisein eines Notars unterzeichnet. In dem Vertrag ist unter anderem geregelt, dass die Investoren den Kaufpreis bezahlen und auch sonst alle finanziellen Risiken tragen. Bestandteil des Kooperationsvertrages ist der vom Stadtparlament abgesegnete städtebauliche Rahmenplan.

Der Rahmenplan

Der Plan sieht eine Dreiteilung des ehemaligen Kasernengeländes vor. Im Osten entsteht in den vorhandenen Kasernengebäuden mit bis zu 120 Quadratmeter großen Wohnungen sowie in Neubauten ein neues Wohnquartier. Im westlichen Teil mit den historischen, zum großen Teil unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden, soll ein Kreativquartier entstehen und Einzelhandel angesiedelt werden. Dort könnten unter anderem Ateliers und Büros entstehen, Wohnen und Arbeit verbunden werden, wirbt Knoke. Für das Quartier spreche die gute Verkehrsanbindung. Die Stadt möchte bei einem späteren Zugriff auf das HEAE- Gelände auch die Sporthalle übernehmen. „Hallenkapazitäten brauchen die Babenhäuser Vereine immer“, so Knoke. Im südlichen Teil entstehen Gewerbeflächen. Der „neue Wasserturm“, eine schon von Weitem erkennbare Landmarke, wird voraussichtlich verschwinden. Der Turm ist marode und wird wahrscheinlich abgerissen, ebenso wie einige Baracken.

Flüchtlingsunterkunft in der Kaserne: Bilder

Der Kaufvertrag

Über den Kaufpreis ist Stillschweigen vereinbart worden. Es heißt, dass es sich um einen niedrigen, zweistelligen Millionenbetrag handeln soll. Auf jeden Fall ein vielfaches mehr als jener Betrag, der 2011 als Mindestgebot festgelegt wurde: das waren vier Millionen Euro.

Der Zeitplan

Direkt nach dem Stadtverordnetenbeschluss zum Kaufvertrag vor einer Woche hat Bürgermeister Knoke der BImA den Vertragsinhalt bestätigt. Dieser wird nun BImA-intern final geprüft, bevor er an den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages weitergegeben wird. Dessen vorläufig letzte Sitzung in der laufenden Legislaturperiode ist für den 28. Juni terminiert. Knoke hofft, dass spätestens in dieser Sitzung der Verkauf abgesegnet wird. „Erst dann kann es richtig losgehen“, so Knoke. Sein Wunsch: 2019 die ersten privaten Nutzer und Bewohner des neuen Viertels begrüßen zu können.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare