Waldkindergarten

Draußen bei Wind und Wetter

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Wer den Waldkindergärten besucht hat, ist auch im späteren Leben sehr naturverbunden, sagen die Fachleute. 

Babenhausen - „Vorher waren sie den ganzen Tag draußen, in der Schule sind sie dann den ganzen Tag drin. Dazu ist die vorschulische Erziehung im Wald nicht ganz so ausgeprägt. Von Michael Just

Haben Sprösslinge, die einen Waldkindergarten besucht haben, später Nachteile in der Schule?“ Das war einer der Fragen, die in der Stadthalle aufkamen. Das Thema: Soll Babenhausen einen Waldkindergarten bekommen?.

Organisiert hatte die Info-Veranstaltung die Stadtverwaltung, nachdem das Thema jüngst nicht nur im Stadtparlament die Runde machte. Gleich vier Referenten hatte der städtische Fachbereich für Soziales und Familie eingeladen; für fundierte Praxisberichte drei Vertreter von Waldkindergärten aus Dietzenbach, Obertshausen und Kranichstein, des Weiteren Stefan Rickert vom Hessen Forst, der die Rahmenbedingungen erläuterte.

Kinder unterhalten sich reichlich

Die Praxisberichte offenbarten viel Erstaunliches. Dazu gehörte, dass Waldkindergärten bei Wind und Wetter, auch im Winter, jeden Tag draußen sind. „Nur wenn die Minusgrade zweistellig werden, gehen wir in unseren Schutzraum“, sagt Melanie Wening von „Hoppetosse“ in Dietzenbach. Allen Waldkindergärten ist gemein, dass sie spielzeugfrei sind. Gespielt wird nur mit dem, was der Wald bietet. „Daraus entstehen viele Rollenspiele. Die Kinder unterhalten sich reichlich, was Sprache und Ausdruck fördert“, weiß Wening.

Ein weiterer nachvollziehbarer Vorteile: Das Toben im Wald ist positiv für die Grob- und Feinmotorik, dazu sind die Kinder weniger krank und infektionsanfällig. Das Essen ist komplett zuckerfrei, um kleine Tierchen fernzuhalten. Dass die Naturkinder später Nachteile in der Schule haben, kann sie nicht bestätigen: „Unsere Nachfragen ergaben, dass sie zu den Besten der Klasse gehören.“

In Obertshausen, Hanau und Mühlheim ist die Arbeiterwohlfahrt (AWO) Träger von drei Waldkindergärten. Wie Mitbegründerin Asha Scherbach berichtete, gibt es in Deutschland mittlerweile mehr als 1000 solcher Einrichtungen.

Konzept muss sich rumsprechen

Für Regina Lange und Jessica Schumacher von der Babenhäuser Stadtverwaltung war die Infoveranstaltung ein Parameter, wie groß das Interesse von Eltern an einem Waldkindergarten ist. Allerdings zeigte sich die Resonanz als gering, was auch daran lag, dass das angesprochene Publikum keine einheitliche Gruppe umfasst. „Das sind Paare, die gerade Eltern geworden sind, aber auch jene, die die Familienplanung noch nicht abgeschlossen haben“, sagt Schumacher. Trotz des geringen Zuspruchs will sie das Thema nicht gleich ad acta legen, auch weil sich das Konzept aus Erfahrung rumsprechen muss. Danach ist das Interesse meist so groß, dass es Wartelisten braucht. Dietzenbach hat bis 2015 keine Plätze mehr.

Bekommt Babenhausen einen Waldkindergarten, hat der ASB, der die städtischen Kitas betreut, bereits angekündigt, dass er auf eine Trägerschaft verzichten will. Im städtischen Fachbereich kommentiert man das nicht negativ und sieht eher Vorteile in der Vielfalt der Träger.

Asha Scherbach kann sich vorstellen, dass die AWO zukünftig auch in Babenhausen agiert. Die oben angeführten Waldkindergärten werden mit unterschiedlichen Beträgen von den Kommunen unterstützt (50 bis 75 Prozent). Bei den Kosten für die Eltern liegen viele Einrichtungen leicht über den Sätzen kommunaler Angebote, da die Finanzierung für die zahlreichen freien Träger, wie Elterninitiativen, nicht einfach ist.

Für Stefan Rickert von Hessen Forst sind die bürokratischen Hürden für einen Waldkindergarten nicht so hoch. Zwar gehe eine solche Einrichtung über das Waldbetretungsrecht hinaus, Eingriffe in die Natur müsse man durch die Kinder aber nicht befürchten.

Lediglich die Naturschutzgebiete seien zu beachten. „Im Vorfeld wird ein Vertrag mit ein paar Spielregeln gemacht“, weiß Rickert. Dazu sei die Verkehrssicherung wichtig, dass den Kindern keine Äste auf die Köpfe fallen. Darum würden sich die zuständigen Revierleiter kümmern. Als geeignetes und attraktives Gebiet sieht er den Wald in der Nähe der Babenhäuser Reithalle sowie hinter der Markwaldhalle in Langstadt an. Grundsätzlich steht auch er den Waldkindergärten positiv gegenüber: „Alles Wissen, was der Mensch im Lauf der Jahre sammelt, kann verloren gehen. In Waldkindergärten wächst mit einer emotionalen Bindung aber weit mehr. Jene Naturverbundenheit werden die Kinder ihr ganzes Leben behalten.“

Quelle: op-online.de

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