Selbst gemachte Berufserfahrung

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Heidi Klum war zwar nicht dabei, dennoch war die Modenschau in der Offenen Schule ein Erfolg: Die Wahlplichtfachgruppe „Mode kreativ“ präsentierte ihre Werke.

Babenhausen - Schwungvoll liefen die jungen Damen in ihren selbst genähten Röcken über den Laufsteg in der Offenen Schule. Stolz und ein bisschen aufgeregt präsentierten sie am Donnerstagnachmittag ihren Mitschülern, Lehrern, Familien und Firmenvertretern die Ergebnisse ihres Wahlpflichtfachs „Mode kreativ“. Von Petra Grimm

Seit Beginn des Schuljahres waren sie einmal in der Woche immer drei Stunden am Stück gemeinsam mit der Schneidermeisterin Claudia Poth-Joos an der Nähmaschine im Einsatz.

„Begonnen haben wir mit Schlüsselanhängern, die wir mit einfachen Zick-Zack-Stichen nähten. Wir haben Taschen angefertigt und später auch Kleidung. Die meisten machten sich einen Rock oder ein Oberteil. Dabei haben wir Dinge verwendet, die man zuhause hat, also beispielsweise eine alte Jeans oder einen Pulli, der nicht mehr passt. Diese Sachen wurden dann umgearbeitet. Denn es ging auch darum, tolle Kleidungsstücke ohne großen finanziellen Aufwand zu kreieren“, sagte die Schneidermeisterin, unter deren Anleitung die Neuntklässlerinnen auch gelernt haben, einen Reißverschluss einzunähen oder einen Schnitt aus einem Heft zu kopieren und zuzuschneiden.

Klassen in zahllosen anderen Wahlpflichtfächern aktiv

Neben dieser Schneiderwerkstatt waren die Schüler der siebten bis zehnten Klassen in zahllosen anderen Wahlpflichtfächern aktiv, und zwar mit spürbarer Begeisterung, denn sie konnten sich ihren Neigungen entsprechend für ein Jahr etwas auswählen. „Alle Fächer sind vertreten: Naturwissenschaften, Technik, Sprachen, Bewegung und Sport, künstlerische und musische Schwerpunkte. Es geht darum, sich selbst zu verwirklichen und mit anderen gemeinsam zu arbeiten. Während im Unterricht sonst eher der Kopf im Vordergrund steht, sind die Wahlpflichtfächer handlungsorientiert. Es wird etwas geschaffen und gestaltet. Das Ergebnis steht hier im Vordergrund“, sagte Schulleiter Rainer Becker bei der Eröffnung der Messe, bei der die verschiedenen Gruppen ihre Arbeitsergebnisse vorstellten.

Und die Interessen der Schüler spiegelten sich in interessanten Projekten. So hat sich eine Gruppe mit der Englisch-Lehrerin Gerlinde Schmidt, ausgehend vom Jahrestag der Terroranschläge am 11. September, intensiv mit New York beschäftigt, mit Liedern, Filmen und Sehnswürdigkeiten. Über ihre kreativen Keramikarbeiten, die unter der Leitung der Lehrerin Angelika Kumpf entstanden, berichteten Luca Träger und Semi Yilmaz fachmännisch. Farbenfrohe Stillleben zeigten einige Siebtklässler. „Wir haben auch Papier selbst gemacht“, sagte die dreizehnjährige Burcim Tekin stolz.

„Eine Präsentation in dieser Form machen wir zum ersten Mal“

„Eine Präsentation in dieser Form machen wir zum ersten Mal“, sagte Klaus Pullmann, Lehrer für Arbeitslehre, der die Fahrradwerkstatt der Schule leitet. In seinem Wahlpflichtkurs reparieren die Schüler mit Begeisterung kaputte Drahtesel. Die Schüler verbringen die eine Hälfte des Kurses an der Schule und die andere bei der Firma Continental, wo sie einiges über Fahrradelektrik lernen und Werkzeuge bauen, die sie bei der Reparatur der Fahrräder dann verwenden. Auch der Zweiradshop Niederhofer ist eingebunden. Denn ein Ziel der Wahlpflichtfächer ist auch, den Schülern einen Einblick in die Arbeitswelt zu ermöglichen. Wolfgang Michel, der Ausbildungsleiter der Continental, engagiert sich bereits seit vielen Jahren und auf ganz verschiedenen Ebenen im Austausch mit der Offenen Schule. „Wir informieren auf diese Weise über unsere Firma und den Inhalt unserer Ausbildungsberufe“, sagte Michel, der mit Schülern und Lehrern auch schon Bewerbungstraining gemacht hat.

Siebtklässler haben Stillleben gemalt.

Für Barbara Meuer, Schulzweigleiterin der Verbundklassen, ist Berufsorientierung ein wichtiges Thema und diese Form des Austauschs wichtig. Sie ist eine der Organisatorinnen der großen Job-Info-Börse und bemüht sich um Kontakte zum örtlichen Gewerbeverein. „Bei dieser Messe heute ist die Perspektive anders als bei der Job-Börse, denn die Schüler präsentieren sich und nicht die Firmen“, sagte Meuer. Ideal wäre ihrer Meinung nach, wenn Firmen direkt mit ihren offenen Lehrstellen in die Schule kämen.

„Denn die Situation hat sich geändert. Das haben die Schüler aber noch nicht im Bewusstsein. Es gibt wieder mehr offene Stellen und die jungen Leute sollten ihren Blick stärker auf die Betriebe richten. Die ganze Zeit sind sie darauf getrimmt worden, weiterbildende Schulen zu besuchen, weil es so wenig Ausbildungsplätze gab“, sagte Meuer.

Quelle: op-online.de

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